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Digitale Transformation Deutsche Bank baut eine Cloud mit Oracle

Die Deutsche Bank zieht es in die Internet-Wolke: Nach einem Vertrag mit Google im vergangenen Jahr schlossen die Frankfurter nun eine Vereinbarung mit dem amerikanischen SAP-Rivalen Oracle. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank zentralisiert seine kritischen Datenbanken in einer privaten Cloud mithilfe von Oracle. Das ist ein symbolischer Erfolg gegen den Erzrivalen SAP – ausgerechnet in dessen Heimatmarkt.

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Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass der Mann, der lange auf höchster Ebene Technologie- und Entwicklungsthemen bei SAP verantwortet hat, nun in seinem Job dem deutschen Softwarekonzern das Leben schwer macht. Seit Anfang 2020 ist Bernd Leukert Technologievorstand bei der Deutschen Bank – und damit auch für das digitale Rückgrat des Geldhauses zuständig. Nun hat der einstige SAP-Mann ausgerechnet eine mehrjährige Zusammenarbeit mit dem amerikanischen SAP-Rivalen Oracle angekündigt. 

Ziel ist es, die bestehenden, teils von externen Partnern und Dienstleistern betriebenen Oracle-Datenbanken in einer einzigen Datenbank zusammenzuführen. „Wir erwarten, dass wir durch den Schritt in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen können“, sagte Leukert im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Die neue einheitliche Datenbank soll auf Oracle Exadata Cloud @ Customer laufen, einer sogenannten Datenbank-Appliance: Das ist eine Hardware-/Software-Kombination aus speziellen Hochleistungsservern, optimiert für Oracle Datenbank-Software. Diese Appliance wird in Rechenzentren in einer privaten Cloud betrieben, deren Standorte von der Deutschen Bank festgelegt werden.

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Im Gegensatz zu einer öffentlichen Cloud laufen Rechenoperationen in einer privaten Cloud nicht über das Internet, sondern ausschließlich auf unternehmensintern betriebenen Servern der Deutschen Bank. „Dabei erfüllen wir alle Anforderungen an den Speicherort der Daten, etwa die europäische Datenschutz-Grundverordnung“, sagt Leukert. In diesem System werden künftig diverse wichtige Banksysteme laufen, etwa der Wertpapierhandel, die Zahlungsabwicklung oder die Risiko- und Kapitalplanung

Der heutige Cheftechnologe der Deutschen Bank saß seit 2014 im SAP-Vorstand – schied aber nach einem mutmaßlichen Dissens mit Aufsichtsratschef Hasso Plattner überraschend im Februar 2019 aus dem Unternehmen. Obwohl SAP mit der Hochleistungsdatenbank Hana eine mögliche Alternative im Angebot hat, gibt sich Leukert diplomatisch: Die Deutsche Bank habe verschiedene Alternativen erwogen, sich letztlich aber entschieden, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Oracle fortzuführen, erklärte Leukert. 

Allerdings drängt Leukert seinen Ex-Arbeitgeber an anderen Stellen aus dem Konzern: Im Geschäft mit Privatkunden etwa nutzt das Unternehmen bisher zwei komplett eigenständige IT-Systeme bei der Deutschen Bank und der Tochter Postbank – letzteres wurde gemeinsam mit SAP entwickelt. Bis spätestens 2022 soll das rund 50 Jahre alte IT-System der Deutschen Bank auf Basis der Großrechner-Programmiersprache Cobol auch die Postbank betreuen. Die SAP-Bankinglösung bei der Postbank läuft dann aus.

Symbolischer Erfolg für Oracle

„Im Privatkundengeschäft ist der Betrieb zweier redundanter Systeme schlicht nicht wirtschaftlich“, sagt Leukert. Weil der Funktionsumfang des alten Deutsche-Bank-Systems höher sei als das der Postbank, läge hier die Wahl auf der Hand. Als Seitenhieb gegen seinen einstigen Arbeitgeber will Leukert auch das nicht verstanden wissen: „Gleichwohl haben wir in anderen Bereichen wie etwa dem Finanzwesen SAP-Software im Haus, und das bleibt auch so“, so der Ex-SAPler.

Bei Oracle hingegen bringt man die Freude über den symbolischen Erfolg, zumal im Heimatmarkt des Erzrivalen, deutlicher zum Ausdruck: „Dass ein Bestandskunde wie die Deutsche Bank auch den Weg der Konsolidierung und der digitalen Transformation mit uns geht, ist ein wichtiges Leuchtturmprojekt für uns“, sagt Oracle-Deutschland-Chefin Stefanie Kemp. „Zumal wir künftig auch Anwendungen gemeinsam entwickeln wollen.“



So haben beide Unternehmen eine Innovationspartnerschaft vereinbart – und wollen Finanzanwendungen in Technologiefeldern wie Datensicherheit, Blockchain, künstliche Intelligenz und Analytik konzipieren und bauen. Hier sei aber wichtig, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, betont Leukert: „Erst müssen wir die Konsolidierung der Datenbanken schaffen.“ Zwischen drei und fünf Jahre kalkuliert der Leukert für diese Modernisierung.

Für die Deutsche Bank ist die Partnerschaft mit Oracle bereits der zweite Cloud-Deal nach einer Vereinbarung mit Google im vergangenen Jahr. „Wir haben schon damals klar gesagt, dass künftig nicht alle Anwendungen in der Google Cloud laufen würden“, sagt Leukert. Die Verträge ergänzten sich also gegenseitig: Google für die öffentliche Cloud, Oracle für die private Cloud. Und für SAP bleibt eben ein bisschen Software innerhalb des eigenen Hauses übrig.

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