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Denkfabrik

Das Internet bremst das politische Interesse der Jungen

Junge Menschen interessieren sich immer weniger für Politik und Wirtschaft, die ältere Generation immer mehr. Das liegt auch am unterschiedlichen Umgang mit den Medien.

Das Internet verengt das Interessenspektrum junger Menschen. Quelle: Getty Images, Montage

Seit der Brexit-Entscheidung der Briten gibt es viele Klagen, die ältere Generation habe die jüngere niedergestimmt. Tatsächlich votierte die ältere Generation mehrheitlich für den Austritt aus der EU, die Jüngeren dagegen mit großer Mehrheit für den Verbleib. Die Analysen zeigen aber auch, dass sich die Jüngeren deutlich weniger an der Abstimmung beteiligt haben.

Zur Person

Die schwächere Beteiligung jüngerer Wähler an Plebisziten und Wahlen ist nicht neu – und keineswegs auf Großbritannien begrenzt. Auch in Deutschland ist die Wahlbeteiligung der unter 30-Jährigen in der Regel niedriger als die der mittleren und insbesondere der älteren Generation. Dies hat in hohem Maße mit politischem Interesse zu tun, das sich bei vielen erst zwischen 20 und 30 Jahren oder sogar noch später entwickelt. Trendanalysen zum politischen Interesse lassen jedoch erwarten, dass sich die Generationen in Zukunft eher noch weiter auseinanderentwickeln werden.

Verengtes Interessensspektrum

Politisches Interesse wird immer stärker altersgebunden. Jüngere Menschen interessieren sich heute weniger für Politik als vor 20 Jahren, die 60-Jährigen und Älteren immer mehr. Mitte der Neunzigerjahre waren 67 Prozent der 20- bis 29-Jährigen zumindest begrenzt an Politik interessiert, heute nur noch 57 Prozent. Im selben Zeitraum nahm das politische Interesse der 60-Jährigen und Älteren von 73 auf 82 Prozent zu.

Noch stärker unterscheidet sich der Anteil der ausgeprägt politisch Interessierten. Von den 60-Jährigen und Älteren sind 35 Prozent sehr an politischen Themen interessiert, von den 20- bis 30-Jährigen nur 13 Prozent. Die Diskrepanz ist heute auch hier weitaus größer als vor 20 Jahren.

Und diese Entwicklung ist keineswegs auf politische Themen beschränkt. Während sich das Interesse an Wirtschaftsthemen in der Bevölkerung insgesamt nur wenig verändert hat, ist es bei unter 30-Jährigen in den vergangenen 20 Jahren von 47 auf 37 Prozent gesunken.

Generell hat sich das Interessenspektrum der Jüngeren verengt. Nimmt man das Jahr 2000 als Ausgangsbasis, liegt auch das Interesse an Umweltthemen rund 25 Prozent unter dem damaligen Niveau. Auf 100 unter 30-Jährige, die sich im Jahr 2000 für Wissenschaft und Forschungsthemen interessierten, kommen heute nur noch 66.

Information bei Bedarf statt regelmäßig

Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung kurios. Noch nie war das Informationsangebot so groß, der Zugang zu Themen und Interessengebieten so breit und unkompliziert wie heute. Gerade junge Menschen nutzen die neuen Medien intensiv, sind einen großen Teil des Tages online und informieren sich zu den Themen, die sie interessieren, vor allem im Netz.

Doch alles deutet darauf hin, dass gerade das enorme Informationsangebot und die Veränderung des Informationsverhaltens das Interessenspektrum verengen. Bei Jüngeren spielt heute das Internet für die Information eine wesentlich größere Rolle als Zeitungen und Fernsehen. Dies ist jedoch kein Substitutionsprozess, bei dem dieselben Informationen nur über ein anderes Medium bezogen werden. Das Informationsverhalten verändert sich durch das Internet grundlegend: An die Stelle der regelmäßigen Information tritt zunehmend die Information bei Bedarf. Da Informationen rund um die Uhr und überall verfügbar sind, rufen viele Informationen dann ab, wenn sie sie brauchen und Zeit haben.

Selektive Information im Netz

Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob man sich kontinuierlich mit politischen, wirtschaftlichen oder anderen Themen beschäftigt oder sporadisch und anlassgetrieben. Die große Mehrheit informiert sich im Netz über aktuelle Ereignisse, aber nur eine Minderheit regelmäßig. Die Information im Netz erfolgt auch selektiver. Es werden vor allem Informationen abgerufen, die von vornherein interessieren, das meiste andere wird ausgeblendet. Interesse an Politik oder Wirtschaft entsteht aber im Allgemeinen nicht plötzlich, sondern wächst meist in einem längeren Prozess, bei dem man sich immer wieder mit Themen beschäftigt, die zunächst kompliziert erscheinen.



Der Prozess einer allmählichen Annäherung kommt heute teilweise nicht mehr in Gang, weil sich schon Kinder und Jugendliche an eine scharfe Selektion entlang ihrer bestehenden Interessen gewöhnen. Daher ist es ein Irrglaube, dass man gerade die junge Generation mit allen Informationen gut über das Netz erreicht: Man spricht die ausgeprägt an einem Thema Interessierten an – während die Mehrheit der moderat oder nicht Interessierten generell immer schwerer zu erreichen ist.

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