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Die Woche im Netz

Warum Netzneutralität verständlich werden muss

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Von Zensursula lernen

Mit dieser Kampagne werben die Internetverbände

Innerhalb von drei Tagen ist es nun gelungen, per E-Petition den Bundestag dazu zu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Immerhin: 50.000 Menschen haben dafür unterschrieben. Bis 18. Juni kann man sich noch beteiligen. Doch ist das viel? Nicht wirklich, angesichts der heute mehr als 53 Millionen Deutschen, die täglich das Internet benutzen. Doch um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, sind diese 50.000 Menschen mindestens ein Achtungserfolg.

Blicken wir doch einmal zurück. Im Mai 2009 wollte die ehemalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen Stoppschilder aufstellen, im Internet, gegen Kinderpornografie. Das haben alle verstanden, auch wenn diese Aktion beim näheren Drübernachdenken hanebüchen war. Es wurde diskutiert und ziemlich schnell regte sich dagegen auch Protest. Nach nicht einmal drei Tagen knackte damals die Petition gegen "Zensursula" die magische Marke und erzielte am Ende knapp 135.000 Unterzeichner. Es war die erfolgreichste Petition in der Geschichte des Bundestages. Und am Ende wurde das unsinnige Gesetz gestoppt. 135.000 Unterzeichner sind im Vergleich zu den damals rund 43 Millionen Deutschen, die das Internet im Jahr 2009 genutzt haben, sicherlich wenig. Aber die Zahl der Protestler reichte aus, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Wären die Proteste ähnlich erfolgreich verlaufen, wenn der "Feind" weniger plakativ gewesen wäre?

Sicherlich ist die Kampagne, die derzeit von einigen Internetvereinen unter dem Namen "Drosselkom" gefahren wird, hilfreich. Doch stellt sich auch hier die Frage, ob diese plakative Verkürzung auf den dazugehörigen Bannern und Fotos (siehe unter anderem: echtesnetz.de) auf die Tatsache, dass die Telekom in Zukunft keine Flatrates mehr anbietet, sondern von Vielsurfern zusätzliche Gebühren verlangt, langfristig hilfreich sein wird.

Verständliche Interneterklärer braucht das Land

Die Internetaktivisten brauchen ein neues Vokabular. Eines, das alle verstehen. Da hilft auch nicht der bereits seit 2009 von Internetaktivisten analog verwendete Begriff der "quality of services - zu deutsch: der Leistungsgarantie für Services. Versteht meine Mutter genauso wenig wie die immerhin durch eine Alliteration auffallende Netzneutralität.

Um langfristig eine Masse an Menschen dafür zu begeistern, sich für ein freies Netz für alle einzusetzen, geht kein Weg an Aufklärung und einfachen Worten vorbei. Nur so wird man in Zukunft diese Themen in den Radar der Politik heben können und dafür sorgen, dass netzpolitische Entscheidungen mit Verstand und Bedacht getroffen und gesetzlich verankert werden.

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