Digitales Desaster Wenn der Weg ins Netz nur ein Trampelpfad ist

Seite 2/2

Unternehmen haben andere Anforderungen als Haushalte

Aber noch schlummert sie bloß. Denn fast vier Jahre nach dem Entwurf der „Digitalen Agenda“ sieht die Realität anders aus. Derzeit haben erst etwa 75 Prozent aller Haushalte, so die jüngsten Erhebungen, einen Zugang zu einem 50-Megabit-Anschluss – und damit zu wenig, um in den verbleibenden anderthalb Jahren die 100-Prozent-Marke zu knacken. Vor allem in den ländlichen Regionen müssen die meisten Haushalte noch länger auf einen 50-Megabit-Anschluss warten.

Ganz zu schweigen von den Unternehmern, denen für ihre Digitalisierungspläne Tempo 50 Megabit pro Sekunde ins Netz vorne und hinten nicht ausreicht. Ein Gigabit, das Zwanzigfache, an Netzgeschwindigkeit ist für viele Firmen das Minimum, um ihr Geschäft zu digitalisieren, die Chancen vom Wirtschaften im und übers Netz zu nutzen.

Für die Mitglieder seiner Vereinigung entwickele sich die Kriechspur ins Netz zunehmend zu einem Wachstumsrisiko beklagt beispielsweise Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI): „Die Unternehmen brauchen bis 2025 flächendeckende bedarfsgerechte Gigabit-Infrastrukturen“, fordert Kempf. Er hätte sich gewünscht, wenn sich die Bundesregierung beim Breitbandziel mehr auf den Anschluss von Gewerbebetrieben bzw. Gewerbegebieten konzentriert hätte. „Aber Gewerbegebiete gehen halt nicht zur Wahl.“

Denn wo die Wirtschaft prosperieren und damit Arbeitsplätze sichern oder gar schaffen soll, ist ein mit Dobrindts Fördergeldern aufgebohrter Anschluss übers Kupferkabel nicht mal entfernt als Internet-Notlösung zu akzeptieren. Doch die erforderlichen, zukunftsträchtigen Glasfaseranschlüsse sind absolute Mangelware. Und zwar bundesweit, nicht bloß in der sächsischen Netzdiaspora: In mehr als 23.000 Gewerbegebieten der Republik gibt es keine Glasfaser-Anschlüsse, musste die Bundesregierung Ende 2016 auf Nachfrage der Grünen eingestehen. Wie prekär das ist, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es bundesweit überhaupt nur gut 11.000 Städte und Gemeinden gibt.

Elf Anzeichen, dass Sie gehackt wurden
Software installiert sich selbstständigUngewollte und unerwartete Installationsprozesse, die aus dem Nichts starten, sind ein starkes Anzeichen dafür, dass das System gehackt wurde. In den frühen Tagen der Malware waren die meisten Programme einfache Computerviren, die die
Was zu tun istEs gibt eine Menge kostenlose Programme, die alle installierten Applikationen auflisten und sie verwalten. Ein Windows-Beispiel ist Autoruns, das zudem aufzeigt, welche Software beim Systemstart mit geladen wird. Das ist gerade in Bezug auf Schadprogramme äußerst aussagekräftig - aber auch kompliziert, weil nicht jeder Anwender weiß, welche der Programme notwendig und sinnvoll und welche überflüssig und schädlich sind. Hier hilft eine Suche im Web weiter - oder die Deaktivierung von Software, die sich nicht zuordnen lässt. Wird das Programm doch benötigt, wird Ihnen das System das schon mitteilen… Quelle: AP
Die Maus arbeitet, ohne dass Sie sie benutzenSpringt der Mauszeiger wie wild über den Bildschirm und trifft dabei Auswahlen oder vollführt andere Aktionen, für deren Ausführung im Normalfall geklickt werden müsste, ist der Computer definitiv gehackt worden. Mauszeiger bewegen sich durchaus schon einmal von selbst, wenn es Hardware-Probleme gibt. Klick-Aktionen jedoch sind nur mit menschlichem Handeln zu erklären. Stellen Sie sich das so vor: Der Hacker bricht in einen Computer ein und verhält sich erst einmal ruhig. Nachts dann, wenn der Besitzer mutmaßlich schläft (der Rechner aber noch eingeschaltet ist), wird er aktiv und beginnt, das System auszuspionieren - dabei nutzt er dann auch den Mauszeiger. Quelle: dpa
Was zu tun ist: Wenn Ihr Rechner des Nachts von selbst
Online-Passwörter ändern sich plötzlichWenn eines oder mehrere Ihrer Online-Passwörter sich von einem auf den anderen Moment ändern, ist entweder das gesamte System oder zumindest der betroffene Online-Dienst kompromittiert. Für gewöhnlich hat der Anwender zuvor auf eine authentisch anmutende Phishing-Mail geantwortet, die ihn um die Erneuerung seines Passworts für einen bestimmten Online-Dienst gebeten hat. Dem nachgekommen, wundert sich der Nutzer wenig überraschend, dass sein Passwort nochmals geändert wurde und später, dass in seinem Namen Einkäufe getätigt, beleidigenden Postings abgesetzt, Profile gelöscht oder Verträge abgeschlossen werden. Quelle: dpa
Was zu tun ist: Sobald die Gefahr besteht, dass mit Ihren Daten handfest Schindluder getrieben wird, informieren Sie unverzüglich alle Kontakte über den kompromittierten Account. Danach kontaktieren Sie den betroffenen Online-Dienst und melden die Kompromittierung. Die meisten Services kennen derartige Vorfälle zu Genüge und helfen Ihnen mit einem neuen Passwort, das Konto schnell wieder unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Einige Dienste haben diesen Vorgang bereits automatisiert. Wenige bieten sogar einen klickbaren Button
Gefälschte Antivirus-MeldungenFake-Warnmeldungen des Virenscanners gehören zu den sichersten Anzeichen dafür, dass das System kompromittiert wurde. Vielen Anwendern ist nicht bewusst, dass in dem Moment, wo eine derartige Meldung aufkommt, das Unheil bereits geschehen ist. Ein Klick auf

Die Lage ist so schlimm, dass sogar CDU- und SPD-Bundestagsabgeordnete dem Minister ein schlechtes Zeugnis ausstellen. „Herr Dobrindt ist mit dem Förderprogramm zum Breitbandausbau Ende 2015 erst sehr spät aus den Startlöchern gekommen“, kritisiert Sören Bartol, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Und Carsten Linnemann, Mittelstandsbeauftragter der CDU, beklagt, dass die Bundesregierung auf das „rückständige Vectoring“ setze, statt „moderne Glasfasertechnologie“ zu fördern.

Und das ist beileibe nicht die einzige digitale Baustelle im politischen Berlin. Denn genauso zäh, wie die Vorgaben zur Vernetzung der Wirtschaft, kommt dort die Abstimmung eines Rechtsrahmens voran, der sicherstellen soll, dass weder die digitalisierten Unternehmen, noch die von ihnen betriebenen Infrastrukturen Opfer von Cyberattacken werden.

Angriffsziele von aufsehenerregenden Cyberangriffen

So existiert zwar seit zwei Jahren ein IT-Sicherheitsgesetz, das Energie- und Wasserversorgern, Lebensmittelkonzernen oder Telekommunikationsanbietern, die allesamt als Betreiber „kritischer Infrastrukturen“ eingestuft wurden, detaillierte Vorgaben macht zum Umgang mit IT-Angriffen. Doch die Ausweitung auf weitere Branchen stockte über Monate aufgrund von Kompetenzgerangel und konkurrierenden Interessenlagen. Bundesverkehrs- und Bundesinnenministerium konnten sich nicht einigen, ob die Logistikbranche eine „kritische Infrastruktur“ ist. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) drängte darauf, Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bremste.

Dabei wäre auch hier zügiges Handeln höchst überfällig, wie der dramatische Cyberangriff bisher noch unbekannter Hacker mit dem Erpressungstrojaner WannaCry Ende vergangener Woche überdeutlich machte. Die Schadsoftware verschlüsselte hunderttausende Rechner weltweit und zigtausende auch in Deutschland. Der Ausfall von unzähligen Anzeigetafeln der Deutschen Bahn war nur das augenfälligste Beispiel für die Lücken in der Cyberabwehr deutscher Unternehmen.

Wie sehr diese gefährliche Gemengelage aus einem gerade in Deutschland gleichermaßen lahmen wie löchrigen Internet den Hightech-Standort Deutschland gefährdet, lesen Sie in der aktuellen Titelgeschichte der WirtschaftsWoche. Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die Ausgabe 21 bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%