Deutsche Telekom Spätstart eines Hoffnungsträgers

Auf dem Mobile World Congress kündigte die Deutsche Telekom vor einem Jahr den Start des neuen Weltnetzes Ngena an. Die Aufbauarbeiten laufen immer noch, der Start verzögert sich.

Die MWC-Highlights in Bildern
Sony Xperia ZSony schickt sein neues Mobilfunk-Flaggschiff Xperia XZ ins Rennen gegen die Premium-Hersteller. Als weltweit erstes Smartphone könne das Gerät auf seinem 5,5 Zoll großen Display Bilder in Ultra-HD-Auflösung (4K) und der Bildoptimierungstechnik HDR darstellen, kündigte Sony-Mobile-Chef Hiroki Totoki am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona an. Die 19-Megapixel-Kamera ermöglicht dank einer neuen Speicher-Technologie Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 Bildern. Das ergebe vier Mal so detailreiche Aufnahmen als bisher möglich, sagte Totoki. In Kooperation mit dem Netzwerkspezialisten und Chiphersteller Qualcomm hat der japanische Konzern sein Premium-Modell auch fit für die Netze der Zukunft gemacht. Das Xperia XZ unterstützt Gigabit LTE, über das Filme und Musik in Sekundenschnelle auf das Smartphone heruntergeladen werden können. Quelle: REUTERS
Samsung Tab S3Am größten Smartphonebauer der Welt sind die vergangenen Monate nicht spurlos vorbeigegangen. Nach dem Desaster um das brandgefährliche Galaxy Note 7 stellte der Konzern auf dem Mobile World Congress in Barcelona kein neues Smartphone-Flaggschiff vor. Stattdessen präsentierte der Konzern zwei neue Geräte aus der Notebook- und Tablet-Klasse. Das Tablet Galaxy Tab S3, das Samsung am Sonntag vorstellte, soll sich mit hochwertigem Design und üppiger Ausstattung vor allem in der Oberklasse behaupten, die Apple mit seinem iPad dominiert. Das Gerät mit Android-Betriebssystem ist sowohl auf Unterhaltung als auch auf Produktivität ausgerichtet. Die Rückseite ist komplett in Glas gehalten. Der Amoled-Bildschirm soll Bilder detailgenau in brillanten Farben (HDR, High Dynamic Range) wiedergeben. Eingesteckt in eine Tastatur lässt sich das Gerät auch als Notebook-Ersatz nutzen. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy BookMit dem Galaxy Book stellte Samsung zudem ein sogenanntes Convertible vor, das mit Microsofts Betriebssystem Windows 10 und Intel-Prozessor (Kaby Lake) ausgestattet ist. Die Eingabe auf dem 10,6 Zoll großen Bildschirm erfolgt wahlweise über die Tastatur oder mit Hilfe eines Stiftes, der haptisch den Eindruck erwecken soll, tatsächlich auf Papier zu schreiben. Es lassen sich zwei separate Oberflächen - zum Beispiel für die private und die berufliche Nutzung einrichten, die sich mit einem seitlichen Wisch mit dem Finger sofort wechseln lassen. Klappt man die Tastatur zurück, wechselt das Display automatisch in den Tablet-Modus. Quelle: REUTERS
Nokia 3310Einst war Nokia der Inbegriff für Macht auf dem Mobilfunkmarkt. Dann verschliefen die Finnen den Aufstieg des Smartphones und erlebten einen Albtraum. Das Unternehmen stürzte in die Bedeutungslosigkeit. Ein Wiederbelebungsversuch durch Microsoft geriet zum kolossalen Flop. Unter der Führung von HMD Global meldet sich die Marke nun zurück und belebt öffentlichkeitswirksam eine Legende wieder: Der Konzern hat eine Neuauflage des 3310 - Snake und Nokia-Klingeltone inklusive. Das Original wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und erfreute sich enormer Beliebtheit. Auch die Neuauflage soll vor allem mit der Akku-Power überzeugen: Laut Unternehmen sind 22 Stunden Sprechzeit und bis zu einem Monat Standby möglich. Auf den mittlerweile gewohnten Smartphone-Komfort müssen Käufer allerdings verzichten. Kosten soll das Gerät gerade einmal knapp 50 Euro . Quelle: dpa
Nokia 6HMD Global zeigte in Barcelona aber auch gleich mehrere neue Smartphones - alle mit dem Betriebssystem Android. Das für den wachsenden chinesischen Markt gebaute Nokia 6 (Bild) wird bald auch Europa vertrieben. Mit einem Preis von 300 Euro für die Special-Edition und 229 Euro für die normale Variante gilt es ein typisches Mittelklasse-Smartphone. Als Einsteiger- oder Zweitgerät eignet sich der kleine Bruder. Das Nokia 5 ist 5,2 Zoll groß, aus Aluminium, in verschiedenen Farben verfügbar und soll etwa 189 Euro kosten. Noch günstiger ist das Nokia 3: Der Preis liegt bei 139 Euro. Das Gerät verfügt über einen fünf Zoll großen HD-Screen. Quelle: REUTERS
Huawei P10 und P10 PlusAttacke der Nummer 3: Huawei will mit zwei neuen Modellen seiner P-Serie seine Marktposition stärken und Apple und Samsung Konkurrenz machen. Besonderes Augenmerk hat Huawei beim P10 und das P10 Plus auf die Kameraleistung gelegt. Das Objektiv ist in Kooperation mit den Traditionshersteller Leica gefertigt. Damit seien nahezu professionelle Aufnahmen möglich, versicherte Smartphone-Sparten-Chef Richard Yu (im Bild). In seiner Präsentation verglich Yu die neuen Modelle mehrfach mit Apples iPhones. So soll das P10 Plus bei gleicher Größe eine größere Batterieleistung haben als das iPhone 7 Plus. Zahlreiche Verbesserungen wie eine schnellere Ladezeit, eine Akkulaufzeit von 1,8 Tagen bei normalem Gebrauch sowie ein hochwertiges Display sollen die Geräte in die Spitzenliga bringen. Dass Marktführer Samsung nach seinem Note-7-Debakel das Nachfolgemodell seines Galaxy S7 aller Voraussicht nach erst im April auf den Markt bringen wird, könnte den Ambitionen des chinesischen Herstellers ebenfalls entgegenkommen. ("Diese Attacke soll Apple und Samsung zittern lassen": Zum Artikel über das Huawei-Event) Quelle: REUTERS
Huawei Watch 2Neben dem Smartphone-Flaggschiff stellte Huawei im Rahmen des MWC auch eine neue Smartwatch vor. Die Uhr namens Watch 2 soll im März in zwei Varianten auf den Markt kommen: der normalen und einer „klassischen“ Version. Die Watch 2 richtet sich mit GPS-Modul und Herzfrequenz-Tracker an sportliche Nutzer. In der teuren Version der Uhr ist auch eine direkte Verbindung zum Mobilfunknetz möglich: Wer eine Nano-Sim-Karte einsetzt, kann die Uhr unabhängig vom Smartphone nutzen. Andernfalls wird die Uhr über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Auch die Optik ist auf sportlich und kommt in knalligen Farben. Die Huawei Watch 2 Classic hat ein in Gehäuse aus Edelstahl und ein klassisches Lederarmband. Allerdings gibt es zum Beispiel nicht die Möglichkeit, eine Sim-Karte einzusetzen. Preise: In der Bluetooth-Version kostet die Huawei Watch 2 329 Euro, in der 4G-Variante 379 Euro. Die Watch 2 Classic liegt bei 399 Euro. Quelle: REUTERS
LG G6Ein Smartphone, um aus den roten Zahlen zu kommen: Mit dem G6 will der südkoreanisch Hersteller LG Kunden zurückgewinnen. Das Vorgängermodell war mit einem neuartigen Modulkonzept auf wenig Gegenliebe gestoßen und hat für hohe Verluste gesorgt. Das G6 hat ein 5,7 Zoll großes Display im ungewöhnlichen 18:9-Format und soll dadurch dem Hersteller zufolge dennoch leicht mit einer Hand zu bedienen sein. „Anders als andere Geräte passt das G6 bequem in eine Hand und bietet zudem das einmalige Erlebnis eines großen Bildschirms“, erklärte LG am Sonntag. ("Bloß nicht nochmal auf die Nasen fallen": Der Artikel zur LG-Präsentation) Quelle: REUTERS
Lenovo Moto G5Mit seiner Moto-Serie will Lenovo so etwas wie die Highend-Geräte der Mitteklasse bieten. Die Geräte wirken durchaus hochwertig, kosten aber nicht viel. In diese Kerbe schlagen auch Moto G5 und Moto G5 Plus. Die 5 beziehungsweise 5,2 Zoll großen Geräte sollen im Frühjahr für 199 und 299 Euro auf den Markt kommen. Quelle: dpa
Blackberry KEYoneSchon am Samstag vor dem MWC stellte Blackberry seinen neuesten Streich vor: Das Tastatur-Smartphone KEYone. Es ist das erste Gerät, seit Blackberry Entwicklung und Produktion der Telefone komplett in die Hand der chinesischen Firma TCL (bekannt für Alcatel) gelegt hat - und der Versuch, endlich wieder Boden gut zu machen. Das KEYone hat einen 4,5 Zoll großen Touchscreen. Durch die Hardware-Tastatur ist das Format des Displays anders als von den Wettbewerbern gewohnt, im Verhältnis 3:2 und vor allem für die Hochkantnutzung ausgelegt. Auf dem Gerät lauft kein hauseigenes Betriebssystem, sondern - wie beim Blackberry Priv - Googles Android in der Version 7.1 Der Preis: 600 Euro. ("Futter für Tastenfans": Der Artikel über die Blackberry-Präsentation) Quelle: dpa

Auf dem Mobile World Congress im vergangenen Jahr war es eine der Überraschungen der Deutschen Telekom. Mit dem Joint-Venture Ngena wollte T-Systems-Chef Reinhard Clemens das erste internet-basierte Weltnetz für Unternehmenskunden bauen. Jetzt, ein Jahr später, zieht die IT-Sparte der Deutschen Telekom eine erste Zwischenbilanz. Offiziell feiert die Deutsche Telekom das "Weltnetz für die Industrie 4.0", das "Industrieanlagen über alle Kontinente hinweg steuert". Doch eigentlich fällt die Bilanz nach einem Jahr Aufbauarbeit gar nicht so überragend aus. Ngena kommt langsamer in Schwung als es sich die Initiatoren in der Bonner Telekom-Zentrale vorgestellt haben.

Gerade mal ein halbes Dutzend neue Ngena-Mitglieder kann die Deutschen Telekom in diesem Jahr auf dem Mobile World Congress präsentieren. Angeschlossen haben sich der Telekom-Initiative in den vergangenen Monaten die Netzbetreiber Altice (mit SFR in Frankreich und Portugal Telecom), der Satellitenbetreiber Inmarsat, sowie die Netzbetreiber Neutrona in Lateinamerika, PCCW Global in Hongkong und Telstra in Australien.

"Das Ngena-Weltnetz ist engmaschig geworden und bekommt in diesem Jahr kräftige Knoten", sagt Ngena-Geschäftsführer Marcus Hacke. Die Zahl der Partner ist damit auf zehn gestiegen. Als Gründungsmitglieder waren CenturyLink (USA), Reliance (Indien) und SK Telecom (Südkorea) von Anfang dabei. Technologiepartner der ersten Stunde ist der IT-Konzern Cisco.

Eigentlich hatte die Telekom mehr Begeisterung für ihren Vorstoß erwartet und insgeheim gehofft, dass mehr Netzbetreiber den roten Teppich betreten, den die Telekom ausgerollt hatte. Der Plan war und ist, so eine Art "Vereinte Nationen der Netzbetreiber" für Großunternehmen zu bauen, die unkomplizierte Verbindungen für interkontinentale Unternehmensnetze auch in die entlegensten Winkeln der Welt brauchen. 20 weitere Partner wollte die Telekom "in den nächsten Jahren gewinnen", hieß bei der Premiere vor einem Jahr. T-Systems wollte damit eine Alternative aufbauen zu den global agierenden Konkurrenten wie AT&T oder Verizon.

Doch einige potenzielle Partner warten lieber erst einmal ab, ob Ngena wirklich eine Alternative für die eigene Expansion auf anderen Kontinenten ist. Eine Hürde scheint zu sein, dass mit Cisco nur ein Technologiepartner als Strippenzieher und Cloud-Partner mit weltweiten IP-Verbindungen bereitsteht. Möglich ist deshalb, dass die Telekom weitere Technologiepartner hinzuzieht.

Der eigentlich für die erste Jahreshälfte 2017 geplante Start des operativen Geschäfts wird sich kaum halten lassen. Bis jetzt ist erst der Frankfurter Knotenpunkt aufgebaut. Die ersten zehn Netzknoten im Ausland sollen nun erst bis zum Jahresende geknüpft sein. Richtig loslegen kann Ngena dann wohl erst 2018.

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