E-Perso und Gesundheitskarte Warum der digitale Deutsche noch Zeit braucht

Einkaufen, Verträge ändern, Steuererklärung machen – vieles machen die Deutschen im Netz. Auch der Personalausweis kann schon digital und die Krankenkassenkarte theoretisch auch. Praktisch heißt das aber noch gar nichts.

Chipkarten Krankenkassen Quelle: dpa

Er sollte Bürger und Behörden der Bundesrepublik Deutschland ins digitale Zeitalter führen und Verwaltung und Identitätsnachweis elektronisch, flexibel – einfach digital machen. So groß wie eine Scheckkarte und aus Plastik statt Papier wurde der elektronische Personalausweis, kurz E-Perso, 2010 eingeführt – mit dem großen Versprechen, den Bürgern die Zukunft des digitalen Lebens zu bringen.

Dabei ging damals eigentlich noch gar nichts. Mittlerweile ist mehr möglich, aber wirklich Anklang hat er bislang nicht gefunden, der E-Perso. Von den meisten Bundesbürgern wird er einzig als das genutzt, was der Personalausweis nun erst einmal ist und immer schon war: als Ausweisdokument im Portemonnaie. Sie ziehen ihn hervor, wenn sie sich in der realen Welt ausweisen müssen und ansonsten schlummert er zwischen Bank-, Mitglieds- und Krankenkassenkarte.

So funktioniert der elektronische Personalausweis

Der eingebaute Chip zur digitalen Identifizierung – eID genannt – steht rund 35 Millionen Bürgern laut Bundesinnenministerium aktuell zur Verfügung. So viele Menschen haben den neuen Personalausweis nämlich schon. Wer die eID nutzen möchte, muss die Funktion beim Antrag des neuen Persos freischalten lassen, sich ein Lesegerät kaufen, das an den Computer angeschlossen wird, und eine Software auf seinem Computer installieren – die sogenannte „AusweisApp“.

Nur ein Drittel mit aktivierter eID

Die wenigsten kommen aber bis zum Softwaredownload, denn die eID ist gerade einmal bei jedem dritten Bundesbürger überhaupt aktiviert. In der Stadtgemeinde Bremen beispielsweise ist die eID-Funktion aktuell sogar nur bei 23,8 Prozent der Bürger mit E-Perso eingeschaltet, heißt es vom Senator für Inneres.

Wer von diesen Bürgern wiederum die eID dann auch tatsächlich nutzt, darüber gibt es bundesweit keine allgemeine Auskunft. "Zur Nutzung kann das Bundesinnenministerium keine Angaben machen, da Nutzungen der Online-Ausweisfunktion nicht zentral erfasst werden", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. Und die Suche nach aussagekräftigen Zahlen ist schwierig. Laut einer wenige Wochen alten GfK-Studie im Auftrag der „Welt am Sonntag“ nutzen die wenigsten die aktivierte Funktion. Unter den Befragten gaben gerade einmal fünf Prozent an, die eID in den vergangenen zwölf Monaten verwendet zu haben.

In diesen Großprojekten versickerten Milliarden
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Stichprobenartige Anfragen zeichnen ein ähnliches Bild: Beim Bürgerkonto Baden-Württembergs „mein service-bw“ etwa können sich Bürger per eID anmelden. Das Portal steht grundsätzlich den mehr als 600 Kommunen des Landes zur Verfügung, wird aber nicht von allen genutzt. Dort registrierten sich bis Ende 2014 gerade einmal rund 700 Bürger auf diesem Weg.

„Für eine breite Nutzung von eID-Funktionen fehlten bisher sowohl die Anwendungen als auch die gesetzlichen Grundlagen“, heißt es vom Innenministerium Baden-Württembergs. Die Gothaer-Versicherung hat das Angebot sogar schon wieder eingestellt – aufgrund der „fast nicht vorhandenen Nachfrage von Seiten unserer Kunden“, heißt es auf Anfrage der WirtschaftsWoche aus dem Unternehmen.

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