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Einmal ein Schwein sein Virtual Reality macht uns empathischer

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Identität wird veränderbar

Denn die 360-Grad-Videos versetzen den Nutzer derart in die Perspektive eines anderen, dass sie messbar mitfiebern, mitleiden, mitlachen – wie in einer technologisch aufgepeppten Version des Films „Being John Malkovich“, in dem der Held in den Kopf des berühmten Schauspielers schlüpft.
Das ist aber nur der Anfang. Künftig, ist Bailenson sicher, tauchen wir per Datenbrille in täuschend echte, aber simulierte Computerwelten, in denen wir ausprobieren können, wie es ist, etwa in einem ganz anderen Körper zu stecken.

Dutzende psychologische Experimente, viele davon in Bailensons Labor, zeigten, dass solche Erlebnisse in virtuellen Welten fürs reale Leben prägen: Wer sich nur für kurze Zeit im Körper eines anderen sieht, der größer ist als er selbst, ist danach selbstbewusster. Sieht man sich als eine ältere Version im virtuellen Spiegel, steigt das Bewusstsein, Geld fürs Alter zu sparen.

Das alles steht konträr zu den Befürchtungen von Kritikern, die uns Vereinsamung und Verrohung im Cyberspace prophezeien. Dass Menschen in Computerwelten sogar rege kommunizieren, bewies schon die Parallelwelt Second Life. Bailenson lässt in der virtuellen Welt Männer ein Dasein als Frau ausprobieren oder Weiße als Schwarze. Identität, ist der Forscher überzeugt, wird veränderbar.

Bailenson erforscht mitunter noch ausgefallene Wege: So stattete er in Experimenten in einem virtuellen Klassenzimmer den Lehrer mit einer übermenschlichen Fähigkeit aus: Er konnte allen seinen Schülern im virtuellen Raum gleichzeitig in die Augen schauen. Die Testpersonen, derart persönlich angesprochen, verhielten sich disziplinierter und lernten ihren Stoff schneller und besser.

Virtual-Reality-Brillen

Sogar das Mitgefühl mit sich selbst kann Virtual Reality steigern: Wissenschaftler des University College in London ließen Depressive per Datenbrille ein virtuelles weinendes Kind trösten. Danach schlüpften sie in die Rolle des Kindes und erlebten aus ihrer Sicht den erwachsenen Avatar, den sie zuvor verkörpert hatten. Ziel des Rollenwechsels: zu lernen, sich selbst zu trösten. Einen Monat später berichteten einige Patienten, dass die Therapie sie in realen Situationen weniger selbstkritisch gemacht habe. 9 von 15 Teilnehmern fühlten sich sogar weniger depressiv.

Schwein gehabt!

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