Drahtlose Informationen Wenn das Handy das Bargeld ersetzt

Near Field Communication könnte die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine revolutionieren - doch bislang nutzt die Drahtlos-Technik kaum jemand. Das könnte sich bald ändern.

Quelle: Presse

Wenn Sie mit der Deutschen Bahn unterwegs sind, werden Ihnen vielleicht schon einmal die kleinen blauen Boxen aufgefallen sein, die auf den Bahnsteigen und an den Treppenaufgängen zu finden sind. Sie gehören zum Projekt "Touch&Travel", das im Jahr 2008 in den Testbetrieb ging.

Das Prinzip: Statt vor Antritt jeder Bahnreise ein Ticket zu lösen, melden sich die Nutzer bei Fahrtantritt an einem "Touchpoint" an - und bei Ende der Reise am Zielbahnhof wieder ab. Die Technologie, die dahintersteckt, nennt sich Near Field Communication (NFC). Was so unscheinbar klingt, hat durchaus das Potenzial, die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zu revolutionieren.

Drahtloser Datenaustausch

Bei NFC handelt es sich um eine drahtlose Übertragungstechnik, die den kontaktlosen Datenaustausch in einer Distanz von bis zu vier Zentimetern ermöglicht. Der Grundstein für die Technologie wurde 2002 von der Philips-Tochter NXP und Sony entwickelt.

Die typische Anwendung für NFC ist der Austausch von Informationen zwischen zwei Geräten. Aktuell wird NFC vor allem für bargeldlose Zahlung und mobile Tickets genutzt. Derzeit hat die Technologie noch Schwächen, unter anderem fehlen klare Standards sowie eine flächendeckende Integration von NFC in Mobilgeräten. Denn bisher unterstützen vornehmlich Android-Smartphones die Technologie, Apple verzichtet komplett auf den Einbau von NFC-Chips in seinen iPhones.

Mit diesen Apps können Sie mobil bezahlen
YapitalDie QR-Code-App der Otto-Gruppe gilt ab November in 3.300 Rewe-Filialien und schon jetzt beim Schuhhändler Görtz so-wie Lieferungen von Otto, Sport Scheck, H.I.S. Jeans und anderen Anbietern. Quelle: Presse
CashCloudErmöglicht kostenlosen Geldtransfer an Freunde. Ab November verschickt das Luxemburger Startup NFC-Tags zum Zahlen an allen NFC-fähigen MasterCard- und Visa-Terminals. Quelle: Presse
mpassKunden des vom Mobilfunker Telefónica betriebenen mpass-Dienstes zahlen per NFC-Handy oder mit Funkstickern in mehr als 10.000 Geschäften mit Paypass-Terminal von Mastercard, darunter Douglas und Aral-Tankstellen. Quelle: Presse
NettoIn den rund 400 Filialen der Einzelhandelskette Netto können Kunden per QR-Code-App zahlen. Das Programm zeigt dem Nutzer auch aktuelle Angebote und Coupons an. Quelle: Presse
EdekaRund 100 Edeka-Filialen in Berlin und Hamburg akzeptieren QR-Code-Zahlungen. Auch Einkaufzettel, Lieblingsrezepte und aktuelle Wochenangebote enthält die Software. Quelle: Presse
PaycashBei 20 Filialen der Kaffeekette Cafetiero, einigen Hochschul-Mensen sowie mehreren Restaurants in Düsseldorf und Luxemburg können Kunden bereits Essen und Trinken mit der QR-Code-App von Paycash bezahlen. Quelle: Presse

Die geringe Verbreitung der NFC-Technologie war eines der Hauptprobleme, mit denen die Bahn bei Touch&Travel zu kämpfen hatte, sagt Birgit Wirth von der Deutschen Bahn. Es zeigte sich, dass die Technologie sich nicht so gut verbreitete wie von der Industrie gedacht: "Deshalb haben wir zusätzlich den Check-In über GPS und Barcodes in das System integriert", sagt Wirth.

Laut Unternehmensangaben nutzen aktuell 95 Prozent der Touch&Travel-Kunden den Service über eine spezielle App und GPS-Ortung, nur 5 Prozent gehen den ursprünglich geplanten Weg über die NFC-Kontaktpunkte, Barcodes oder mit Eingabe der Touchpointnummer an den Bahnhöfen. „Die NFC-Technologie wird sich nur dann verbreiten, wenn es dafür Anwendungen gibt – gerade dies ist noch nicht ausreichend der Fall“, so Wirth.

Das erstaunt umso mehr, wenn man die Anwendungsbereiche für NFC betrachtet. Mit NFC lassen sich Türen öffnen oder Informationen wie Fahrpläne direkt vor Ort abrufen. Zudem kann der Chip als digitale Eintrittskarte oder bargeldlose Zahlungsmöglichkeit fungieren.

Letzteres machen sich viele Banken und Kreditinstitute zunutze – allerdings vor allem in Ländern, in denen Kreditkarten weiter verbreitet sind als in Deutschland. Das System heißt bei allen Geldinstituten anders, Sparkassen und Volksbanken nennen es girogo, bei MasterCard heißt es PayPass, bei Visa payWave.

Das Prinzip ist überall gleich: Der NFC-Chip erlaubt Zahlungen bis zu 25 Euro, die ohne PIN-Abfrage getätigt werden können. Im Gegensatz zur üblichen Geldkartenfunktion muss allerdings nicht mit mechanischen Kontaktproblemen gerechnet werden.

Ab dem 1. Januar 2015 müssen neu aufgestellte Kassensysteme, die MasterCard unterstützen, mit NFC ausgestattet sein. MasterCard will das kontaktlose Zahlen vorantreiben – angesichts der geringen Verbreitung und der Ermangelung an technischen Optionen wohl eher ein verzweifelter Versuch, das System beliebter zu machen. Aktuell sind laut Schätzungen nur fünf Prozent aller MasterCard-Terminals NFC-fähig.

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