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Cybersecurity

Das sind die gefährlichsten Tricks der Hacker 2022

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Der Feind spielt über Bande

Nach langer Zurückhaltung entdecken inzwischen auch immer mehr deutsche Unternehmen die Cloud als Speicher und virtuelles Rechenzentrum für ihre Datenbestände und Anwendungen. Ein wichtiger Treiber dahinter ist – ausgerechnet – die Exchange-Lücke von vergangenem Frühjahr. Denn von der Schwachstelle waren nur die bei Unternehmen selbst betriebenen Exchange-Systeme betroffen, die von Microsoft in der Cloud angebotene Office 365-Plattform war nicht betroffen.

Das Problem beim Umzug in die Cloud: Er schafft neue Angriffsrisiken, die viele Unternehmen noch nicht auf dem Schirm haben. Wer Programme als Cloud-Anwendungen nutzt oder sich immer stärker über Plattformen im Internet mit Kunden oder Lieferanten vernetzt, wird damit auch verletzbarer für Hackerattacken, die zunächst gar nicht direkt aufs Unternehmen zielen.

Stattdessen infiltrieren Cyberkriminelle im ersten Schritt die Cloudplattformen, oder sie attackieren Kunden oder Lieferanten und starten den Angriff aufs finale Ziel erst, wenn sie sich bei dessen Partnern bereits in den Systemen breitgemacht haben. Sie spielen sozusagen „über Bande“. 

Weil diese Angriffe aus der Lieferkette – im Branchenjargon „Supply-Chain-Attacke“ genannt – von vermeintlich vertrauenswürdigen Quellen ausgehen, gelingt es den Angreifern vielfach leichter, in die IT ihrer Opfer einzudringen.

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    Bedrohung durch gefälschte Vorgesetzte

    Als Handy-Apps sorgten sogenannte Deep-Fakes bisher zumeist nur für Schmunzeln: Wer will, tauscht in Kurzclips aus bekannten Filmen die Köpfe bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler per KI-Software mit dem eigenen Gesicht aus. Das Programm passt dabei Mimik und Mundbewegungen automatisch an und plötzlich taucht das eigene Konterfei im Kostüm von Captain Jack Sparrow oder Lara Croft im Handybildschirm auf.



    Was am Smartphone mitunter noch etwas gestanzt aussieht, beherrscht professionelle Software auf Großrechnern inzwischen aber längst so perfekt, dass es kaum noch auffällt. Mehr noch, die Programme sind auch in der Lage, Videoausschnitte ohne Austausch des Gesichts so zu modifizieren, dass die dargestellten Personen in der angepassten Aufnahme synchron ganz andere Dinge sagen als in der Originalaufnahme. Sprachsoftware, die Stimmen automatisch analysieren, in einzelne Laute zerlegen und neu zusammensetzen kann, liefert dann auch noch den passenden Ton dazu.

    Für Cyberkriminelle sind das die perfekten Werkzeuge, um eine längst etablierte Angriffstechnik nochmals deutlich zu verbessern: Die sogenannte Fake-CEO-Attacke. In der Vergangenheit setzten die Betrüger darauf, Beschäftigte in Unternehmen vor allem mit gefälschten E-Mails vom vermeintlichen Chef beispielsweise zur Überweisung großer Geldbeträge zu bewegen. 

    Nun aber können sie dank immer besserer Deep-Fakes auch Text- oder Videobotschaften versenden, die sie etwa über gehackte Zugänge zu firmeninternen Kommunikationsplattformen oder Messengerdienste an arglose Beschäftigte schicken. Sicherheitsexperten rechnen für 2022 mit einer deutlichen Zunahme solcher Deep-Fake-Attacken.

    Gefährliche QR-Codes

    Spätestens seit sie auf jedem offiziellen Coronatest prangen, kennt sie jeder: QR-Codes, die sich per Handykamera scannen lassen und einen auf die passenden Webseiten im mobilen Browser lotsen. Das ist zwar äußerst praktisch, wird aber längst von Hackern auch als neues Angriffswerkzeug genutzt. Qshing – der Begriff verbindet QR-Code und Phishing – heißt der neue Angriffstrend, vor dessen Einsatz Sicherheitsspezialisten 2022 verstärkt warnen. 

    Denn wer einen QR-Code scannt, kann in der Regel nicht erkennen, welche Internetseite oder welcher Programmbefehl in dem Muster verborgen ist. Das nutzen die Angreifer aus - und lotsen Nutzer auf gefälschte Webseiten, um dort Nutzerdaten und Passworte zu stehlen. 

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    Inzwischen enthalten zwar viele Schutzprogramme für Mobiltelefone Sicherheitsfilter, die vor dem Aufruf von Web-Angeboten automatisch prüfen, ob deren Adressen gefälscht oder als mindestens riskant bekannt sind. Doch nicht immer sind die Filter aktuell genug. Und – vor allem – noch immer nutzen viel zu viele Menschen ihre Smartphones ohne jeden Hackerschutz und jedes Sicherheitsprogramm.

    Höchste Zeit also für einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: sich endlich mal um mehr Sicherheit seiner wichtigsten digitalen Alltagsgerätes zu kümmern!

    Mehr zum Thema: So viele Unternehmen wie nie zuvor wurden im vergangenen Jahr Opfer von Hackerangriffen mit Erpressungssoftware. Immerhin, mit den richtigen Verhandlungstricks können Profis Lösegelder nach Cyberattacken teils drastisch reduzieren.

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