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E-Zigarette Studie: Gesundheitliche Risiken durch Dampf

E-Zigaretten sind so beliebt wie umstritten. US-Forscher konnten jetzt zeigen, dass der Qualm von E-Zigaretten dem Immunsystem schaden kann. Der Bundestag stimmt morgen über ein Verbot für Jugendliche ab.

Wenig Ähnlichkeit mit der normalen Zigarette: die elektronische Variante. Bei jedem Zug verdampft ein Brennelement eine Flüssigkeit im Inneren. Quelle: dpa

Die zum Teil hitzigen Diskussionen um das Für und Wider der elektrischen Zigaretten gehen weiter. In regelmäßigen Abständen kommen neue Studien raus, die teilweise unterschiedliche Ergebnisse bringen. Eine der aktuellsten Studien kommt aus den USA und wurde vor Kurzem im Journal of Molecular Medicine veröffentlicht: Forscher der Universität Kalifornien haben zusammen mit Medizinern aus San Diego die gesundheitlichen Auswirkungen des E-Zigaretten-Qualms im Labor untersucht. Das Ergebnis: Der Konsum des E-Zigaretten-Qualms kann für Atemwegszellen tödlich sein, das Immunsystem negativ sowie multiresistente Bakterien und Keime positiv beeinflussen - in Abhängigkeit von Dauer und Umfang des inhalierten Dampfs.

Die Forscher ließen unter anderem Mäuse über einen Zeitraum von vier Wochen jeden Tag lang eine Stunde den Dampf von insgesamt sieben unterschiedlichen nikotinhaltigen E-Zigaretten einatmen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöhten sich die Entzündungswerte um zehn Prozent.

"Wir wissen nicht genau, welche Krankheiten diese Veränderungen durch die Inhalation des Qualms auslösen. Unsere Ergebnisse zeigen wie andere klinische Untersuchungen, dass am Ende gesundheitliche Probleme entstehen", so Laura Crotty Alexander, eine der Studienautoren. Ähnliche Werte könnte man auch in den Atemwegen und im Blut von "normalen" Rauchern sowie in Menschen mit Krebs und Lungenerkrankungen finden.

Die wichtigsten Fakten zur E-Zigarette

Zusätzlich konnten die Forscher im Labor zeigen, dass Pathogene wie das in menschlichen Schleimhäuten vorkommende Bakterium Staphylococcus aureus vom Dampf der E-Zigaretten profitieren können. So sollen sich die Bakterien durch den Dampf-Konsum effektiver ausbreiten, resistenter gegen die körpereigene Immunabwehr und damit gefährlicher werden. Ähnliche Befunde hinsichtlich einer erhöhten Virulenz konnte das Forscherteam um Crotty bereits im April 2015 auch für den normalen Zigarettenrauch feststellen.

Der Streit um die E-Zigaretten zieht sich bereits über mehrere Jahre. Der Verband des E-Zigarettenhandels führt in einer aktuellen Pressemitteilung an, dass "die konsequente Förderung der E-Zigarette als erheblich weniger schädliche Alternative" die Anzahl der Tabaktodesfälle - immerhin 110.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums - reduzieren könne. Harmlos und gesundheitlich unbedenklich sind die Produkte aber nicht, denn die Liquids können giftige Zusätze mit entzündungsförderndem, sucht- und krebserzeugendem Potenzial enthalten, heißt es in einer Publikation des Deutschen Krebsforschungszentrum mit Sitz in Heidelberg.

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Mehr wissenschaftliche Daten müssen her. "In der Vergangenheit haben die Studien hauptsächlich darauf abgezielt, die einzelnen Substanzen im Aerosol zu untersuchen", sagt Katrin Schaller von der Stabstelle für Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums. Zellversuche wie die jüngste US-Studie, die die gesundheitlichen Auswirkungen der Inhalation erforschen, seien ein wichtiger, nächster Schritt - allerdings nicht ganz unproblematisch. "Bei Rauchern, die ohnehin schon geschädigte Atemwege habe, könnte man die Auswirkungen des E-Zigaretten-Aerosols nur schwer untersuchen. Gleichzeitig ist es ethisch bedenklich, Test mit Nichtrauchern durchzuführen." Das Forscherteam um Crotty Alexander hatten die analysierten Zellen im Labor kultiviert.

Im November hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Verkauf von elektronischen Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche untersagt. Der Bundestag wird am Donnerstag, 28. Januar, darüber abstimmen.

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