Die Woche im Netz

Quantified self - Das permanente schlechte Gewissen

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: Was Fitness-Armbänder wie das Jawbone Up bringen.

Was Smartphones alles messen können
KalorienEin paar Pfunde verlieren oder den Cholesterinspiegel in den Griff bekommen - wer wirklich gesund leben will, muss sich gut ernähren. MyFitnessPal (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone)MyFitnessPal ist nicht nur eine App sondern eine ganze Community, die sich rund um das Thema Abnehmen dreht. Hier kann man sich ein Profil erstellen und darin abspeichern, was, wann wo gegessen wurde. Der Vorteil an der Gruppe: Der User kann sich mit anderen vergleichen und wird so extra angespornt. In die App integriert ist auch ein Sport-Tool, dass einem je nach Länge der Aktivität anzeigt, wie viele Kalorien man wieder verbaucht hat. Kaloriencheck (iOS)Die App zeigt mit einem Mouse-Klick an, wie viele Kalorien in dem Essen stecken. FoodNavi (iOS)FoodNavi hilft dabei den Überblick über die eigenen Ernährung zu behalten und zeigt in Diagrammen an, wie viele Milchprodukte, wie viel Obst und wie viele Kohlenhydrate der User schon zu sich genommen hat. Quelle: REUTERS
Blutdruck und PulsWenn der Blutdruck Achterbahn fährt, gilt es Ruhe bewahren und vor allem den eigenen Körper genau im Auge behalten. Dabei helfen etliche Tools. Blutdruck Daten (iOS, Android)Der digitale Blutdruck-Pass erfasst alle Blutwerte, die mit einem extra Gerät gemessen werden müssen. Das Tool ist kostenlos. Blutdruck+Puls Grapher (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert der Grapher. Hier können nicht nur die Blutdruckwerte, sondern auch die Ernährung des Tages sowie die jeweiligen Tagesaktivitäten eingetragen werden. Zum Beispiel
SchrittzählerWer den ganzen Tag im Büro sitzt, kennt das Problem: Man bewegt sich viel zu wenig. Wie schlimm es um einen wirklich bestellt ist, zeigen Schrittzähler an. Diese dokumentieren wie viele Schritte der einzelne pro Tag absolviert. Pedometer (iOS und Android)Von Runtastic stammt der Pedometer. Die App nutzt den Beschleunigungssensor des Smartphones, um die Anzahl der Schritte zu ermitteln. Die Distanz und die Zeit der Aktivität werden am Ende übersichtlich angezeigt. Das Smartphone kann überall am Körper getragen werden. Ultimate (iOS)Apple-User können auch Ultimate nutzen. Der Schrittzähler misst die Bewegung via GPS. Quelle: dpa
JoggenWie die Schrittzähler funktionieren auch andere Tools für das Laufen - vom leichten Joggen bis zum Marathontraining. Hinter den beiden Apps steht jeweils eine Community mit Personen, die sich zum Thema austauschen und auch gegenseitig anfeuern. Runtastic (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone, Bada)Eine der beliebtesten Trainings-Apps ist Runtastic. Via GPS wird der Verlauf der Jogging-, Fahrrad- oder Skaterstrecke gespeichert und innerhalb der Plattform hochgeladen. Wer möchte, kann nach dem Lauf auch sein Ergebnis bei Facebook oder Twitter hochladen. Außerdem bietet das Tool die Möglichkeit gegen die eigenen Leistung oder die anderer anzutreten. Auch einfache Gymnastik-Trainings oder Yoga-Übungen lassen sich manuell hinterlegen. Runkeeper (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert Runkeeper. 17 Millionen Menschen nutzen nach Anbieter-Angaben die App weltweit. Quelle: dpa
SchlafSo verrückt es klingt, immer mehr Menschen verfolgen ihren Schlaf genau. Wie oft wird man wach? Wie viele Stunden Schlaf bekomme ich in der Woche. Sleep101 (iOS)Die App des Anbieters Zeo verfolgt genau wie lange und wie gut ein User schläft. Ein integrierter Wecker weckt genau in dem Moment, in dem eine Tiefschlafphase vorbei ist. ElectricSleep (Android)Eine Alternative für Android-Nutzer ist die App ElectricSleep, die ebenfalls von Zeo auf den Markt gebracht wurde. Quelle: dpa
StimmungEinfach mal messen, wie es einem so geht. Auf dem Markt gibt es zig Tools, die einem dabei helfen. Eine Empfehlung: Mood Panda (iOS und Android)Ein kleiner Panda ist der Begleiter durch den Tag. In der ansprechend gestalteten App können Stimmungsschwankungen genau festgehalten und visualisiert werden. Einzelne Ereignisse lassen sich auch auf Twitter oder Facebook verbreiten. Quelle: dpa
ZeitWie gerne würde man einmal die Zeit zurückdrehen können - viel zu schnell scheint sie an manch Tagen zu vergehen. Dabei müsste man sich viel häufiger die Frage stellen, was man eigentlich den ganzen Tag tut, was einem so sehr die Zeit raubt. Dabei hilft der: Rescue Time (Android)Wie lange habe ich E-Mails gelesen, wie lange im Internet gesurft und wie lange telefoniert. Den eigenen Tagesablauf genau zu messen, kann sinnvoll sein. So lässt sich ganz einfach herausfinden, an welchen Stellen des Tages Zeit vergeudet wurde. Das tolle daran: Das Programm läuft im Hintergrund des Smartphones und speichert so alle Verhaltensweisen. Quelle: dpa


Wir haben diese Woche zweimonatiges, das Jawbone und ich. Zwei Monate, in denen ich mit einem dieser neuen Fitness-Armbänder durch die Gegend gelaufen bin. Es ist blau und ich trage es am linken Arm. Bei Tag und bei Nacht. Ich habe es nur für wenige Tätigkeiten abgenommen: zum Duschen, zum Aufladen und zum Synchronisieren mit dem Smartphone.

Das Jawbone Up besteht aus Lagesensoren, die in einer Gummihülle stecken. Und diese messen all meine Aktivitäten. Wie viel ich mich bewegt habe, wie gut (oder kurz) ich geschlafen habe. Gut geschlafen bedeutet: acht Stunden. Viel bewegt: 10.000 Schritte. Das ließe sich auch verändern, aber ich empfand diese Maßgaben als gute Richtwerte. Und theoretisch auch: was ich gegessen habe. Dafür muss ich aber alle Mahlzeiten per Hand in die App eingeben bzw. Barcodes einscannen. Und da kommen wir auch schon zu dem Problem: Diese Funktion ist nur dann wirklich praktisch, wenn man sich vorwiegend von Fertigessen ernährt. Deshalb habe ich auch nur zwei Tage durchgehalten, meine Ernährung ebenfalls zu erfassen.

Mindestens einmal am Tag, meistens morgens, schließe ich das Band über die Kopfhörerbuchse an mein Telefon an. Die neuesten Daten werden dann in die Up-App geladen und ich kann mir anschauen, wie gut (oder schlecht) die Nacht war. Gleichzeitig gibt es immer eine Motivationsnachricht. Am Mittwochmorgen warnte mich die App, dass ich am Mittwoch immer die wenigsten Schritte absolviere. Am Abend bin ich nach Hause gelaufen und habe die 10.000 Schritte fast geschafft.

Sonderaktivitäten wie der Besuch im Fitnessstudio, meinen sonntäglichen Yoga-Kurs oder die Bahnen im Schwimmbad kann ich ebenfalls erfassen. Die muss ich aber wie das Essen per Hand in der App nachtragen.

Ein paar Wochen habe ich mich von dem Band auch wecken lassen. Denn sobald ich mich im Schlaf mehr bewege, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich mich in einer Aufwachphase befinde. Wer in einer solchen Phase geweckt wird, startet besser und entspannter in den Tag. Da ich davon nichts bemerkt habe und eher das Gefühl hatte, um weiteren Schlaf beraubt zu werden, habe ich diese Funktion wieder abgeschaltet.

Außerdem kann ich in der App sehen, was meine Jawbone-Freunde so machen. Wir sind zu fünft, von denen zwei gerade nicht aktiv sind. Das lässt zwei Schlüsse zu: Sonderlich beliebt ist das Armband nicht oder die, die es haben, wollen diese doch sehr intimen Daten eher für sich behalten. Vermutlich ist an beiden Dingen was dran.

Und warum mache ich das? Das hat zwei Gründe.

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