WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Digitaler Impfpass „Wie die Jagd auf ein bewegliches Ziel“

Bald bekommt das gelbe Büchlein eine digitale Ergänzung: den CovPass. Quelle: dpa

Der neue digitale Impfpass heißt künftig „CovPass“ und soll mehr können, als zunächst geplant. Möglicherweise aber sind zum geplanten Start Ende Juni noch nicht alle Zusatzfunktionen einsatzbereit. Ein Überblick.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der Begriff ist neu. Und auch inhaltlich steckt mehr im digitalen Impfnachweis, als von vielen erwartet. Den computerlesbaren Impfbeleg will die Bundesregierung bis zu den Sommerferien unter dem neuen Namen „CovPass“ allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern als Ergänzung zum gelben Impfbuch der WHO ausstellen. Tatsächlich soll der neue digitale Beleg, anders als das alte Papierbüchlein, nicht bloß dokumentieren, dass und womit Menschen gegen Covid geimpft sind. Zusätzlich soll er auch belegen, ob sie negativ auf das Coronavirus getestet wurden oder bereits von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind.

Die entsprechenden Nachweise im digitalen Zertifikat sollen seinen Nutzern quarantänefreie Privat- oder Geschäftsreisen in der EU ermöglichen, aber auch Einkaufsbummel ohne vorherige Schnelltests oder Besuche in Restaurants oder Museen. Weil all das künftig nicht allein Geimpften, sondern auch Gesundeten oder Getesteten erlaubt sein soll, heißt der Nachweis nun nicht mehr bloß „Impfpass“, sondern – umfassender – „CovPass“. Das bestätigten in der vergangenen Woche hochrangige Vertreter aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Berlin.

Das Mehr an Funktionen bereitet den Verantwortlichen allerdings auch Kopfzerbrechen. So waren die Erfassung von Testergebnissen sowie einer ausgeheilten Covid-Erkrankung im ursprünglichen Entwicklungsauftrag des BMG für den digitalen Impfnachweis gar nicht enthalten. Den Auftrag hatte das Ministerium Anfang März an ein Konsortium aus dem IT-Konzern IBM, dem Datensicherheitsspezialisten Ubirch, der Digitalgenossenschaft GovDigital sowie dem IT-Dienstleister Bechtle vergeben. Grundlage war ein Beschluss der EU-Regierungschefs von Ende Januar, europaweit digital lesbare Impfdokumente einzuführen.

Kurz nach der deutschen Auftragsvergabe beschloss allerdings dann die EU-Kommission in Brüssel, nicht bloß Impfungen mit dem gemeinsamen, länderübergreifend gültigen Nachweis zu erfassen, sondern auch überstandene Erkrankungen und negative Tests – und das BMG musste seinen gerade an das Konsortium erteilten Auftrag kurzfristig erweitern.

„Allenfalls geringfügige Verzögerungen“

Knapp zwei Monate später sehen sich die Beteiligten dennoch „wie erhofft im Zeitplan“, heißt es aus dem Kreis der Entwickler. „Spätestens Ende Juni werden wir den ‚CovPass‘ fertig haben“, versichert ein Verantwortlicher. Um dann allerdings einzuschränken, „dass das mindestens für die Funktion Impfnachweis gilt“. Bei der Erfassung negativer Corona-Tests beziehungsweise dem Nachweis einer durchlaufenen Covid-19-Erkrankung könne es „allenfalls zu geringfügigen Verzögerungen kommen.“

Tatsächlich ähnelt der Versuch, den elektronischen Nachweis termingerecht fertig zu entwickeln, der Jagd auf ein bewegliches Ziel. Denn noch immer ist nicht endgültig geklärt, welche Informationen im Einzelnen in dem digitalen Dokument gespeichert sein sollen und wie die einzelnen Datenfelder spezifiziert sind. Die entsprechenden Verhandlungen darüber zwischen dem Europaparlament und dem Ministerrat, der die Regierungen der EU-Länder vertritt, laufen noch.

Gleichzeitig aber schrauben die Entwickler bereits an der technischen Plattform, mit deren Hilfe die Daten erfasst und ausgetauscht werden sollen. „Alle paar Tage bekommen wir wieder neue Details aus Brüssel, die wir in unsere Systeme einarbeiten müssen,“ sagt einer der verantwortlichen Entwickler. Dass der Zeitplan Ende Juni daran scheitern könne, glaubt er indes nicht. Die Technik laufe ja schon, die ersten Test zur Ausgabe von Zertifikaten seien bereits erfolgreich abgeschlossen. Nun gehe es darum, Impfzentren und Arztpraxen an die Plattform anzuschließen. Die Arbeiten seinen „unter Hochdruck im Gange“, heißt es aus dem Konsortium.

Nachweis aus dem Browser

Sie sind allerdings alles andere als trivial. Immerhin gibt es nicht bloß mindestens 15 unterschiedliche IT-Systeme, die in den Impfzentren der Länder genutzt werden. Daneben existiert eine niedrige dreistellige Zahl sogenannter Praxisverwaltungsprogramme, die in jenen Haus- und Facharztpraxen laufen, die inzwischen in die Impfkampagne eingebunden sind. Idealerweise ließen sich die Daten der Geimpften von dort aus direkt in die CovPass-Zertifikate übertragen.

Doch dass jedes Praxisprogramm bis Ende Juni direkt mit dem zentralen Zertifikateservice des Bundes verknüpft ist, gilt als ausgeschlossen. Mindestens aber, so die Planung im BMG, werde es von jeder Praxis aus möglich sein, die digitalen Belege für die Geimpften über eine gesicherte Browserverbindung auszustellen und das Nachweisblatt in der Praxis auszudrucken.

Die mit einem Kryptoschlüssel als gültig signierten Informationen werden auf dem Nachweisbogen in Form eines QR-Codes gespeichert. Den können die Geimpften dann als Papierbeleg mit auf die Reise nehmen – anstelle des gelben Impfbuchs, oder zusätzlich dazu. Oder sie scannen den Code und speichern ihn im Smartphone in der neuen CovPass-App oder der Corona-Warn-App. Die soll künftig auch alle CovPass-Daten erfassen und beispielsweise bei Grenzübertritten oder beim Check-In am Flieger anzeigen können.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%