EKG-System für die Apple Watch Zugewinn und Gefahr zugleich

Ein US-Unternehmen will ein EKG-System für die Apple Watch auf den Markt bringen. Patienten könnten dann Befunde direkt an den Arzt schicken. Die Funktion ist allerdings gefährlich, wenn Kranke sich damit selbst therapieren.

Ab 2016 soll die Apple Watch auch Elektrokardiodiagramme erstellen können. Quelle: dpa

Die Apple Watch soll ab 2016 Elektrokardiodiagramme (EKG) erstellen können. Der Medizingerätehersteller Alive Cor hat dafür ein Armband mit Elektroden entwickelt. Per Ultraschall sollen die Daten ans Mikro der Apple Watch weitergegeben werden. Alive Cor hat das EKG-System in einem Video vorgestellt.

Wenn es nach dem US-Unternehmen geht, kommt die neue Funktion bereits 2016 auf den Markt. Die US-Gesundheitsaufsicht FDA muss die neue Hardware aber noch genehmigen. Eine ähnliche Anwendung gibt es bereits auf der Apple Watch. Nutzer können schon jetzt ihre Herzfrequenz messen.

Die Fakten zur Apple-Uhr

Auf der Uhr soll eine watchOS-2-App installiert werden, die das EKG erstellt. Der Träger hat die Möglichkeit, sich den Kurvenverlauf anzusehen und an den behandelnden Arzt zu übermitteln. Per Spracheingabe kann er dokumentieren, wie er sich fühlt. Auch diese Nachricht kann gemeinsam mit dem EKG an den Arzt gesendet werden. Das EKG-System soll etwa 200 Dollar kosten – allerdings ohne Apple Watch.

Christian Perings, Chefarzt in der Lünener Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin, hält die EKG-Funktion grundsätzlich für sinnvoll. Sie kann aber keinen Arztbesuch ersetzen – die Anwendung kann ihn nur ergänzen, indem sie Befunde dokumentiert. "Wenn ein Patient sich beispielsweise in unregelmäßigen und seltenen Abständen unwohl fühlt und das mit Hilfe des Systems festhält, weil er es gerade in diesen Momenten nicht zum Arzt schafft, ist sie ein sicherer Zugewinn", sagt Perings. Trotzdem sei ein Arztbesuch unerlässlich.

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Wichtig ist bei der EKG-Funktion, dass die Patienten die App nicht als Selbstmanagement verstehen. "Wenn der Patient glaubt, sich mit der Anwendung selbst therapieren zu können, ist sie gefährlich", sagt der Kardiologe. Zum Beispiel, wenn er aufgrund der Aufzeichnung ohne Absprache mit einem Arzt die Dosis seiner Medikamente verändert.

Der Chefarzt weist zusätzlich darauf hin, dass die Funktion der neuen Anwendung beschränkt ist. "Mit einem Ein- oder Zwei-Kanal-EKG, wie sie für die Apple Watch vorgesehen ist, lässt sich nur die Regelmäßigkeit des Herzrhythmus überwachen." Ein herkömmliches EKG-Gerät, wie man es aus der Arztpraxis kennt, hat hingegen 12 Kanäle – um zum Beispiel auch die Durchblutung des Herzens zu überprüfen.

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