Deutsche Telekom Neue brisante Datenlecks bei Cloud-Dienst

Neuer Ärger für die Telekom: Bei Software-Updates gelangten wiederholt umfangreiche Adressverzeichnisse - darunter Daten zu Unternehmen und Polizeibehörden - von rund 1200 Kunden in falsche Hände.

Beim Aktualisieren eines Exchange-Dienstes für Unternehmenskunden im Rechenzentrum der Deutschen Telekom gelangten Adressbestände von rund 1200 Kunden in die falschen Hände. Quelle: REUTERS

Nur knapp eine Woche nach dem Ärger um Hacker-Angriffe auf Telekom-Router und die daraus resultierenden teils mehrtägigen Ausfälle vieler Internetzugänge bei Kunden der Deutschen Telekom, kam es bei dem Kommunikationskonzern erneut zu mehreren folgenschweren Technikproblemen.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche und des Nachrichtenportals heise.de gerieten am vergangenen Wochenende bei einer Technikumstellung Tausende von Kontaktdaten aus online gemanagten Adressbüchern von rund 1200 Nutzern eines Cloud-basierenden Kommunikationsdienstes der Telekom zeitweilig in die falschen Hände. Und das war, wie sich inzwischen abzeichnet offenbar kein Einzelfall.

Wie die Telekom, die erst durch Anfragen der WirtschaftsWoche und des Branchendienstes heise.de von dem Datenleck erfuhr, inzwischen bestätigte, erhielt bei einem Systemupdate des primär für Geschäftskunden konzipierten Angebots „Microsoft Exchange 2010/2013/2016“ mindestens ein Unternehmen aus München zeitweilig viel zu weitreichende Zugriffsrechte auf Adressdatenbestände. Insgesamt waren rund 1200 andere Telekom-Kunden betroffen. Bereits Anfang November war es ebenfalls zu einem noch weiter reichenden Updatefehler gekommen. Das bestätigt die Telekom auf Anfrage: „Wir können nicht ausschließen, dass bis zu 36 Kunden Einblick in fremde Kundendaten hatten.“

„Aufgrund eines parallelen temporären technischen Fehlers konnte der betroffene Kunde während des Migrationsprozesses auf sein Postfach zugreifen. […] Damit hatte er auf die von anderen Kunden auf dem Server hinterlegten Kontaktdaten wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen und teilweise Anschriften Zugriff“, heißt es in einer Stellungnahme der Telekom.

Konkret bekam der Münchner Unternehmer, nicht nur wie das Bonner Unternehmen schreibt, „theoretisch Zugriff auf die online abgelegten Adressbücher zahlreicher anderer Telekom-Nutzer des Dienstes Cloud Manager“. Tatsächlich synchronisierte die Software der Telekom ganz praktisch mehrere Tausend Kontaktdaten, teilweise samt Rufnummern und E-Mail-Adressen automatisch auf Rechner und Smartphone ihres Kunden. „Plötzlich tauchten da selbst Adressen von Polizeibehörden auf, einschließlich Handynummern“, so der Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden will. „Ich bin echt fassungslos...“

Auch im Fall der Anfang November versehentlich veröffentlichten Datensätze habe „es sich ausschließlich um Kontaktdaten wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen“ gehandelt, so die Deutsche Telekom.

Angriffsziele von aufsehenerregenden Cyberangriffen

Doch schon das sind persönliche Informationen, die vielfach nicht für die Verbreitung in der Öffentlichkeit gedacht sind. Laut einer Analyse für das Sicherheits-Portal Heise-Security fanden sich in den synchronisierten Datensätzen unter anderem Vertreter großer Unternehmen wie einem Car-Sharing-Anbieter oder einem Tankstellenbetreiber, daneben tausende kleinere Organisationen. Im Fall der dort ebenfalls gelisteten Bediensteten von Behörden wie der Bundeswehr, Landesämtern für Verfassungsschutz oder Länderpolizeidienststellen, die unter Umständen besonders auf den Schutz ihrer Daten angewiesen sind, ergibt sich zudem ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Darüber hinaus fanden sich auch Adressen des Bundeskriminalamts in den freigegebenen Kontaktlisten. Letztere aber sind offenbar nur E-Mail-Sammeladressen.

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