Ende der Roaming-Gebühren T-Mobile-Chef der USA macht vor wie's geht

Roaming-Gebühren sind ein Relikt aus längst vergessen geglaubten Zeiten, als es noch Zölle für Warentransfers innerhalb Europas gab. Das EU-Parlament will den Strafaufschlag ab Ende 2015 abschaffen. Telekom-Konzerne befürchten Umsatzausfällen in Milliarden-Höhe. Doch ein Blick in die USA zeigt, dass das Verbot auch Chancen bietet.

Smartphone-Tarife ohne Roaming-Aufschläge bei Auslandsreisen? Das gibt es schon. Bisher allerdings nur bei T-Mobile USA. Die EU will die deftigen Aufpreise auf Auslandstelefonate bis Ende 2015 abschaffen. Quelle: dpa

Gäbe es einen Volksentscheid über die Roaming-Gebühren, dann würde die Abstimmung einen klaren Sieger hervorbringen. Natürlich ist jeder, der gern im Ausland seinen Urlaub verbringt, gegen diesen hässlichen Aufschlag, der Mobiltelefonierer in längst vergessenen Zeiten zurückversetzt, als die staatliche Bundespost noch an jeder Telefonzelle das Schild anbrachte: „Fasse Dich kurz!“ Insofern ist es nur konsequent, wenn das Europäische Parlament Volksnähe demonstriert und die Roaming-Gebühren abschafft.

Ab 15. Dezember 2015, so entschied heute die Mehrheit der Abgeordneten, sind die Extra-Kosten für die Handynutzung und das mobile Internetsurfen verboten. Kurz vor den Europawahlen im Mai wäre jedes andere Abstimmungsergebnis eine echte Überraschung gewesen. Den Zorn des Wahlvolks will im Moment niemand in Brüssel provozieren. Allerdings müssen in den nächsten Monaten noch alle 28 EU-Mitgliedsländer diesem Gesetz zustimmen. Erst dann kann die EU-Vorgabe tatsächlich in Kraft treten.

Veränderungen der Roaminggebühren 2014

Die großen europäischen Telekom-Konzerne hatten bis zuletzt all ihre Lobbyisten in Stellung gebracht, um solch ein Votum zu verhindern. Das Ende der Roaming-Gebühren bedeute einen Umsatzausfall in Milliardenhöhe, versuchte  der neue Telekom-Chef Timotheus Höttges die Politiker von diesem Projekt abzubringen. Eine auf Preissenkungen fixierte Regulierungspolitik gefährde die dringend erforderlichen Milliardeninvestitionen in superschnelle Internetanschlüsse. Doch die Initiatorin dieses Projekt, die für Digitales zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes, blieb bis zum Schluss hart. „Als die Roaming-Gebühren noch hoch waren, haben die Telekom-Konzerne auch zu wenig in neue Infrastrukturen investiert“, konterte sie auf dem TK-Gipfel des „Handelsblatt“ am 26. März im Düsseldorfer Airporthotel.

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Dabei legte Kroes die Ergebnisse einer interessanten Umfrage vor, die zeigt, wie sehr die Telekom-Konzerne ihre Kunden gängeln. Nur sechs Prozent der Befragten bekannten, dass sie bei einer Auslandsreise ihr Smartphone genauso oft nutzen wie zu Hause. Alle anderen nutzen aus Angst vor hohen Rechnungen ihr Smartphone im europäischen Ausland gar nicht oder deutlich weniger. „Sieht so ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt aus?“ fragte Kroes und lieferte die Antwort gleich mit: 28 verschiedene Märkte mit 28 verschiedenen Regeln haben dafür gesorgt, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit in der Telekommunikation und im Internet verloren habe. „Mauern passen nicht zu Europa“,  sagte Kroes und legte ein Chart mit einem Foto vom Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 auf.

Einer, der solche Mauern einreißt, ist John Legere – der T-Mobile-Chef in den USA. Er bietet inzwischen Smartphone-Tarife ohne Roaming-Aufschläge bei Auslandsreisen an – und gewinnt damit viele Neukunden. Die Frage ist nun: Wann importiert der Bonner Mutterkonzern diese Idee nach Europa? Hoffentlich vor dem 15. Dezember 2015.

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