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Digitale TransformationDer Staat pumpt Milliarden in Digitalisierung – und bremst damit Cloud Computing aus

Mit diversen Programmen unterstützt die Bundesregierung die digitale Transformation. Die fördern aber oft nur Investitionen in physisches Kapital – und schwächen damit sogar die Nutzung digitaler Dienste.Michael Kroker 04.09.2020 - 06:00 Uhr

Cloud Computing ist seit Jahren einer der Megatrends der IT - und wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation.

Foto: dpa

Cloud Computing gilt aktuell als einer der wichtigsten Trends in der IT überhaupt: Statt Software zu kaufen und auf eigenen Rechnern zu installieren, mieten Unternehmen zunehmend Anwendungen, die von Cloud-Providern im Internet bereitgestellt werden. Bekanntestes Beispiel ist das Cloud-basierte Büropaket Office 365 von Microsoft. Aber auch viele anderen IT-Anbieter wie etwa SAP oder Adobe bieten ihre Anwendungen aus der Cloud an.

Weil zudem auf Apps und Daten in der Cloud von überall her zugegriffen werden kann, ist Cloud Computing auch eine wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation. Denn für neue, datengetriebene Geschäftsmodelle ist es unabdingbar, möglichst viele Daten von Maschinen und Sensoren im Unternehmen zu sammeln und auszuwerten – das funktioniert nur über die Cloud.

Cloud-Dienste

David gegen Jeff

von Michael Kroker

Gerade in Deutschland standen Unternehmen dem Cloud Computing jedoch lange skeptisch gegenüber: Viele fürchteten Performance-Probleme bei der Nutzung von Anwendungen aus dem Internet – und die Hoheit über ihre Daten zu verlieren.

In den vergangenen Jahren hat sich der Zugang von Unternehmen zu digitalen Technologien allerdings grundlegend gewandelt. So hat sich der Anteil der Unternehmen, die kostenpflichtige Cloud-Computing-Dienste einsetzen, in den Jahren 2014 bis 2018 in Deutschland von 11 Prozent auf 22 Prozent verdoppelt. Damit hinken die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich aber immer noch hinterher.

Ein Grund dafür, das zeigt jetzt eine aktuelle Studie, könnten ausgerechnet staatliche Förderprogramme zur Beschleunigung der Digitalisierung sein. Denn die enthalten offenbar massive Fehlanreize bei den Investitionen. „Es besteht die Gefahr, dass der Staat unbeabsichtigt die Verbreitung von Cloud Computing verlangsamt – mit weiteren negativen Folgen für die Verbreitung von anderen datengetriebenen Technologien, die von Cloud Computing abhängen, wie beispielsweise Big-Data-Anwendungen“, sagt Steffen Viete, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“ und Mitarbeiter im Stab des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Fehlanreize in staatlichen Förderprogrammen

Viete hat gemeinsam mit drei Kollegen untersucht, welche Auswirkungen staatliche Programme zur Investitionsförderung auf die Verbreitung von Zukunftstechnologie haben. Zentraler Befund der Studie des ZEW Mannheim in Kooperation mit der OECD: Staatliche Förderprogramme sollten um digitale Dienste erweitert werden, um auch die Unternehmen zu erreichen, die zunehmend mit immateriellen Gütern wirtschaften.


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Denn bisher unterstützen solche Initiativen eher Investitionen in physische Güter und sorgen damit dafür, dass andere Investitionen, etwa in Cloud Computing, erstmal aufgeschoben werden. Für ihre Studie haben die ZEW-Forscher zwei Investitionsförderungen in Deutschland und Großbritannien untersucht. Demnach führte das britische Programm dazu, dass die geförderten Unternehmen insgesamt 64 Prozent mehr investierten. Die Investitionen zum Erwerb von Informations- und Kommunikationstechnologien nahmen um 34 Prozent zu, die zum Erwerb von Hardware um 31 Prozent. 

Hingegen sank bei den Unternehmen die Neigung, Cloud-Dienste zu nutzen, um 12 Prozent. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. „In beiden Fällen trug die staatliche Förderung dazu bei, dass Unternehmen weniger geneigt waren, Cloud Computing zu nutzen“, sagt die Studienmitautorin Raphaela Andres, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“.

Aus diesem Grund sollte der Staat seine Förderprogramme laut ZEW überarbeiten, um tatsächlich die digitale Transformation voranzubringen und diese nicht sogar noch zu verlangsamen – wenn auch unbeabsichtigt.

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