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Die Woche im Netz

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Diesmal: ganz private Konsequenzen aus der NSA-Affäre.

High-Tech-Gadgets für den Datenschutz
Auto-Transporter Quelle: Presse
DataLocker-Festplatte Quelle: Presse
MyIDkey Quelle: Presse
Blackberry Quelle: Presse
Sprachverschlüsselungssystem Topsec Mobile
Laptop Quelle: Presse
E-Mails Screenshot Quelle: Screenshot

Seit Monaten vergeht kein Tag, an dem nicht irgendeine Meldung auftaucht, die die negativen Seiten der Digitalisierung darstellt. Allein in dieser Woche warnte am Montag ein Sicherheitsexperte von Security Research Labs vor einer schweren Sicherheitslücke in SIM-Karten. Und heute machte die Runde, dass die Smartphone-Applikation WhatsApp es möglich macht, Paypal- und Google-Konten auszuspionieren. Von der nicht abebbenden Debatte über die NSA-Bespitzelungen mal ganz abgesehen.

Nun hatte ich einmal eine Einstellung zum Internet, die man als arg romantisch abtun kann. Ich bin seit Jahren begeistert ob der Möglichkeiten, die mir das Internet bietet. Zugang zu schier unendlichem Wissen, unterschiedlichsten Datenbanken und anderen Quellen, ein engerer Kontakt zu Freunden und Bekannten aus der Vergangenheit, Kommunikation mit Menschen, die ähnlich denken und ticken und das auch noch in Echtzeit. Applikationen auf dem Smartphone, die mir das Leben erleichtern. Im Journalismus keine Entscheidung für Print, TV oder Audio, sondern online, weil dieser Kanal alle Möglichkeiten auf einmal bietet und ich mich entscheiden kann, auf welche Weise ich eine Geschichte erzählen möchte. Publizieren, wann immer ich möchte, wer immer es möchte. Die Liste ließe sich noch unendlich fortschreiben.
Doch da ist auch die andere Seite des Internets. Da werden Webseiten gehackt, E-Mails mitgelesen, eigentlich private Dinge veröffentlicht, Daten zu Profilen verarbeitet, Schlussfolgerungen gezogen, die nicht nachvollziehbar sind. Große Unternehmen geben vor, was gesellschaftlich anerkannt ist, alles andere wird verbannt. Amazon erlaubt es nicht, dass geheime Depeschen in ihrer Cloud gespeichert werden, Anonymisierungsdienste lassen sich nicht mehr per Visa oder Mastercard bezahlen. Die Telekom will zahlenden Kunden schnellere Datenverbindungen ermöglichen. Welches Verhalten verdächtig ist, bestimmen nicht Politik und Gesellschaft sondern ein Algorithmus.

Was Smartphones alles messen können
KalorienEin paar Pfunde verlieren oder den Cholesterinspiegel in den Griff bekommen - wer wirklich gesund leben will, muss sich gut ernähren. MyFitnessPal (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone)MyFitnessPal ist nicht nur eine App sondern eine ganze Community, die sich rund um das Thema Abnehmen dreht. Hier kann man sich ein Profil erstellen und darin abspeichern, was, wann wo gegessen wurde. Der Vorteil an der Gruppe: Der User kann sich mit anderen vergleichen und wird so extra angespornt. In die App integriert ist auch ein Sport-Tool, dass einem je nach Länge der Aktivität anzeigt, wie viele Kalorien man wieder verbaucht hat. Kaloriencheck (iOS)Die App zeigt mit einem Mouse-Klick an, wie viele Kalorien in dem Essen stecken. FoodNavi (iOS)FoodNavi hilft dabei den Überblick über die eigenen Ernährung zu behalten und zeigt in Diagrammen an, wie viele Milchprodukte, wie viel Obst und wie viele Kohlenhydrate der User schon zu sich genommen hat. Quelle: REUTERS
Blutdruck und PulsWenn der Blutdruck Achterbahn fährt, gilt es Ruhe bewahren und vor allem den eigenen Körper genau im Auge behalten. Dabei helfen etliche Tools. Blutdruck Daten (iOS, Android)Der digitale Blutdruck-Pass erfasst alle Blutwerte, die mit einem extra Gerät gemessen werden müssen. Das Tool ist kostenlos. Blutdruck+Puls Grapher (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert der Grapher. Hier können nicht nur die Blutdruckwerte, sondern auch die Ernährung des Tages sowie die jeweiligen Tagesaktivitäten eingetragen werden. Zum Beispiel "Fußball auf dem Sofa mit einer Tüte Chips". Ithlete (iOS, Android)Der Brustgurt Ithlete misst den Puls beim Sport machen: Ganz gleich ob beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Die Ergebnisse der Messung werden direkt auf die App überspielt. Quelle: dpa
SchrittzählerWer den ganzen Tag im Büro sitzt, kennt das Problem: Man bewegt sich viel zu wenig. Wie schlimm es um einen wirklich bestellt ist, zeigen Schrittzähler an. Diese dokumentieren wie viele Schritte der einzelne pro Tag absolviert. Pedometer (iOS und Android)Von Runtastic stammt der Pedometer. Die App nutzt den Beschleunigungssensor des Smartphones, um die Anzahl der Schritte zu ermitteln. Die Distanz und die Zeit der Aktivität werden am Ende übersichtlich angezeigt. Das Smartphone kann überall am Körper getragen werden. Ultimate (iOS)Apple-User können auch Ultimate nutzen. Der Schrittzähler misst die Bewegung via GPS. Quelle: dpa
JoggenWie die Schrittzähler funktionieren auch andere Tools für das Laufen - vom leichten Joggen bis zum Marathontraining. Hinter den beiden Apps steht jeweils eine Community mit Personen, die sich zum Thema austauschen und auch gegenseitig anfeuern. Runtastic (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone, Bada)Eine der beliebtesten Trainings-Apps ist Runtastic. Via GPS wird der Verlauf der Jogging-, Fahrrad- oder Skaterstrecke gespeichert und innerhalb der Plattform hochgeladen. Wer möchte, kann nach dem Lauf auch sein Ergebnis bei Facebook oder Twitter hochladen. Außerdem bietet das Tool die Möglichkeit gegen die eigenen Leistung oder die anderer anzutreten. Auch einfache Gymnastik-Trainings oder Yoga-Übungen lassen sich manuell hinterlegen. Runkeeper (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert Runkeeper. 17 Millionen Menschen nutzen nach Anbieter-Angaben die App weltweit. Quelle: dpa
SchlafSo verrückt es klingt, immer mehr Menschen verfolgen ihren Schlaf genau. Wie oft wird man wach? Wie viele Stunden Schlaf bekomme ich in der Woche. Sleep101 (iOS)Die App des Anbieters Zeo verfolgt genau wie lange und wie gut ein User schläft. Ein integrierter Wecker weckt genau in dem Moment, in dem eine Tiefschlafphase vorbei ist. ElectricSleep (Android)Eine Alternative für Android-Nutzer ist die App ElectricSleep, die ebenfalls von Zeo auf den Markt gebracht wurde. Quelle: dpa
StimmungEinfach mal messen, wie es einem so geht. Auf dem Markt gibt es zig Tools, die einem dabei helfen. Eine Empfehlung: Mood Panda (iOS und Android)Ein kleiner Panda ist der Begleiter durch den Tag. In der ansprechend gestalteten App können Stimmungsschwankungen genau festgehalten und visualisiert werden. Einzelne Ereignisse lassen sich auch auf Twitter oder Facebook verbreiten. Quelle: dpa
ZeitWie gerne würde man einmal die Zeit zurückdrehen können - viel zu schnell scheint sie an manch Tagen zu vergehen. Dabei müsste man sich viel häufiger die Frage stellen, was man eigentlich den ganzen Tag tut, was einem so sehr die Zeit raubt. Dabei hilft der: Rescue Time (Android)Wie lange habe ich E-Mails gelesen, wie lange im Internet gesurft und wie lange telefoniert. Den eigenen Tagesablauf genau zu messen, kann sinnvoll sein. So lässt sich ganz einfach herausfinden, an welchen Stellen des Tages Zeit vergeudet wurde. Das tolle daran: Das Programm läuft im Hintergrund des Smartphones und speichert so alle Verhaltensweisen. Quelle: dpa

Natürlich stimmt es, dass wir daran auch selber Schuld sind. Bereitwillig haben wir uns ins Bett mit Google gelegt, weil wir kostenlos unendlichen Speicherplatz und einfache Bedienbarkeit geboten bekommen haben. Natürlich sind wir alle freiwillig bei Facebook und liken, kommentieren und posten uns ein immer genaueres Profil. Speichern wir Passwörter und andere persönliche Dinge auf unseren Smartphones. Immer wenn wir bereitwillig Daten weitergegeben haben, bekamen wir etwas dafür. Tolle Tools, neue Freunde, schöne Erinnerungen und im Idealfall sogar maßgeschneiderte Werbung.

Noch haben die meisten Deutschen nicht begriffen, warum es keineswegs ok ist, wenn sich die Geheimdienste Zugang zu Daten verschafft haben, die wir eben nicht freiwillig herausgegeben wollten. Was sicherlich auch daran liegt, dass das Vertrauen ins Netz ohnehin nicht sonderlich groß ist: Laut eine aktuelle Bitkom-Umfrage glauben zwei Drittel der Befragten an, dass ihre Daten im Netz eher (39 Prozent) oder völlig (27 Prozent) unsicher sind. Und so steigt die Empörung zwar, aber einen echten, einen lauten Aufschrei gibt es nicht.

Es sind folgende Fragen, die mich zwischendurch immer wieder einholen: Kann ich noch begeistert von Fitnessarmbändern erzählen, die mich zu mehr Bewegung motivieren, aber Daten weitergeben? Mich über Whatsapp mit einer Freundin zu verabreden, mit ehemaligen Kindergartenfreunden bei Facebook vernetzen, über Foursquare ständig beim Flughafen einchecken? Einkaufslisten bei Google pflegen? Social-Media-Schulungen geben? Und: bedenkenlos kritische Texte über dieses Thema schreiben, ohne mich gleich verdächtig zu machen?

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