Die Zahlenfrau
Die Möglichkeiten des Metaverse sind vielfältig: vom Marketing-Tool bis hin zum virtuellen Arbeitsplatz oder Treffpunkt in der Freizeit. Quelle: imago images

„Nächstes Team-Meeting um 15.30 Uhr im Metaverse“

Alle reden davon, wie vielfältig das Metaverse in seinen Einsatzmöglichkeiten ist. Unternehmen sowie Privatpersonen können profitieren – doch wie eigentlich?

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Kürzlich lauschte ich gebannt einem Interview zwischen Unternehmerin und Investorin Verena Pausder und Meta-Managerin Julia Reuss im Vorfeld der Future Night, einem neuen Event Format von Startup Teens. Was ist daran so besonders?, fragt ihr euch jetzt sicher. Das Interview fand im Metaverse statt. Das erste, das ich so bisher gesehen habe. Ist das Metaverse damit „angekommen“?

Ich bin ein sehr wissbegieriger Mensch. Das führt dazu, dass ich mich gern in neue Themen und Trends einlese und versuche, sie zu verstehen. Als das Thema Blockchain erstmals aufkam, gab es sehr viele umstrittene Artikel und Diskussionen und für mich war klar: Ich muss mich einlesen, um das Thema zu verstehen und dann zu entscheiden, ob es für mich relevant sein könnte. Ich habe damals sogar einen Beitrag dazu geschrieben.

Genau dasselbe tue ich heute zum Thema Metaverse. Und dazu springe ich ein paar Wochen zurück. Ende März nahm ich beim Kick-off des Digital Finance Forums teil, das Bundesfinanzminister Christian Lindner gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Florian Toncar eröffnete. Wir sprachen über die Zukunft der Finanzbranche und Toncar stellte zu Beginn des Meetings eine Frage: „Wer glaubt, dass sich das Metaverse in fünf Jahren etabliert haben wird?“

von Theresa Rauffmann, Matthias Hohensee, Julian Heißler, Silke Wettach

Von knapp 50 Teilnehmer:innen standen genau sechs auf. Ich war eine davon. Dazu muss ich sagen, dass der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden bei 40+ lag. Aber mal abgesehen davon, stellt das Metaverse für viele eine große Unbekannte dar. Ich fing an zu lesen und möchte euch heute ein paar Learnings und vor allem ein paar Gedankenanstöße an die Hand geben.

800 Milliarden Euro in einer Branche, die es noch gar nicht gibt

Derzeit gibt es etwa 400 Millionen Nutzer:innen, die sich in den virtuellen Welten, die das Metaverse ausmachen, tummeln. Nur um das in den richtigen Kontext zu setzen: 400 Millionen sind mehr User als auf Twitter (211 Millionen) oder Snapchat (306 Millionen) oder Fortnite (350 Millionen). Diese Nutzer knüpfen Kontakte, gestalten, träumen, bauen und vor allem investieren sie in diesem Raum, der nur durch die menschliche Vorstellungskraft begrenzt ist. Einem aktuellen Bericht der Großbank Citi zufolge wird das Metaverse bis 2030 auf fünf Milliarden Nutzer anwachsen.

Einzig Instagram und TikTok schlagen die Nutzer-Zahlen des Metaverse: TikTok ist bei weitem eine der am häufigsten heruntergeladenen Apps der Welt in den letzten Jahren. Die App hat im vierten Quartal 2021 über 1,2 Milliarden monatlich aktive Nutzer und wird voraussichtlich bis Ende 2022 1,5 Milliarden erreichen. Basierend auf den Zahlen für die globale Werbereichweite hat Instagram im April 2022 mindestens 1,45 Milliarden Nutzer auf der ganzen Welt.

Die nächste Generation der sozialen Medien

„Das Metaverse ist die nächste Generation der sozialen Medien“, sagte kürzlich Andrew Kiguel, CEO von Tokens.com, das in Metaverse-Immobilien und nicht fungible Token-bezogene digitale Vermögenswerte investiert.

Kiguels Unternehmen hat kürzlich fast 2,5 Millionen Dollar für ein Stück Land in Decentraland ausgegeben – eine von mehreren beliebten Metaverse-Welten. „Stellen Sie sich das Brettspiel Monopoly vor. Wir haben gerade den Boardwalk und das umliegende Gebiet gekauft“, so Kiguel. „Gebiete, in denen sich Menschen versammeln, sind für Werbetreibende und Einzelhändler viel wertvoller, wenn sie Wege finden, dort hineinzukommen, um diese Bevölkerungsgruppe zu erreichen.“

Laut einem Artikel im „Handelsblatt“ soll das Geschäft mit dem Metaverse schon im Jahr 2024 rund 800 Milliarden Dollar ausmachen. So prognostiziert es Bloomberg Intelligence. In dieser digitalen, dreidimensionalen Welt sollen wir also zukünftig arbeiten, Handel treiben, Geld anlegen, Immobilien kaufen können. Und vieles mehr. Heute schwer vorstellbar, denn bislang gibt es diese Art der digitalen Welt nur in Computerspielen. Fortnite ist sicher eines der bekanntesten.

Wenn wir uns zurückerinnern an den Satz „Dieses Internet wird sich nicht durchsetzen“, müsst ihr dann nicht auch schmunzeln? Auch damals konnten wir uns nicht vorstellen, wie dieses Internet wirklich als Alltagstool funktionieren könnte. Könnt ihr euch heute euer Leben, eure Arbeit ohne das Internet vorstellen? Genau dasselbe erlebe ich heute mit dem Metaverse. Wir können es uns aktuell (noch) nicht vorstellen. Das heißt aber nicht, dass es sich nicht durchsetzen wird. Und genau deshalb, finde ich, sollten wir uns genauer damit befassen.

Große Brands drängen ins Metaverse

Einem Bericht zufolge sehen globale Marken das Metaverse als eine neue Möglichkeit, tiefer und kreativer mit ihren Verbrauchern in Kontakt zu treten und neue Einnahmequellen zu erschließen. Viele Unternehmen haben Wege gefunden, sich daran zu beteiligen, und ich habe ein paar Beispiele herausgesucht:

  • Gucci lockte 19 Millionen Besucher in den Gucci-Garten im Roblox-Metaversum.

  • Nike startete „Nikeland“, einen Ort in Roblox, an dem man Spiele spielen, Kontakte knüpfen und seine Avatare mit digitalen Waren wie Air Jordans und Nike Blazers einkleiden kann.

  • Acura war das erste Unternehmen, das über Decentraland einen virtuellen Autohandel aufbaute.
  • Walmart plant, virtuelle Währungen und NFTs anzubieten.
  • Dolce & Gabbana hat eine neunteilige NFT-Kollektion entworfen, die neben echter Couture verkauft wird.
  • Estée Lauder eroberte die MetaVerse Fashion Week von Decentraland im Sturm und bot NFTs an, die Avatare einen „magischen Glanz“ verliehen, der an die berühmte Nachtcreme für das Gesicht erinnert.
  • JP Morgan Chase hat mit The Sandbox ein Grundstück erworben, um in Zukunft „innovative Markenerlebnisse“ für seine Kunden zu schaffen.

Lesen Sie auch: Metaverse muss noch Überzeugungsarbeit leisten

Die Beispiele zeigen, dass Unternehmen aus verschiedenen Branchen ins Metaverse einsteigen, und das macht es für mich als Unternehmerin spannend. Sollte ich mich als Fintech-Gründerin nicht auch schon im Metaverse tummeln und Kredite neu denken, so dass ich sie auch in den virtuellen Welten an virtuelle Firmen vergeben kann? Und genau an dieser Stelle kommt mir folgende Frage:

Wie vergebe ich einen Kredit an eine Firma im Metaverse?

Wenn ich mir vorstelle, dass sich das Metaverse in den kommenden Jahren als digitale Geschäftswelt etabliert, dann hat das für mich als Unternehmerin Auswirkungen. Nehmen wir an, die junge Generation, die in den kommenden Jahren in die Geschäftswelt strömen wird, agiert mehrheitlich im Metaverse, weil sie es bereits kennen und nutzen – was bedeutet das für mich als Unternehmerin?

von Matthias Hohensee, Andreas Menn

Im ersten Schritt kann es sein, dass ich firmenintern Anpassungen vornehmen kann. So arbeitet Microsoft beispielsweise schon an einer virtuellen Arbeitswelt, in der Meetings in virtuellen Räumen stattfinden. Ich kann dann als Avatar dem Meeting im Raum beitreten.

Ähnlich wie bei dem Interview, das ich eingangs erwähnt hatte, setze ich eine Virtual- und Augmented-Reality-Brille auf und kann so in den Raum treten. Ich gehe davon aus, dass Microsoft diese neue Art der Meetings zunächst in ihren eigenen Reihen testen wird – sollte dies gut angenommen werden, könnten sich Meta-Meetings als neuer Trend sicher schnell ausbreiten.

In einem zweiten Schritt kann dies bedeuten, dass sich auch firmenextern das Metaverse immer weiter durchsetzt. Wenn wir eine digitale Währung im Metaverse nutzen, muss ich mich als Finanzunternehmen mit Fragen auseinandersetzen wie: Wie vergebe ich einen Kredit an eine Firma im Metaverse? Oder wie handle ich zukünftig mit Geld?

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Jeder Mensch sollte einmal ein modernes Computerspiel spielen

Ein einfacher Weg, sich etwas genauer mit dem Thema Metaverse zu befassen, wäre einmal selbst ein Computerspiel zu spielen. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Erwachsene das sicher länger nicht gemacht haben. Irgendwann sind auch die Kinder zu alt, als dass sie mit den Eltern Computerspiele spielen. Aber genau das könnte uns Erwachsenen helfen, dieses große Thema Metaverse, das da auf uns zukommt, zu verstehen. Taucht ein in diese dreidimensionale virtuelle Welt, denn das wird euch vielleicht helfen, zu verstehen, wie diese funktioniert. Und dann fällt es euch sicher leichter, diese Spielewelt auf unsere Geschäftswelt zu übertragen.

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