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Digitaler Zeitgeist Satire und Humor im Internet

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Profis tun sich schwer mit dem Humor im Netz

Humor und Internet? Für Martin Sonneborn kein Problem - „Wir nutzen alle Kanäle für unsere Arbeit“. Quelle: dpa/dpaweb

Ausgerechnet die Satireprofis vom Kabarett, die sich vor Jahren noch zu guten Sendezeiten mit ihren spitzen Beobachtungen in die Wohnzimmer der Fernsehzuschauer spielen konnten, fremdeln mit dem neuen Medium. Christian Schulz, der Manager von Urban Priol, der im ZDF zehn Mal im Jahr mit „Neues aus der Anstalt“ auf den Sender geht, verweigert Anfragen zu Gesprächen über Kabarett im Netz: „Urban Priol lehnt Facebook und Twitter ab.“

Der ebenfalls von Schulz’ Agentur betreute Dieter Nuhr hingegen schreibt seit zwei Jahren fleißig – sogar aus dem Urlaub in Neuseeland – Pointen im Kurznachrichtendienst Twitter. Dort sind mehr als 160 000 Konten verzeichnet, die seinen Witzen mit nicht mehr als 140 Zeichen folgen; auf der Plattform Facebook haben mehr als 100 000 Menschen den „Gefällt mir!“-Knopf gedrückt.

Für Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, ist besonders Facebook ein Spielplatz für Satire. „Wir nutzen alle Kanäle für unsere Arbeit“, sagt Sonneborn, der auch Vorsitzender der Satire-Partei „Die Partei“ ist und mit dem stoischen Wiederholen von Politphrasen in Talkshows die Menschen zum Lachen und zum Nachdenken bringt, der hehren Aufgabe guter Satire.

Das Internet hält auch die Profi-Satiriker beim Magazin „Titanic“ auf Trab: „Es ist nicht immer leicht angesichts der Geschwindigkeit, mit der die Themen wechseln, ein aktuelles Titelblatt zu machen.“ Da hat es das Online-Satiremagazin „Der Postillon“ mit seinen im Stile einer Tageszeitung verballhornten Nachrichten leichter, und auch die „Titanic“ selber sendet unermüdlich Fotocollagen oder „Fast richtige Schlagzeilen“.

Das klassische Kabarett tut sich schwer, etwa die Münchener Lach- und Schießgesellschaft, die die verschiedenen Kanäle vor allem für Hinweise auf das eigene Programm nutzt und auf ihrer Homepage immerhin kurze Filme zeigt. Sonneborn wäre ein Aussterben des politischen Kabaretts egal: „Ich begrüße alles, was zum Tod des Kabaretts beiträgt. Es ist doch eigentlich schon seit mindestens 20 Jahren tot.“ Der Kabarettist Matthias Richling indes lebt noch ganz gut davon, auf Tournee in Theatern oder in seiner Sendung „Studio Richling“ beim SWR. Auch er ist zurückhaltend im Umgang mit dem Internet.

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