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Digitaler Zeitgeist Satire und Humor im Internet

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Mediale Ereignisse in Echtzeit aufgespießt

Die Journalisten Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf interviewen den Bundespräsidenten Christian Wulff - kaum ein mediales Massenereignis, das nicht in Echtzeit auseinander genommen wird. Quelle: REUTERS

„Ich habe meinen Erfolg parallel mit dem der Grünen begonnen. Und deren erste Leistung war gar nicht mal so sehr der Umweltschutz, sondern vielmehr ein Bewusstsein zu schaffen für die Probleme des Datenschutzes bei der Volkszählung“, sagt Richling. Umso vorsichtiger sei er heute, wenn es um die Datensammler von Facebook und Google ginge. Und auf Twitter Pointen zu schreiben, kommt für ihn auch nicht in Frage: „Viele Gags funktionieren nur in einem größeren Zusammenhang, und ich zerhacke das nicht gerne.“ Dennoch kann Richling den Wort- und Bilderwitzen, die zu Hauf von den Menschen geschrieben werden, etwas abgewinnen: „Es sind viele gute Pointen dabei – ein Beweis dafür, dass das alte Vorurteil, die Deutschen hätten keinen Humor und könnten keinen produzieren, nicht stimmen kann.“

Die Schaffenskraft einer großen Zahl von humoristisch begabten Zeitgenossen, lässt die Arbeit der Profis bisweilen gar fad erscheinen. Einzelne Autoren haben goldene Momente, und ihre besten Einfälle finden wie in einem Schneeballsystem Verbreitung. Blieben in den Zeiten vor dem Internet die intelligenteren satirischen Bemerkungen den Mitgliedern eines Stammtischs vorbehalten, stehen sie heute binnen Sekunden dank internetfähiger Mobiltelefone einem 1000-fachen Publikum zur Verfügung. Und statt per E-Mail-Verteiler die besten Freunde von einem lustigen Fund zu unterrichten, reicht heute ein Verweis auf dem persönlichen Profil von Facebook, um einen Cartoon oder einen Film an die Bekannten weiterzuverteilen.

Zunehmend werden massenmediale Ereignisse wie das Interview von Bundespräsident Wulff mit den Journalisten Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf parallel aufgespießt und verhohnepipelt. Dank neuer, internetfähiger Fernseher wird diese Art fernzusehen, künftig noch mehr Zuschauern möglich sein.

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