Digitalisierung Der große Spagat des Breitband-Ausbaus

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Bleibt der Sprung ins Digitalzeitalter schon im Ansatz stecken?

Zumal der Staatskonzern ohnehin alles andere als ein Vorkämpfer für die flächendeckende Verbreitung von Internet über Lichtleiter ist, sondern lieber die eigenen Kupferkabel maximal ausreizen will. Ende vergangenen Jahres, kurz vor der Verabschiedung des Eckpunktepapiers zur Gigabitstrategie, das Dobrindt mit den in der Netzallianz zusammengeschlossenen Vorstandschefs und Geschäftsführern ausgearbeitet hatte, setzte Telekom-Chef Tim Höttges in letzter Sekunde noch eine kleine, aber wichtige Änderung der Gigabit-Ziele durch: „Wir wollen weitgehend flächendeckend Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen gigabitfähige Anschlüsse bereitstellen“, stand noch kurz vor dem Gipfeltreffen der Netzallianz in der Beschlussvorlage.

In der verabschiedeten Fassung dagegen fehlt dieses Bekenntnis: „Wir wollen eine gigabitfähige konvergente Infrastruktur“. Der Telekom öffnet sich dadurch die Hintertür, das Gigabit-Ziel auch durch einen Technologiemix aus traditionellen Kupferkabeln und mobilen Netzen zu erreichen.

Die Formulierung sei auch bei den Fachleuten im BDI „nicht auf Euphorie gestoßen“, heißt es aus dem Verbandsumfeld. Offiziell Stellung nehmen will dazu aber konkret niemand. Auch Kempf, traditionell ein Freund des klaren Wortes, gibt sich konziliant. „Bis 2025 müssen Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz flächendeckend bedarfsgerecht verfügbar sein. Hierfür gilt es, Investitionsanreize zu setzen und einen fairen Investitions- und Infrastrukturwettbewerb zu sichern“, umschiffte er kürzlich auf der BDI-Pressekonferenz zur Hannover Messe eine verbandspolitische Klippe.

Denn so sehr auch der Privatmann und Digitalunternehmer Kempf von der schnellstmöglichen Anbindung ans Netz profitieren könnte, als Verbandsvertreter muss er auf die durchaus divergierenden Interessen im BDI Rücksicht nehmen. Allzu vehemente Kritik an der Haltung der Deutschen Telekom beispielsweise sind da nicht opportun. Schließlich ist der nationale Netzgigant eines der tragenden Mitglieder im Bitkom – und letzterer wieder Mitglied des BDI.

Insofern richtet der Industrieverband seine Forderungen weit deutlicher in Richtung Berlin als nach Bonn und verlangt, das aktuelle Sonderförderprogramm für den Anschluss von Gewerbegebieten noch aufzustocken. Schließlich seien viele Unternehmen auch außerhalb dieser Flächen ansässig, in Bayern zum Beispiel über 60 Prozent der Unternehmen. Für diese Betriebe, die häufig im ländlichen Raum liegen, sind zusätzliche Förderprogramme nötig.

Das ist kein falscher Ansatz, aber solange mit dem Geld weiterhin, statt Glasfasern zu verlegen, nur Kupferleitungen aufgerüstet werden, bleibt der Sprung ins Digitalzeitalter für die so versorgten Unternehmen schon im Ansatz stecken.

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