Erstaunliches Wachstum Eigentlich müsste Xing längst weg vom Fenster sein

Nach allen Gesetzmäßigkeiten, die wir meinen, vom Internet zu kennen, müsste es mit Xing längst bergab gehen. Das Gegenteil ist der Fall.

Es gab nicht wenige, die Xing deswegen das gleiche Schicksal wie studiVZ in Aussicht stellten. Jahre später schauen die gleichen Kritiker Quartal für Quartal verblüfft auf Xings Zahlen. Quelle: dpa

Für studiVZ war es der Anfang vom Ende, als die ursprünglichen Gründer das Schiff verließen und die geplante Internationalisierung floppte. Auch Xing verhob sich mit einer geplanten Auslandsexpansion, Gründer Lars Hinrichs ist längst raus und mit ihm der Gründergeist.

Es gab nicht wenige, die Xing deswegen das gleiche Schicksal wie studiVZ in Aussicht stellten. Jahre später schauen die gleichen Kritiker Quartal für Quartal verblüfft auf Xings Zahlen: Das Business-Netzwerk wächst und gedeiht und ist für die deutsche Wirtschaft mittlerweile essentiell. Obwohl oder gerade weil die Betriebswirte dort das Ruder übernommen haben.

17 Tipps für ein gelungenes Xing-Profil
1. Profil vollständig ausfüllenKlingt vermeintlich banal, wird aber oft vernachlässigt: Füllen Sie Ihr Profil so detailliert wie möglich aus – und aktualisieren Sie es regelmäßig, sobald sich an Ihrer Position oder Funktion etwas ändert. Quelle: Fotolia
2. Passendes Foto wählenSoll heißen: Keine unscharfe Aufnahme aus dem vergangenen Sommerurlaub, kein verschwommenes Bild vom letzten Thekenaufenthalt. Ob in Farbe oder Schwarzweiß, ist nicht entscheidend. Das Profilbild sollte vor allem seriös wirken und authentisch – und zu Ihrer Branche passen. Also: Banker und Unternehmensberater in Anzug und Krawatte, Grafiker und Designer gerne in legerer Kluft. Quelle: Fotolia
3. „Über mich“ beachtenAuch diese Funktion wird oft vernachlässigt. Xing bietet die Chance, das Profil persönlich und individuell zu gestalten. Also: Was genau macht Sie einzigartig? Hier können Sie die Essenz Ihrer Persönlichkeit in wenigen Sätzen schildern. Tipp: Schon mit rudimentären HTML-Kenntnissen können Sie dort Bilder, Grafiken oder Links einfügen. So können Sie sich von der Masse abheben – und zeigen gleichzeitig Kreativität und Individualität. Quelle: Fotolia
4. Dokumente hochladenSeit einigen Monaten können Mitglieder auf ihr Profil Referenzen und Auszeichnungen hochladen – also beispielsweise Arbeitsproben oder Zeugnisse. Quelle: Fotolia
5. Weitere Profile verlinkenSie sind bei Twitter? Oder bei Google Plus? Dann teilen Sie das Ihren Kontakten mit – indem Sie Ihre Profile bei Xing verknüpfen. Quelle: Fotolia
6. Premium-Account erwägenDie Grundfunktionen bei Xing sind kostenlos. Doch wer das Netzwerk zur ernsthaften Kontaktpflege oder Jobsuche nutzen will, kommt nicht um eine Premium-Mitgliedschaft umhin. Für 5,95 Euro monatlich bietet Xing erweiterte Funktionen: Dann kann man erstens sehen, wer das eigene Profil besucht hat, zweitens gezielt nach Kontakten suchen, drittens Nachrichten mit Anhängen bis 100 Megabyte verschicken. Für Jobsucher am wichtigsten ist der vierte Vorteil: Premium-Mitglieder können allen Mitgliedern direkte Nachrichten schreiben, nicht nur ihren direkten Kontakten. Quelle: Fotolia
7. Gruppen nutzen…Die Xing-Mitglieder tauschen sich nicht nur individuell aus, sondern auch in den etwa 50.000 Fachgruppen. Die Gruppe Bewerbung & Recruiting ist mit knapp 55.000 Mitgliedern eine der größten. Quelle: Fotolia

Wer mich kennt, weiß, dass ich wenig davon halte, wenn "Anzugträger" das Web erobern. Menschen, die eine gute Idee plötzlich in Zahlen und Marketing-Begriffen wie Product Lifecycle Costing sehen und Startups auf Rendite trimmen, die einst mit einer pfiffigen Idee daher kamen, um das Leben der Webnutzer etwas schöner zu machen.

studiVZ war seit jeher umstritten, aber bergab ging es mit dem deutschen Social Network eindeutig, als das Gründungsteam das Schiff verließ und neue Investoren übernahmen, die damit das schnelle Geld machen wollten und das Projekt nicht wesentlich weiter entwickelten. Es kam, wie es kommen musste: Facebook überholte von rechts, die Nutzer flüchteten in Scharen. studiVZ ist heute klinisch tot, auch wenn sich die derzeitigen Betreiber noch weigern, die Seite final abzuschalten.

Karrierestart im Internet: Immer mehr Menschen nutzen Xing

Xing bleibt das studiVZ-Schicksal erspart

Xing kennt derartige Probleme nicht. In den jüngsten Quartalsergebnissen legten die Hamburger stets zu, sowohl bei Umsatz als auch bei Gewinn und den Nutzerzahlen. Im gerade abgelaufenen 2. Quartal stieg der Umsatz im deutschsprachigen Raum im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15 Prozent auf 20,9 Millionen Euro, der Nettogewinn um 30 Prozent auf 2,7 Millionen Euro. Auch studiVZ machte noch Gewinn, als die Nutzer längst mit der Abwanderung begannen. Nicht so aber Xing: Die Zahl der Mitglieder im deutschsprachigen Raum wuchs im Vergleich zum 1. Quartal um 211.000 auf 6,5 Millionen. Weltweit sind es jetzt 13,5 Millionen nach 13,2 Millionen beim vorherigen Ergebnis. Xing wächst nur leicht, aber es wächst. Der Erfolg des international aufgestellten Konkurrenten LinkedIn hat den Hamburgern nichts anhaben können. In Xings wenigen Märkten bestehen beide Unternehmen in einer Art friedlichen Co-Existenz.

Mir persönlich ist Xing in den vergangenen Jahren zunehmend fremd geworden. Ich war früh dabei, als das Netzwerk noch OpenBC hieß und ich mich mit Kollegen und Freunden von früher vernetzen konnte. Ich ging zweimal aus Interesse zu einem Xing-Stammtisch in meiner Region, traf dort bis auf einige Ausnahmen wieder viele Menschen - in Anzügen oder nicht - die auf einer ganz anderen Wellenlänge funkten. Meine Welt war es nicht.

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