Die Woche im Netz

Eine Ode an die Hangouts

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: Hangouts.

Die größten Flops von Google
Google Quelle: dpa
Google Videos Quelle: Screenshot
Google X Quelle: Screenshot
Larry Page Quelle: REUTERS
KnolZu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer? Quelle: Screenshot
Google WaveNach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.  
LivelyAls der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen. Quelle: Screenshot
DodgeballSchon im Jahr 2000 entwickelte Dennis Crowley Dodgeball, ein Netzwerk bei dem Freunde sich informieren konnten, wo ihre Kontakte sich gerade befinden. 2005 kaufte Google den Dienst, machte aber wenig damit und schloss das Angebot 2009. Crowley startete ein neues Unternehmen mit ähnlichem Konzept: Foursquare – das derzeit eines der am heißesten umworbenen Start-Ups überhaupt ist.
Google CheckoutEin weiteres kaum bekanntes und entsprechend wenig genutztes Angebot ist Google-Checkout. 2006 startete das Unternehmen damit, es soll eine Alternative zum Online-Bezahldienst Paypal sein. Doch im Gegensatz zu Paypal schaffte das System nie den großen Durchbruch. Im November 2011 teilte Google daher mit, dass es mit dem mobilen Bezahlsystem Google Wallet verschmolzen wird. Quelle: Screenshot
FroogleAuch eine eigene Produktsuche bietet das Unternehmen aus Mountain View. Früher hieß das Angebot Froogle, inzwischen schlicht "Google Produktsuche" – eine wirkliche Alternative zu bekannten Preisvergleichsportalen ist es allerdings nicht.
Jaiku2007 kaufte Google das finnische Start-Up Jaiku. Es war ein Klon des Kurznachrichtendienstes Twitter, dem Google damit jedoch keine Konkurrenz machen konnte. Bereits 2009 wurde die Weiterentwicklung beendet, am 15.01.2012 soll der Dienst endgültig abgeschaltet werden.
Google BuzzIm Februar 2010 startete Google sein Angebot Buzz, mit dem sich das Unternehmen gegen den aufstrebenden Rivalen Facebook wehren wollte. Doch der erhoffte Erfolg stellte sich nicht, stattdessen bekam Google eine neue Datenschutzdebatte aufgehalst. Denn der Konzern verknüpfte den Dienst mit seinem Mailprogramm und machte E-Mail-Kontakte automatisch zu Freunden. Auch die Nutzerzahlen stagnierten. So starb Buzz einen schnellen Tod und wurde Mitte Oktober 2011 wieder abgeschaltet. Kernfunktionen des Dienstes wurden in Googles neues Soziales Netzwerk Google+ implementiert. Ob dieser es schafft die erhoffte Facebook-Konkurrenz zu werden, muss sich noch zeigen. Google+ startete mit großem Lob, die Nutzung scheint inzwischen jedoch zu stagnieren. Quelle: Screenshot
Friend ConnectFriend Connect startete Google 2008 und wollte damit Facebook paroli bieten. Analog zu Mark Zuckerbergs Facebook Connect soll damit der sogenannte soziale Graph von Personen, also Informationen über dessen Freunde, Vorlieben etc. übergreifend im gesamten Internet genutzt werden. Wer sich also auf einer beliebigen Seite, die den Dienst nutzt, mit seinen Google-Kontodaten einloggt, kann sehen, welche anderen Kontakte sich dort ebenfalls tummeln. Google stellte Websitebetreibern dazu eine Art Social-Media-Baukasten zur Verfügung. Dieser Service wird im März 2012 eingestellt, stattdessen sollen über das Netzwerk Google+ ähnliche Verknüpfungen erfolgen.
OrkutKaum jemand kennt Orkut, die Google-Alternative zu Facebook oder StudiVZ. Einzig in Brasilien und Indien wird das Netzwerk intensiv genutzt, doch auch dort wächst Facebook rasant. Orkut erfreut sich in dort zwar weiterhin noch großer Beliebtheit, der Suchmaschinenriese hat jedoch den Schwerpunkt seiner Entwicklung in den Facebook-Konkurrenten Google+ gelegt. Orkut könnte damit auch bald Geschichte werden.
Google AnswersAuch in seiner eigentlichen Domäne, der Suche läuft nicht immer alles nach Plan. Mit "Google Answers" konnten Nutzer ihre Anfragen von einem professionellen Suchteam gegen Gebühr bearbeiten lassen. 2006 wurde das Projekt beendet. Quelle: Screenshot
Google BaseGoogle Base startete als eine Art Kleinanzeigenportal und wurde so als Angriff auf Ebay, Craigslist und andere Seiten gesehen. Nutzer konnten dort Anzeigen erstellen und hochladen, andere konnten diese durchsuchen. "Es wurde nicht stark genutzt", erklärte das Unternehmen und schloss die Suchfunktion im Oktober 2009. Google Base gibt es weiter als eine Art Datenbank. Quelle: Screenshot
AnzeigenvermarktungDer Geniestreich von Google war die Erfindung des ausgeklügelten Suchalgorithmus und die Verknüpfung mit passenden Textanzeigen. Damit revolutionierte das Unternehmen den Werbemarkt im Netz. 2006 versuchte Google auch Anzeigen für Zeitungen zu vermarkten, drei Jahre später wurde das Projekt wieder beerdigt, ebenso der Versuch, Radiowerbung zu verkaufen. TV-Spots vermarktet das Unternehmen jedoch weiter. Quelle: Screenshot
Nexus OneApple ist zu einem der ärgsten Google-Konkurrenten geworden. Vor allem um die Dominanz im mobilen Internet ringen beide Unternehmen. Dabei hat Google auch erstmals Hardware auf den Markt gebracht: das Smartphone Nexus One. Doch zum iPhone-Killer wurde es nicht, erst hat Google den Direktvertrieb über das Internet wieder eingestellt. Dann gab das Unternehmen bekannt, das selbst ernannte "Superphone" in den USA wegen geringer Verkaufszahlen gar nicht mehr anzubieten. Quelle: rtr

Auch wenn es hier im Internet seltsam daher kommen mag, ich möchte diesmal an erster Stelle den Duden zitieren: Dort steht geschrieben, dass eine "Kolumne" ein stets von "demselben Journalisten verfasster, regelmäßig an bestimmter Stelle einer Zeitung oder Zeitschrift veröffentlichter Meinungsbeitrag" ist. Nun befinden wir uns im Digitalen und dennoch halte ich es für angebracht für das folgende kurz darauf zu verweisen, dass es sich hier um meine Meinung und nicht etwa einen gekauften oder anders platzierten Beitrag handelt. Es ist nämlich so.

Ich liebe die Hangouts bei Google+. Also eigentlich die Hangouts on Air. Denn das, was ein normaler Hangout kann, kann beispielweise auch Skype. Die Hangouts on Air können aber mehr: Sie machen Sie nämlich zum Sender. Das einzige, was dafür nötig ist: ein Google+-Account, eine Webcam und eine Internetverbindung: Schon kann es losgehen und zwar nicht nur am stationären PC, auch auf mobilen Geräten wie Tablet und Smartphone. Ob zuhause oder unterwegs - jeder kann von überall hangouten und damit sein Leben, seine Inhalte, seine Bilder in die Welt senden. 

Natürlich gab es schon vorher Streaming-Plattformen wie beispielsweise Ustream.tv. Aber wer gesendet hat, hinterließ die Videos auf einer Plattform, die man sonst nur selten angesteuert hätte - im Gegensatz zu den Hangouts, die alle in das Massenvideoportal Youtube laufen.

Warum also diese große Liebe?

Erstens: Filmen ist so einfach. Noch einfacher als texten, weil es schnell geht, weil es authentisch ist. Interviews mit Bild erlauben es dem Zuschauer, die sprechenden Personen zu beobachten, wie sie formulieren, nervös werden, Fragen abwehren oder auch mal sympathisch sind.

Zweitens: Es ist alles live. Und die Welt kann zugucken und Einfluss nehmen. Diese Meinungen - ob direkt über Google+, auf der eigenen Webseite oder in anderen sozialen Netzwerken wie Twitter, können sofort aufgegriffen und diskutiert werden. Haben Sie das mal mit Fernsehen versucht?

Drittens: Keine räumlichen Hindernisse. Da es lediglich Webcam und Internetverbindung bedarf, kann wirklich jeder sich mit jedem zusammenschalten und sprechen, singen, Faxen machen. Ob er in Australien sitzt oder im Nebenraum.

Viertens: Endlich Talkshows zu den Themen, die einen interessieren. Das ist zwar der Vorteil des Internets an sich - für jede Peer Group gibt es da ja eine Community, man muss nur danach suchen -, aber durch die Hangouts on Air ist dies nun also auch im Videoformat möglich.

Natürlich gibt es technisch so gut wie nichts, was nicht irgendwelche Bedenkenträger und Verhinderer auf den Plan ruft. So scheint es notwendig, dass für wiederkehrende Formate, die sich an eine Nutzerschaft von mehr als 500 Zuschauern richten, eine Rundfunklizenz notwendig ist. Doch welcher Content, den man ins Internet stellt, tut das nicht? So kommt es, dass insbesondere hierzulande wieder mal erst über Formalien gesprochen wird als einfach einmal zu machen.

Das war auch erst kürzlich der Fall, als Bundeskanzlerin Angela Merkel ankündigte, am 17. April per Google Hangout zum großen Talk zu laden. Im Vorfeld konnten die Bürger unter bundesregierung.de Fragen an sie einreichen. Übrigens: Abschließend geklärt ist die Frage mit der Rundfunklizenz nicht, auch wenn nicht allzu viel dafür spricht, kann man bei der Merkelschen Ankündigung nicht davon ausgehen, dass es sich nun über ein längerfristig geplantes Format handeln könnte.

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