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Die Woche im Netz

Auf einen Lacher mit dem Papst

Von nun an wollen wir einmal in der Woche auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet zurückblicken. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Heute: Humor.

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Der Rückzug des Papstes von seinem Amt löste im Netz große Reaktionen hervor Quelle: dpa

Am Donnerstagabend war es vorbei. Mit dem Ende des Pontifikats von Benedikt XVI. verschwanden auch alle 38 Einträge im Twitter-Account @pontifex und wurden auf der im Sommer 2012 eingerichteten offiziellen Internetseite des Vatikans archiviert. Zuvor hatte er noch eine Danksagung in die Welt geschickt:
“Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen.” Es war der zweitpopulärste Tweet in seiner 78-tägigen Mitgliedschaft. Der Vollständigkeit halber: Erfolgreicher war nur sein erster aus dem Dezember: “Dear friends, I am pleased to get in touch with you through Twitter. Thank you for your generous response. I bless all of you from my heart.”

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass Benedikt XVI. der erste Papst war, der sich über soziale Medien an die Welt richtete. Schließlich gab es Twitter, als sein Vorgänger Johannes Paul II. noch nicht, und ob Benedikts noch zu wählender Nachfolger ebenfalls Kontakt mit der Außenwelt via dem Kurznachrichtendienst Twitter aufnimmt, ist seine Entscheidung.

Das ist ein Grund, warum das Account am Donnerstagabend nicht komplett gelöscht worden ist. Immerhin hatte das englischsprachige Account mehr als 1,6 Millionen Menschen hinter sich versammelt, zählt man die anderssprachigen Variationen noch hinzu, kommt man auf eine Zahl knapp unter drei Millionen.

Warum ich heute über die Twitteraktivitäten des Papsts schreibe, die sicherlich nicht unbedingt durch einen hohen Nachrichtenwert gekennzeichnet waren? Nun, ich halte es für erstaunlich, wie präsent der Papst mit eben diesen Botschaften im Internet geworden ist und wie viele und welche Art von Reaktionen das Ereignis des Papst-Rücktritts hervorgerufen hat. Bereits bei der Verkündung seines Rücktritts Ende Januar entstanden weltweit mehr als vier Millionen Tweets. Und schaut man sich genauer an, welche Botschaften da in 140 Zeichen verpackt worden sind und welche besonders häufig zitiert und weiterverbreitet wurden, dann waren es vor allem die lustigen bzw. vermeintlich lustigen.


Und auch am Donnerstag, dem Tag des offiziellen Rückzugs machten im Social Web humorige Äußerungen die Runde.



Lustig, lustig, tralalalala


Nun könnte man dies einfach so stehen lassen und sich daran erfreuen, dass es da draußen Menschen mit Sinn für Humor gibt, die bereit sind, diesen mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. Oder man könnte einmal der Frage nachgehen, warum es eigentlich gerade die lustigen Texte, Snippets, Fotos oder Videos sind, die im Internet erfolgreich sind. Gerade was das Nachrichtengeschehen angeht, gibt es dabei zahlreiche Beispiele. Auch die populärsten Tweets mit dem Begriff "Pferdefleisch" stammten aus der Kategorie "Humor".


Weitere Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit liefern die Social-Media-Charts 10000flies.de. Eigentlich immer in einer der Tages-Top-Tens vertreten sind dort Texte der Satireseite "Der Postillon".

Wirft man einen Blick auf die Bestenliste des vergangenen Monats, liegen die Texte "Menschenfleisch auf Pferden entdeckt" und "Lego startet neue Serie gescheiterte deutsche Großprojekte" in der Top-Five.

Was ich Ihnen mit diesen Ausführungen eigentlich sagen will? Wenn Sie mal wieder darüber nachdenken, wie Sie es schaffen, dass sich die Öffentlichkeit für Ihre Produkte/Inhalte/Thesen interessiert, dann verzichten Sie darauf, einen externen Social-Media-Berater zu engagieren, der ihnen dazu eine mehrseitige Studie mit allerlei Buzzwords und komplizierten Charts erstellt.

Wie man es ganz gut macht, haben mittlerweile einige Beispiele gezeigt. Eines der prägnantesten war sicherlich das Posting einer Kundin auf der Facebook-Pinnwand der Deutschen Bahn, in dem sie ihre Beziehung zu dem Unternehmen mit einer Liebesziehung verglich und diese für beendet erklärte.

Die Bahn nahm es mit Humor und teilte unter dem Post ihr Bedauern mit. Und auch andere Unternehmen, die in dem Beitrag von "Franzi" angesprochen wurden, Opel und Renault, reagierten.

Zum Vergrößern bitte klicken. Quelle: Screenshot

Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch nicht im Humor, sondern darin, dass sie es schaffen müssen, Emotionen zu erzeugen.

Trotzdem ist Vorsicht geboten! Denn es muss nicht immer so heiter laufen. Denn Emotionen können auch negativ sein und einen so genannten Shitstorm erzeugen, aus dem dann sehr schwer wieder herauszukommen ist. Wie das funktioniert, hat gerade der Onlinehändler Amazon hier in Deutschland erlebt und dass sich dieser nicht unbedingt positiv aufs Image auswirken würde, war jetzt auch nicht sonderlich überraschend.

Es ist also ein schmaler Grad, auf dem Sie wandeln müssen, wenn es um den Verkauf von Produkten, Inhalten oder Thesen geht. Wenn Sie das hier nur gelesen haben, weil Sie in all der ernsten Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Finanzen ein wenig Abwechslung gesucht haben, dann hier noch einmal eine subjektive Auswahl von Seiten und Kanälen, bei denen der Spaß zum Programm gehört.

SPAM - das Satireportal von Spiegel Online. Bei Twitter.

Der Postillon - feinste Satire seit 1845. Bei Twitter.
Extradrei - Humor beim NDR. Bei Twitter.
Heuteshow - Humor im ZDF. Bei Facebook.

Wir freuen uns über Ihre Vorschläge!

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