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Digitale Welt Fünf verrückte Ideen zum Glasfaserausbau

Infrastrukturminister Alexander Dobrindt will in der nächsten Woche sein „Kursbuch“ für einen schnelleren Glasfaserausbau vorstellen. Hier fünf radikale Vorschläge, die bisher beim Minister auf wenig Gegenliebe stießen.

Was die Deutschen im Internet suchen
Der Begriff Miete wurde in den Monaten Januar bis August 2013 deutlich häufiger gesucht als noch vier Jahre zuvor. Die Steigerung liegt bei 79 Prozent. Die steigenden Mietpreise in den Städten werden für nicht wenige Bürger zum Problem. Fast alle Parteien haben sich daher bereits für eine Mietpreisbremse nach der Wahl eingesetzt. Die Wohnungsbaugesellschaften stellen sich dagegen. Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor der Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber in Bad Mergentheim auf einer Tischtennisplatte. Auch die Zuwanderungspolitik scheint die Deutschen mehr zu beschäftigen. Der begriff Asyl wurde jedenfalls 64 Prozent häufiger bei Google gesucht als noch vor vier Jahren. Quelle: dpa
Ebenfalls eingeschlagen hat die Debatte über die niedrigen Gehälter in etlichen Branchen - von Taxifahrern über die Fleischindustrie bis hin zu den Pflegeberufen. Die Google-Suche nach dem Wort Mindestlohn hat zumindest um 52 Prozent zugenommen. Quelle: dpa
Ob Hochschulen und Universitäten Studiengebühren erheben, ist nach dem föderalen System in Deutschland Ländersache. Für künftige Studierende kann der Wegfall von Studiengebühren zum entscheidenden Kriterium werden. Entsprechend häufig wird der Begriff gesucht - 2013 um 40 Prozent häufiger als vor der vergangenen Bundestagswahl. Quelle: dpa
Die stark schwankenden Benzinpreise beschäftigen die Bundesbürger ebenfalls. Auch dieser Begriff wurde häufiger gesucht als 2009. Die Steigerung liegt bei 27 Prozent. Quelle: dpa
2013 hat für gesetzlich Versicherte gut angefangen: Die bürokratische Praxisgebühr von zehn Euro pro Arztbesuch pro Quartal wurde zu Grabe getragen. Doch die Neuregelung bei der Praxisgebühr scheint viele Bundesbürger verwirrt zu haben. Der Begriff wurde zu 24 Prozent häufiger gesucht als vor vier Jahren. Quelle: dpa
Die Sorge um die Lücke in der Altersvorsorge scheint die Menschen auch 2013 weiter stark beschäftigt zu haben. Bei Google wurde das Wort Rente mit einem Plus von 20 Prozent deutlich häufiger gesucht als 2013. Quelle: dpa

Alexander Dobrindt, der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, hatte gerufen und die Chefs der großen Telekom-Unternehmen waren gekommen. In der „Netzallianz Digitales Deutschland“ treffen sich seit dem Frühjahr die Vorstände und ihre Sherpas in regelmäßigen Abständen mit Vertretern des Ministers und suchen nach einer Lösung für eines der größten Probleme in der deutschen Wirtschaft. Bis 2018 soll Deutschland den Rückstand bei superschnellen Internetanschlüssen aufholen. Jeder Haushalt soll dann mit einer Mindestgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde eine eigene Auffahrt zur Datenautobahn bekommen.

Eine Lösung schien nur eine Frage der Zeit: Wenn das geballte Know-how der Chefs aller großen deutschen Telekom-Unternehmen zusammenkommt, sollte eigentlich etwas Großes dabei herausspringen. Doch der Maßnahmenkatalog, den die Mitglieder der „Netzallianz“ zusammen mit dem Minister am 7. Oktober als „Kursbuch“ veröffentlichen wollen, ist derzeit noch weit davon entfernt, der ganz große Wurf zu werden. Das ist aus Kreisen der beteiligten Unternehmen zu hören.

Über viele Details im Kleingedruckten wird noch gestritten. Insbesondere Telekom-Chef Timotheus Höttges kämpft noch für ein neues Regulierungsregime mit weniger Preiskämpfen, damit sich die Milliardeninvestitionen in neue Glasfasernetze schneller amortisieren.

Einige Experten, die nicht bei der „Netzallianz“ mit am Tisch sitzen, haben sich in den vergangenen Wochen ihre eigenen Gedanken gemacht und ihre Ideen an die „WirtschaftsWoche“ geschickt. Der eine oder andere Vorschlag klingt auf dem ersten Blick verrückt, ist aber schon in einigen Ländern ausprobiert worden, die beim Breitbandausbau viel weiter sind.   

Karl-Heinz Neumann, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (Wik), belebt die Diskussion mit einem sehr radikalen Vorschlag: Länder wie Neuseeland, Australien oder Singapur, in denen der Glasfaserausbau deutlich weiter fortgeschritten ist, sehen ein wesentlich direkteres Engagement des Staates vor. Durch die Gründung und Beteiligung an Glasfasernetzgesellschaften setzt der Staat in diesen Ländern seine Infrastruktur unmittelbar um.

Der Bund müsste eine Holdinggesellschaft gründen, die sich an regionalen Glasfasernetzgesellschaften als Minderheitsgesellschafterin beteiligt. Alle Netzbetreiber werden eingeladen, ihre bestehenden Netze in die Glasfasergesellschaft als Sacheinlage einzubringen. Der Bund finanziert die Holdinggesellschaft mit Privatisierungserlösen aus dem Verkauf von Anteilen an der Deutschen Telekom, an der er immer noch direkt und indirekt mit über 30 Prozent beteiligt ist. Spätestens fünf Jahre nach dem Aufbau von Glasfasernetzen privatisiert der Bund seine Beteiligungen an den Regionalgesellschaften wieder.

Karl-Heinz Labonte, Vorsitzender des Fachverbandes Rundfunk- und Breitbandkommunikation (FRK), will in seinem Lösungsvorschlag auch private Investoren stärker einbeziehen: Die Finanzierung von Breitbandprojekten gerade im ländlichen Raum und in den Randlagen der Ballungszentren als sehr große Herausforderung. Immer noch wird behauptet, dies sei wirtschaftlich unrentabel. Dabei gebe es auch innovative Finanzierungsmodelle für den Aufbau von Breitbandnetzen. So könnten Genossenschaftsbanken und Sparkassen Eigenkapitalfonds auflegen und die Einlagen bei privaten und institutionellen Anlegern einwerben. Die notwendige Aufklärung über die Renditechancen sollte anhand der durchaus existierenden Erfolgsbeispiele durch das Breitbandbüro des Bundes übernommen werden.

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