WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Datenwolken iBeam.it soll Grenzen zwischen Plattformen niederreißen

Die Macher des Cloud-Automatisierungsspezialisten Wappwolf haben iBeam.it lanciert, einen Service, mit dem sich bei einem Onlinedienst abgelegte Dateien von Freunden, Bekannten oder Kollegen über andere Cloudservices abrufen lassen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Mit iBeam.it lassen sich die bei einem bestimmten Cloudservice abgelegten Dateien über beliebige andere unterstützte Webdienste abrufen. So werden Freunden und Bekannten bestimmte Dateien wie etwa Fotos oder Videos zugänglich gemacht, selbst wenn sie kein Konto beim jeweiligen Anbieter besitzen. Quelle: Screenshot

Im Herbst berichtete netzwertig.com, dass der aus Österreich ins Silicon Valley umgezogene Dienst Wappwolf seinen gleichnamigen Automatisierungsservice für Dropbox, Google Drive und Box nicht mehr nennenswert weiterentwickeln möchte. Das Tool, mit dem für bei den drei Cloudanbietern abgelegte Dateien Regeln zur automatischen Weiterbearbeitung angelegt werden können, sei trotz 85.000 Usern nicht zu einem Massenprodukt zu verwandeln. Genau dorthin möchten CEO Michael Eisler und sein Team, das im Zuge der Entscheidung von zwölf auf vier Mitarbeiter verkleinert wurde, aber. Parallel zu dem Entwicklungsstopp für Wappwolf entschlossen sich die Österreicher, einen neuen Versuch zu wagen. Das Resultat heißt iBeam.it und ging vor einigen Wochen online. Anders als Wappwolf richtet sich iBeam.it an einen breiteren Anwenderkreis, der häufig in sozialen Netzwerken zugange ist – was ja mittlerweile auf einen Großteil der Internetnutzer zutrifft.

Die wichtigsten Cloud-Computing-Anbieter
Logo von United Internet Quelle: Presse
Logo der Deutsche Telekom Quelle: AP
Logo von Salesforce
Logo von SAP Quelle: dpa
Logo vom Rackspace Hosting
Microsoft-Chef Steve Ballmer Quelle: AP
Diverse Google-Logos Quelle: rtr

Auch wenn beim flüchtigen Blick auf die iBeam.it-Website nicht eindeutig klar wird, in welchen Situationen sich der Einsatz des Dienstes anbietet, so erfüllt er ein mutmaßliches Bedürfnis vieler Nutzer: Sie laden bestimmte Dateien wie etwa Fotos oder Videos bei einem Cloudservice oder Social Network hoch und würden diese gerne ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen zugänglich machen – diese besitzen jedoch kein Konto bei dem jeweiligen Anbieter. Mit Hilfe von iBeam.it erstellen Anwender einen sogenannten Beam, der dafür sorgt, dass die entsprechenden Dateien von den Empfängern über einen beliebigen anderen, von iBeam.it unterstützten Webservice abgerufen werden können. Die Aufforderung an den besten Freund, die Eltern oder die Tante, sich doch unbedingt ein Instagram-Konto zuzulegen, um immer sofort die aktuellsten Urlaubsfotos zu Gesicht zu bekommen, ist nicht mehr notwendig.

Um Inhalte über iBeam.it ausgewählten Personen zugänglich zu machen, verknüpfen Anwender den Service mit ihren Konten bei Dropbox, Google Drive, Instagram, Facebook und Flickr, indem sie iBeam.it Zugriff auf den jeweiligen Account geben. Bei Dropbox existiert auch die Option eines beschränkten Zugriffs auf lediglich einen spezifischen Ordner. Nach der Autorisierung erstellen User einen Beam, der etwa sämtliche in einem bestimmten Dropbox- oder Google-Drive-Ordner gespeicherten Dateien enthält, oder alle Fotos aus einem Facebook-Album. Zu diesem Beam erhalten sie eine individuelle URL, die sie nun über soziale Netzwerke, per Mail oder mittels iBeam.it-Button auf ihrer Website oder ihrem Blog verbreiten können.

Beam me up!

Welche Wolke ist die richtige für mich?
DropboxDer US-Anbieter Dropbox ist bekannt für seine besonders elegante Cloud-Lösung: Unter Windows, Mac OS X (Bild) oder Linux wird nach der Installation der Software einfach ein Internet-Ordner im Dateisystem eingebunden, in dem jede Art von Datei ganz normal gespeichert werden kann. Die Online-Festplatte wird so auf die einfachste mögliche Art realisiert. Der Zugriff von mobilen Systemen wie iPhone, Blackberry oder Android funktioniert per App. Ebenfalls möglich ist der Zugriff via Webinterface, falls die Software an einem Rechner nicht installiert ist. Dateien lassen sich nicht nur mit anderen Nutzern des Dienstes teilen, sondern auch per Link, falls dies ausgewählt wird. 2 Gigabyte gibt es bei Dropbox gratis. Der Speicher wird zusätzlich mit jedem geworbenen Nutzer um 250 Megabyte größer – bis zu einer Höchstgrenze von bis zu 8 Gigabyte. Ansonsten kostet ein zusätzliches Gigabyte 19 Dollar pro Monat (etwa  16 Eurocent). Bei einem Jahres-Abo gibt es 50 Gigabyte für 100 Dollar im Jahr (etwa 80 Euro). Beim Up- und Download der Dateien gibt es keine Beschränkung. Bei der Nutzung eines US-Anbieters wie Dropbox muss der Nutzer beachten, dass das Unternehmen US-amerikanischem Recht unterliegt. Damit ist es  beispielsweise verpflichtet, mit US-Behörden im Rahmen des Patriot Act zusammenzuarbeiten. Die Daten werden verschlüsselt gespeichert – ein Test des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnologie bemängelte jedoch, dass die Daten nicht direkt beim Kunden verschlüsselt werden, sondern erst auf dem Online-Speicher. Dem Anbieter muss damit entweder vertraut werden – oder der Anwender verschlüsselt die Cloud-Daten selbst mit einem Programm wie TrueCrypt. Quelle: Screenshot
Strato Cloud Computing Quelle: Screenshot
Telekom-Cloud Quelle: dpa
Computer Bild Quelle: Screenshot
Livedrive Quelle: Screenshot
Skydrive Quelle: Screenshot
Google Drive Quelle: Screenshot

Wer auf die URL klickt, landet auf einer Landingpage mit dem Aufruf, dem jeweiligen Beam zu folgen. Dazu wählen User auf der folgenden Seite aus derzeit 14 unterschiedlichen Methoden, um die Inhalte des Beams zu beziehen, darunter Evernote, Box, per FTP, per E-Mail, per SkyDrive, Sugarsync oder Google Drive. Bevor sie den jeweiligen Bezugskanal durch einen Login beim entsprechenden Service autorisieren, müssen sie sich noch bei iBeam.it registrieren. Ist das erledigt, steht dem plattformübergreifenden Abruf der Dateien nichts mehr im Wege.

Der Grundgedanke von iBeam.it sagt mir sehr zu. Um beim Instagram-Beispiel von oben zu bleiben: Alle Instagram-Nutzer kennen einige Personen, die selbst nicht bei Instagram registriert sind, aber die Schnappschüsse gerne über einen anderen Kanal erhalten würden. Etwa Großeltern per E-Mail oder Kommilitonen per Dropbox. iBeam.it ermöglicht dies – sowohl für Instagram als auch für Inhalte bei Dropbox, Google Drive, Facebook und Flickr. Im persönlichen Mitgliederbereich können Nutzer ihre Beams verwalten und einsehen, wie viele Abonnenten diese jeweils besitzen.

Die wichtigsten IT-Trends

Woran es iBeam.it bisher mangelt, sind gute, verständliche Erklärungen zur Funktionsweise. Zwar gibt es eine FAQ, aber wer etwa die URL zu einem Beam von einem Freund erhält und daraufhin einen Dienst auswählt, zu dem er die Inhalte aus dem Beam geliefert bekommen möchte, der wird dann bei einigen Kanälen auf der nächsten Seite plötzlich zum Einloggen bei iBeam.it über Google, Facebook, Windows Live oder Dropbox aufgerufen – mit dem Hinweis, dass iBeam.it seine E-Mail-Adresse benötige. Doch soll iBeam.it tatsächlich auch für wenig geekige Nutzer attraktiv sein, dann müsste dies anders formuliert werden. Denn der Durchschnittsnutzer besitzt keine Kenntnis darüber, dass bei einer Authentifizierung über einen externen Anbieter die dort hinterlegte E-Mail-Adresse an iBeam.it übermittelt wird. Auch an einigen anderen Stellen wurde ich stutzig, weil mir die genaue Verfahrensweise nicht richtig klar war. Wenn es mir so geht, werden weniger technisch versierte User damit erst recht Probleme haben.

Nicht für die breite Masse geeignet?

Zehn Vorurteile gegen die Cloud
1. Die Cloud ist nicht sicher  Falsch. Vielmehr gilt: Wer billig kauft, kauft teuer. Die Begründung: Wichtig ist es, für seine Anforderungen das richtige Modell zu finden. Hierfür muss zwischen der öffentlichen Public Cloud und der geschlossenen, nur angemeldeten und abgesicherten Nutzern zugänglichen Private Cloud unterschieden werden. In vielen Public Cloud Angeboten gibt es bis dato keine Modelle, die dem Kunden Sicherheit garantieren. In einem Private Cloud Modell dagegen lassen sich Sicherheitszusagen sowie Zusagen für Performancewerte durchaus treffen. Wichtig ist es, für seine Anforderungen das richtige Modell zu finden. Ob ein Service die für den Kunden ausreichende Sicherheit liefert, wird in Private Clouds durch Zertifikate wie zum Beispiel das SSAE16 sowie die verwendete Architektur und Technologie  sichergestellt. Neben einem Zertifikat ist das SLA (Service Level Agreement) zwischen Anbieter und Nutzer von entscheidender Bedeutung. Im Übrigen kann selbst ein Cloud-Anbieter nicht auf die Daten des jeweiligen Kunden zugreifen. Auch dann nicht, wenn er zu administrativen Zwecken auf die Netzinfrastruktur und Systeme zugreifen muss. Quelle: dapd
2. Ich verliere die Rechte an meinen DatenFalsch. Lesen Sie das Kleingedruckte. Die Begründung: Tatsächlich ist es oft schwierig, seine Daten einfach und sicher zu einem Cloud Provider zu migrieren. Man sollte denken, es wäre selbstverständlich, die Hoheit über seine Daten zu behalten. Leider sehen die SLA´s einiger Anbieter hierfür keine geregelte Strategie vor. Daher müssen Unternehmen bei manchen Anbietern mit hohen Aufwänden für die Migration ihrer Daten rechnen. Dann wird ein vermeintlich attraktives Angebot schnell zum kommerziellen Desaster. Es lohnt sich, das Kleingedruckte aufmerksam zu lesen, zu verstehen, und gegebenenfalls Transparenz einzufordern.  Quelle: dapd
3. One size fits allEine flexible, uneingeschränkte Skalierung ist Trumpf. Die Begründung: Cloud Angebote basieren auf Virtualisierung, also einer vernünftigen Auslastung von Ressourcen, um die Kosten niedrig zu halten. Darum sollten Anwender darauf achten, daß sie Ressourcen gemäß ihrer individuellen Anforderungen frei skalieren können. Nur dann lassen sich weitreichende kommerzielle Vorteile erzielen. Quelle: dpa/dpaweb
4. Es gibt nur zwei Abrechnungsmodelle: "Pay as you go" oder LaufzeitenvertragFalsch. Die Lösung liegt in einer klugen Mischung aus beidem. Die Begründung: Es ist klar, dass das "Pay as you go", also ein bezugsabhängiges Abrechnungsmodell ohne Vertragsbindung, grundsätzlich teurer ist als eine vertraglich vereinbarte Abnahme von Leistungen. Sobald Anwender jedoch eine maximale Flexibilität oder stark schwankende Anforderungen erkennen, ist es lediglich ein Rechenbeispiel, welches Modell ihren Anforderungen am besten entspricht. Spielen der Faktor Flexibilität in Zukunft eine wesentliche Rolle, kann sich ein "Pay as you go"-Modell schnell rechnen.  Quelle: dpa
5. Cloud Services reduzieren ArbeitsplätzeFalsch. Durch die Nutzung von Coud Services entstehen neue Arbeitsplätze, beim Anbieter wie beim Anwender. Die Begründung: Die Nutzung von Cloud Services dient zunächst der Reduzierung von Bedarf und Kosten in der IT. Im Anschluss werden dadurch Ressourcen für hochwertige Aufgaben verfügbar gemacht, die bis dahin nicht oder nur extern bedient werden konnten. Damit führt die effektive und exzellente Unterstützung der Unternehmensprozesse durch die Cloud zu mehr Produktivität und damit zu mehr Geschäft– was zusätzliche Arbeitsplätze im Unternehmen schafft. Quelle: dapd
6. Die Cloud ist nur das Outsourcing von gesternFalsch. Jeder kann seine Cloud selbst betreiben. Die Begründung: Unternehmen können ihre Private Cloud im eigenen Hause betreiben und lediglich die Vorteile nutzen. Letztendlich bieten die verschiedenen Modelle der Cloud-Anbieter eine maximale Anpassung an den individuellen Bedarf der Anwender. So ist im Private Cloud Modell von Dimension Data auch vorgesehen, die Hardware im Rechenzentrum des Kunden zu platzieren. Anwender können hierbei die IT-Kontrollsoftware des Anbieters nutzen, welche Orchestrierung und Provisionierung sowie Reporting und Billing in einer einfachen Nutzeroberfläche zur Verfügung stellt. Das Hosted Private Cloud Modell hingegen sieht die Hardware in einem der Rechenzentren des Dienstleisters vor. Eine Kombination ist möglich, ebenso wie eine Kombination von Private Modellen und Pay as you go Modellen innerhalb der Public Services.   Quelle: REUTERS
7. Anforderungen weltweit tätiger Unternehmen kann die Cloud nicht bedienenFalsch. Verlässliche Anbieter liefern heute auf allen Kontinenten und in mehreren Rechenzentren global ausgerichtete Cloud-Angebote. Die Begründung: Verteilte Rechenzentren in jedem Kontinent sowie eine technologisch fortschrittliche Verwaltung der Cloudressourcen ermöglichen den Rollout von globalen Systemen innerhalb kürzester Zeit. Anwender sollten dabei sicherstellen, dass die SLA´s sowie die Supportmodelle des Anbieters zu ihnen passen und die eingesetzte Technologie sicher und verlässlich funktioniert. Wichtig ist, dass die Administration der verschiedenen geografischen Standorte zentral zur Verfügung stehen kann und dass an allen genutzten Standorten die entsprechenden Sicherheitsstandards eingehalten werden.  Quelle: dpa

Verwirrung stiftet iBeam.it auch dadurch, dass es nicht nur die Übermittlung von Dateien aus der Cloud an andere Personen abwickelt, sondern auch die zwischen zwei Cloudkonten der selben Person. So lässt sich etwa ein Beam mit den Dateien aus einem Google-Drive-Ordner anlegen, die in einem Facebook- oder Twitter-Stream publiziert werden können. Von den Machern ist das gut gemeint, aber es verwässert den Fokus und verstärkt die latente Orientierungslosigkeit, mit der ich bei iBeam.it umhernavigierte. Zumal es für diese Zwecke bereits Ifttt gibt. Vielleicht ist es mein Jetlag, das mich zu einem besonders schwierigen Fall macht. Aber ein wirklich überzeugender Dienst sollte meines Erachtens nach so konstruiert sein, dass er selbst von völlig übermüdeten Personen problemlos verstanden werden kann. Während meiner Tests verhinderte zudem ein Bug die Authentifizierung von Google Drive und Dropbox, was ich jedoch als temporäres Problem einordne.

Digitale Welt



Momentan ist iBeam.it kostenfrei, kostenpflichtige Premiumfunktionen sollen folgen. Bevor die Österreicher aber mit der Umsatzgenerierung beginnen, sollten sie die Schwächen in der User Experience beheben. Immerhin fiel der Entschluss, die Ressourcen von Wappwolf zu iBeam.it umzuschichten, weil Wappwolf nicht aus seiner Nische herauskam und nur technisch versierte Nutzer ansprach. In seiner jetzigen Form ist iBeam.it meiner Meinung nach auch nicht für die breite Masse geeignet. Was jedoch nicht am Konzept an sich liegt, sondern an der Umsetzung. Insofern besteht für Gründer Michael Eisler nach wie vor die Chance, dieses Ziel zu erreichen. Für mit dem Netz vertraute Leserinnen und Leser von netzwertig.com dürften die beschriebenen Mankos weniger problematisch sein, weshalb sich ein Blick auf den Dienst trotz aller Kritik lohnen kann.

Dieser Artikel ist zuerst auf netzwertig.com erschienen!

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%