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Die Woche im Netz

Vier Dinge, die der NSA-Datenskandal lehrt

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: der NSA-Datenskandal.

"Sollte es das Programm geben, machen wir nicht mit"
Die „Washington Post“ und die britische Zeitung „Guardian“ berichten über ein bislang unbekanntes Abhörprogramm der US-Sicherheitsbehörden. Einige Folien einer Präsentation zum Programm „PRISM“ nennen Firmen, die demnach den Behörden weitreichenden Zugriff auf ihre Daten gestatten. Dazu gehört Apple, der Hersteller von Smartphones („iPhone“), Tablets und Computern. Das Unternehmen teilte mit: „Wir haben noch nie von PRISM gehört. Wir gewähren keiner Regierungsbehörde direkte Zugang zu unseren Servern und alle Behörden, die Kundendaten beantragen, müssen einen Gerichtsbeschluss erhalten haben.“ Quelle: dpa
Auch Google steht auf der Liste. Einer Präsentationsfolie zu PRISM zufolge, ist der Datenzugriff zwar abhängig vom jeweiligen Internetdienst, kann jedoch Daten wie E-Mail, Chat, Fotos und hochgeladene Dateien umfassen. Google sagt zu den Vorwürfen, dass es „keine Hintertür“ in die eigenen Systeme gebe. Quelle: AP
Auch die Google-Tochter YouTube steht auf der Liste. Video-Dateien sollen auch zum Umfang des Abhörprogramms gehören. Quelle: dpa
Auch das soziale Netzwerk Facebook hat die Anschuldigungen dementiert. „Wir gewähren keiner Regierungsorganisation direkten Zugriff auf Facebook-Server. Wenn von Facebook Daten zu spezifischen Individuen verlangt werden, prüfen wir gründlich, ob Anfragen dieser Art den anwendbaren Gesetzen entsprechen und geben Informationen nur in dem Umfang heraus, wie es das Gesetz verlangt.“ Quelle: dapd
Der veröffentlichen PRISM-Präsentation zufolge ist Microsoft bereits seit 2007 an dem Programm beteiligt. Auch der Windows-Hersteller und Anbieter von E-Mail-Diensten und Suchmaschinen weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen gebe „niemals auf freiwilliger Basis“ Daten heraus, sondern nur auf Basis eines richterlichen Beschlusses. Außerdem dürften sich diese Beschlüsse nur direkt auf einzelne Accounts beziehen. Quelle: dpa
Auch der Internettelefonie-Dienst Skype steht auf der PRISM-Liste. „Sollte die Regierung ein größeres, freiwilliges Programm haben, um Kundendaten zu sammeln, nehmen wir daran nicht teil“, schreibt Microsoft in seinem Dementi. Quelle: dapd
Das Internet-Portal Yahoo steht angeblich seit Dezember 2008 für das Programm zur Verfügung. Das Unternehmen teilte dazu mit, den Datenschutz sehr ernst zu nehmen. „Wir gewähren der Regierung keinen direkten Zugriff auf unsere Server, Systeme oder Netzwerke.“ Quelle: AP

Es ist einer der größten Datenskandale, die es bisher gegeben hat. Seit Jahren kann der amerikanische Geheimdienst NSA mit Hilfe von PRISM E-Mails, Fotos, Bilder, Videos und weiteren Dateien von großen Kommunikationsunternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Yahoo, AOL, wohl auch Apple und ein paar anderen auswerten. Auswerten zum Aufspüren von Terroristen natürlich - mit ein paar Kollateralschäden. Doch was bedeutet das eigentlich alles?

1. Abschied von der Cloud

Sicherlich: Terroristen sollten aufgespürt werden, bevor sie Unrecht anrichten. Aber müssen wir dulden, dass der amerikanische Geheimdienst weltweit nach ihnen sucht? In Daten von Deutschen, Niederländern und Indern? Gerade für Unternehmen könnten die Veröffentlichungen weiter reichende Folgen haben. Stellen Sie sich nur einmal vor, Coca Cola würde sein geheimes Rezept für die braune Brause in der so genannten Cloud abspeichern. Nun sind die Informationen, die wir miteinander austauschen nicht alle so heikel, dennoch steht fest: Wer digital über Dinge spricht, die für Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bedeuten könnten, sollte dies nicht mehr in der Cloud tun. Backups, Mails und andere Dateien, die wir gerne in der digitalen Wolke synchronisieren, um auf sie von überall zugreifen zu können - seit dem vergangenen Wochenende wissen wir: Sicher sind sie nicht mehr.

2. So geht Big Data

Sicherlich ist es zu früh, zu schreiben, dass Big Data die Cloud beerdigt. Denn für eine nicht geringe Zahl an Nutzern überwiegen die Vorteile gegenüber den Risiken, die das Speichern von Dateien in der Wolke hat. Allerdings macht der Fall so schön anschaulich, was aufgrund des anderen Buzzwords "Big Data", also der Auswertung unzähliger Daten, in den kommenden Jahren auf uns zukommen wird. Was wir bisher vor allem durch personalisierte Werbung bei Facebook und Co. verstehen konnten, könnte nun schon bald auch Auswirkungen auf das reale Leben haben.

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