WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Cybersecurity
Quelle: REUTERS

Hacker-Attacken: Firmen setzen Notruf an den Staat ab

Die Angst vieler Mittelständler vor existenzgefährdenden Cyberattacken ist so groß, dass sie jetzt sogar den Staat um Hilfe rufen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Wenn es bei mittelständischen Unternehmen einen Buhmann gibt, dann ist das der Staat. Frei von bürokratischen Fesseln wollen die vielen kleinen und mittleren Firmen, bei denen meist der Gründer auch im Chefsessel sitzt, ihre Ideen frei entfalten können, ohne dass sich Behörden einschalten – zum Beispiel wenn es um die Überwachung von Hygienevorschriften oder das Aufspüren von Steuersündern geht. Umso erstaunlicher ist, dass diese Unternehmen jetzt zum ersten Mal über ihren eigenen Schatten springen und den Staat um Hilfe rufen.

Laut einer Umfrage, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und TÜV-Verband in dieser Woche gemeinsam vorstellten, fordern 47 Prozent der Unternehmen höhere gesetzliche Anforderungen an die IT-Sicherheit in der Wirtschaft. Noch mehr Unternehmen stimmten sogar der Aussage zu, dass Regulierung durch den Gesetzgeber wichtig ist und zu einer besseren IT-Sicherheit ihres Unternehmens beiträgt.

Fast schon beiläufig erklären die Macher der Studie, dass dieser plötzliche Stimmungswandel auf die zunehmende Digitalisierung in den Unternehmen und die eigene Betroffenheit durch Cyberangriffe zurückzuführen ist. Die Unternehmen nehmen Cyberangriffe nicht mehr als abstrakte Gefahr wahr. Die Schäden sind offenbar so hoch, dass die Betroffenen sich nicht mehr anders zu helfen wissen, als den Notruf in Richtung Staat zu betätigen.

Den Beweis lieferte zwei Tage später eine Studie des Digitalverbandes Bitkom. Demnach sind die Schäden durch Sabotage, Datendiebstahl und Spionage in der deutschen Wirtschaft auf die neue Rekordmarke von knapp 103 Milliarden pro Jahr gestiegen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es noch 55 Milliarden Euro. 70 Prozent der deutschen Unternehmen sind demnach bereits Opfer von Cyberangriffen geworden. Vor zwei Jahren waren es nur 43 Prozent. Die Schäden sind auch deshalb so hoch, weil sich die Freizeithacker von früher zu gut ausgerüsteten und technologisch hoch versierten Cyberbanden weiterentwickelt haben, die auch mit staatlichen Geheimdiensten zusammenarbeiten. Wahrscheinlich ist die Zahl der Opfer noch höher. Denn insbesondere bei gut getarnten Spähangriffen bekommen viele Unternehmen überhaupt nicht mit, wenn sich die virtuellen Spione in ihren IT-Systemen verstecken und den Datenstrom anzapfen.

Die Rekordschäden sind für den Wirtschaftsschutz in Deutschland der Offenbarungseid. Seit Jahren propagieren die Bundesregierung und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die „Hilfe zur Selbsthilfe“ als Richtschnur für alle ihre Pläne zum Schutz der Unternehmen. Unter dem Motto „Prävention durch Information“ wurden viele Initiativen und Plattformen gestartet, um Unternehmen zu sensibilisieren und besser auf die Angriffe vorzubereiten.

Die erhoffte Trendwende hat das nicht gebracht – wie die jetzt veröffentlichten Milliardenschäden zeigen. Gut ist allerdings, dass die betroffenen Unternehmen noch neuen Lösungen suchen, damit die Digitalisierung nicht zum Albtraum wird. Die Bereitschaft vieler Mittelständler, Hilfe vom Staat entgegenzunehmen, wird weiter wachsen. Und diese Chance sollte sich der Innenminister mit seinen Sicherheitsbehörden nicht entgehen lassen.



Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%