Einblick

Hacker - Piraten der Neuzeit

Der Hackerangriff auf das Telekom-Netzwerk zeigt: Der moderne Krieg ist digital. Wirtschaft und Gesellschaft müssen reagieren.

Piraten der Neuzeit haben auch die Telekom diese Woche angegriffen. Quelle: dpa

Der Zustand unserer Zivilisation zeigt sich an ihren Errungenschaften und an ihren Gefährdungen. Daran gemessen, balanciert die digital vernetzte Gesellschaft auf einem brüchigen Grat. So fantastisch die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters sind, so bedrohlich sind sie auch, wenn die Piraten der Neuzeit sie gegen uns wenden.

Was der Deutschen Telekom in dieser Woche geschehen ist, das ist modernste Piraterie mit digitalen Mitteln. Hacker haben in einer weltweiten Attacke über eine Netzwerkschnittstelle zur dezentralen Wartung derzeit geschätzte 900 000 Telekom-Router per Angriff lahmgelegt. Der kriminelle Zugriff hat die Geräte abstürzen lassen. Wäre die Übernahme der Router gelungen, die Hacker hätten ein riesiges Netzwerk zur Verfügung gehabt, über das sie digitale Kettenreaktionen unvorstellbaren Ausmaßes hätten auslösen können. Glück im Unglück? So ein Schwachsinn. Um die Sicherheit der digital vernetzten Gesellschaft ist es miserabel bestellt. Wir sollen nun glücklich sein, dass die Geräte abgestürzt sind und zufällig Hackern der dauerhafte Zugriff und die folgenreiche Manipulation verweigert wurde? Das ist ja wohl ein Witz.

Der digitale Feind ist zuweilen kräftiger und schlauer als wir selbst. Um das zu verstehen, hätte es nicht des aktuellen Angriffs im Telekom-Netzwerk bedurft. Schon 2010 hat die Internetaktivistengruppe Anonymous durch Angriffe die Websites von Finanzunternehmen lahmgelegt, die Wikileaks-Gründer Julian Assange die Konten gesperrt hatten. Betroffen waren damals die Schweizer PostFinance, Mastercard, Visa und die Bank of America. Wenn es ums Geld geht, steigt schon mal die Sensibilität. Weihnachten 2015 haben Hacker ein ganzes Kraftwerk in der Ukraine lahmgelegt, Hunderttausende Haushalte saßen für Stunden im Dunklen. Im Februar griffen Hacker ein Krankenhaus in Neuss an und blockierten das IT-System. Die Belegschaft musste die Krankenakten zwischenzeitlich mit Papier und Bleistift führen. Da geht es um Leben.

Die größten Hacker-Angriffe aller Zeiten
Telekom-Router gehackt Quelle: REUTERS
Yahoos Hackerangriff Quelle: dpa
Ashley Madison Quelle: AP
Ebay Quelle: AP
Mega-Hackerangriff auf JPMorganDie US-Großbank JPMorgan meldete im Oktober 2014, sie sei Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden. Rund 76 Millionen Haushalte und sieben Millionen Unternehmen seien betroffen, teilte das Geldhaus mit. Demnach wurden Kundendaten wie Namen, Adressen, Telefonnummern und Email-Adressen von den Servern des Kreditinstituts entwendet. Doch gebe es keine Hinweise auf einen Diebstahl von Kontonummern, Geburtsdaten, Passwörtern oder Sozialversicherungsnummern. Zudem liege im Zusammenhang mit dem Leck kein ungewöhnlicher Kundenbetrug vor. In Zusammenarbeit mit der Polizei gehe die Bank dem Fall nach. Ins Visier wurden laut dem Finanzinstitut nur Nutzer der Webseiten Chase.com und JPMorganOnline sowie der Anwendungen ChaseMobile und JPMorgan Mobile genommen. Entdeckt wurde die Cyberattacke Mitte August, sagte die Sprecherin von JPMorgan, Patricia Wexler. Dabei stellte sich heraus, dass die Sicherheitslücken schon seit Juni bestünden. Inzwischen seien die Zugriffswege jedoch identifiziert und geschlossen worden. Gefährdete Konten seien zudem deaktiviert und die Passwörter aller IT-Techniker geändert worden, versicherte Wexler. Ob JPMorgan weiß, wer hinter dem Hackerangriff steckt, wollte sie nicht sagen. Quelle: REUTERS
Angriff auf Apple und Facebook Quelle: dapd
 Twitter Quelle: dpa
Abhörskandal Quelle: dpa
iOS-Kundendaten geklaut Quelle: dpa
Hacker mit Staatsauftrag Quelle: dpa
Hacker Quelle: dpa
Der Sony-Hack Quelle: dpa
Mastercard und Visa Quelle: dpa
Estlands Computer außer Gefecht Quelle: dpa
ILOVEYOU-Virus Quelle: REUTERS
Der berühmteste Hacker des 20. Jahrhunderts Quelle: dpa

Es wird Zeit, dass beim Risikomanagement richtig gewichtet wird. Bislang haben IT-Unternehmen – wirtschaftlich durchaus vernünftig – auf Schadensbehebung gesetzt. Warum mehr für Sicherheit ausgeben, wenn es günstiger kommt, Unfallfolgen zu bezahlen? So langsam dämmert es manch einem, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis umgekehrt haben könnte. Selbst in der Union wird nun laut darüber nachgedacht, ob im neuen IT-Sicherheitsgesetz nicht die digitale Produkthaftung fehlt.

Zur neuen Normalität der Cyberbedrohung gehört auch, dass Staat und Behörden mit Hackern zusammenarbeiten müssen, um zu verstehen, auf welche Attacken man sich vorbereiten sollte. Auch die Bürgerinnen und Kunden sind in der Pflicht. Im Fall Telekom hätte es vermutlich gereicht, die automatische externe Wartung abzuschalten. Wie so oft galt hier: Faulheit schlägt Sicherheit. Auch in der zivilisierten Gesellschaft reicht Vertrauen alleine nicht aus. Jeder muss auch Verantwortung übernehmen.

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