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Cybersecurity
Quelle: imago images

So stoppen Sie die Schnüffelei von Facebook, Google & Co.

Eine neue Facebook-Funktion offenbart erstmals, wie umfassend der Dienst seine Nutzer auch jenseits des sozialen Netzwerks verfolgt und daraus detaillierte Personenprofile erstellt. Dabei kann man sich durchaus vor den allzu neugierigen Internetdiensten schützen – nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Google und Amazon.

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Es war bisher für Viele nur ein diffuses Gefühl: Wenn wir uns durchs Netz bewegen, dann surfen Amazon, Facebook oder Google irgendwie immer mit. Viele Internetseiten, die vordergründig gar nichts mit einer der Netzgrößen zu tun haben, nutzen deren Analyse-Werkzeuge, um mehr darüber zu erfahren, wer sich da gerade durchs Web klickt. Im Tausch für diese Information bekommen die Konzerne zugleich auch immer detailliertere Einblicke in unser digitales Leben.

Wie überraschend genau dieses Bild ist, das verrät eine neue Funktion, die Facebook in diesen Tagen für deutsche Mitglieder freigeschaltet hat. „Aktivitäten außerhalb von Facebook„ heißt sie und sie findet sich in den Einstellungen des Nutzermenüs. Dort listet Facebook auf, welche Apps und Webseiten im Laufe des vergangenen halben Jahres Daten über Facebook-Nutzer mit dem sozialen Netzwerk geteilt haben. Informationen, die die Plattform dann nutzen kann, um etwa personalisierte Anzeigen einzublenden oder andere Seiten und Dienste zu empfehlen.

Das Ausmaß des Datenaustauschs im Hintergrund dürfte die meisten mindestens überraschen, manche auch erschrecken. Denn die neue Funktion macht erstmals sichtbar, wo Facebook überall mitsurft – selbst wenn man keine „Like-Buttons“ drückt, keine Einträge in den Kommentarfeldern von Facebook hinterlässt und sich in den unterschiedlichen Web-Angeboten auch nicht aus Bequemlichkeit mit seinen Facebook-Nutzerdaten anmeldet.

In meinem Fall beispielsweise listet die Übersicht rund 230 Angebote im Netz auf, die ich aufgerufen habe. Sie erlauben es dem Netzwerk, weitaus genauer als ich bisher angenommen hatte, zu erfassen, was mich aktuell umtreibt. Weit genauer vor allem, als ich das Facebook über meine bewussten Likes und Kommentare bisher schon selbst wissen ließ. Es ist ein bemerkenswert umfassendes Bild, zu dem sich die dokumentierten Aktivitäten meines digitalen Ichs fügen.

Urlaub, Banken, Autopannen – alles wird erfasst

In welchen Angeboten ich nach Urlaubszielen suche, verraten Einträge der Reiseveranstalter, die ich aufgerufen habe. Welche Handys mich interessieren, zeigen jene der Telefonproduzenten. Facebook erfährt, welche Banken ich im Netz ansteuere, bei welchen Cloud-Anbietern ich meine Daten sichere. Welche Automarke mich nach Werkstätten suchen lässt, ja, sogar bei welchen Anbietern von Sicherheitssoftware ich Tipps gegen Online-Risiken nachschlage und wie häufig – all das dokumentiert Facebook ohne mein Zutun. Das soziale Netzwerk weiß auch bestens, welche Nachrichten ich online lese. Ich gebe zu: Als Journalist bin ich durchaus ein Teil des Problems. Denn auch bei wiwo.de finden sich verräterische Like-Buttons in den Texten, über die Leser unsere Artikel teilen können, damit auch unser Magazin den Sprung ins digitale Zeitalter schafft.

Die aufgeführten 230 Webseiten, die mir Facebook auflistet, sind nicht einmal komplett. Das Netzwerk schreibt, man zeige „aus Gründen der Zuverlässigkeit nicht alle Aktivitäten, über die wir informiert wurden“. Das gelte auch für „Informationen, die wir erhalten haben, während Du nicht bei Facebook eingeloggt warst“. Tatsächlich trackt der Netzkonzern seine Nutzer auch zu Zeiten, wenn die sich gar nicht in ihrem Profil angemeldet haben – unter anderem indem das Netzwerk die zwischenzeitlich aufgerufenen Seiten nachträglich erfasst, sobald man sich wieder einloggt.

Dass derlei Schnüffelei Manchem übel aufstoßen könnte, damit rechnet offenbar auch Facebook. Erst recht, wenn die Informationen erstmals so offensichtlich werden wie durch die neue Funktion. Und so versichert der Konzern nicht bloß, er verkaufe die erfassten persönlichen Informationen nicht an Dritte. Was nicht verhindert, dass sie, wie etwa der Fall Cambridge Analytica zeigt, eben doch in falsche Hände geraten können.

Wie sich die Spuren tilgen lassen

Zusätzlich bietet Facebook nun die Möglichkeit, sowohl einzelne Einträge aus der Liste der externen Aktivitäten zu tilgen als auch den gesamten protokollierten Verlauf von seinem Nutzerprofil zu entkoppeln. Wer will, kann zudem festlegen, dass künftige Seitenbesuche gar nicht mehr mit dem eigenen Konto verknüpft werden.

Eine ähnliche Funktion bietet Google mit der Option, im Nutzerprofil erfasste „Web- & App-Aktivitäten“ zu überprüfen und gegebenenfalls zu löschen, Einträge automatisch zu löschen oder künftig nicht mehr zu erfassen.

Wer sich nicht auf diese Zusagen verlassen will oder es den Datensaugern insgesamt deutlich schwerer machen will, detaillierte Nutzerprofile anzulegen, der kann seinen Browser mit kleinen Zusatzprogrammen erweitern. Die sorgen für deutlich mehr Privatsphäre beim Surfen im Netz. Eines der am weitesten verbreiteten Werkzeuge ist der „Privacy Badger“ der Datenschutzinitiative Electronic Frontier Foundation. Das Programm für Googles Chrome-Browser, Firefox, Opera und auch den neuen Microsoft Edge-Browser filtert einen Großteil der sogenannten Tracker aus den Web-Angeboten. Mit deren Hilfe erfassen Seitenbetreiber, aber eben auch Dienste wie Facebook, Amazon oder Google das Nutzerverhalten im Netz.

Ab in den Container

Noch rigider geht die Erweiterung „Firefox Multi-Account Containers“ zu Werke, die es bisher aber nur für die Web-Software der Mozilla-Stiftung gibt. Sie trennt verschiedene Surf-Fenster so voneinander, dass die großen Datensammler selbst dann keine Information mehr über das Surfverhalten ihrer Nutzer erhalten, wenn diese in einem Browser-Fenster in mehreren Tabs in ihren Google-, Facebook- oder Amazon-Konten angemeldet sind. Der Aufruf von Facebooks, Googles oder Amazons eigenen Seiten und Diensten funktioniert trotzdem. Bei allen anderen Seiten aber, in denen Like-Buttons, Kommentarfelder oder auch nur Tracker der Netz-Konzerne eingebunden sind, über die sonst Nutzerdaten erfasst werden, kappt der Container den Datenaustausch.

Allerdings mit der Konsequenz, dass man sich nicht mehr auf Seiten dritter Anbieter, egal ob Web-Shop oder Fitness-Tracker, mit den Facebook- oder Google-Konten anmelden kann.

Aber so ist das: Höchste Bequemlichkeit und maximaler Datenschutz – das schließt sich eben aus.

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