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eSIM-Karte Wie die neue Technik den Mobilfunkmarkt aufmischen wird

2016 soll die eSIM-Karte auf den Markt kommen: Das ermöglicht einen Mobilfunkanbieter-Wechsel ohne lästigen Kartentausch. Warum die Technik Potenzial in anderen Geräten hat und den Preiskampf verschärft. Ein Überblick.

SIM-Karte Quelle: dpa

Warum eine neue SIM-Karten-Technik?

Heute erhält jeder Mobilfunkkunde von seinem Anbieter eine SIM-Karte, die er in das Mobiltelefon stecken muss. Abhängig vom Gerät variieren die Größen der SIM-Karten. Es gibt Mini-, Micro- und Nano-Karten. Wenn Verbraucher den Anbieter wechseln, müssen sie bislang die SIM-Karte austauschen. In der Regel erhalten Verbraucher die SIM-Karte und die zugehörige PIN mit getrennter Post. "Auch ein Tarifwechsel von der Mutter- zur Tochtergesellschaft, beispielsweise von der Deutschen Telekom zu Congstar oder von Vodafone zu Otelo ist mit einem Karten-Tausch verbunden", sagt Hayo Lücke, stellvertretender Chefredakteur der Mobil-Website inside-handy.de. Wechseln Kunden anbieterintern, können sie ihre Karte schon jetzt behalten.

Die Deutsche Telekom hat in ihrem Blog bekannt gegeben, dass 2016 die eSIM-Karte in Deutschland auf den Markt kommt. Wie funktioniert sie?

Bei der e-SIM-Karte handelt es sich um eine SIM-Karte, die in den zukünftigen Smartphone-Modellen fest verbaut sein wird. Das e steht für "embedded", was auf Deutsch "eingeschlossen" heißt. "Dadurch wird es bei einem Providerwechsel nicht mehr notwendig sein, die bisher bekannte physische SIM-Karte auszutauschen", sagt Lücke. Stattdessen programmiert der neue Anbieter die SIM-Karte um und schaltet sie dadurch automatisch für den neuen Tarif frei.

Welche Netzbetreiber werden die eSIM-Karte anbieten?

Die eSIM-Karte werden zukünftig alle großen Netzbetreiber – Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone – anbieten, meint Bernd Theiss, Leiter des Testlabors des Telekommunikationsmagazins Connect. Aber auch für kleinere Anbieter ohne eigenes Netz dürfte es kein Problem werden, ihre Tarife auf eSIM-Karten freizuschalten. Netzbetreiber, Geräte- und SIM-Karten-Hersteller arbeiten derzeit an einem gemeinsamen Standard innerhalb der GSMA, einer weltweiten Vereinigung von Mobilfunkanbietern.

Und wie sieht es mit den Geräteherstellern aus?

Langfristig wird kein Smartphone-Hersteller an den eSIM-Karten vorbeikommen, sind sich die Experten einig. Samsung und Apple haben bereits signalisiert, dass sie die Einführung vorantreiben wollen. Gemeinsam hatten die beiden Gerätehersteller im dritten Quartal 2015 einen Anteil von 37,2 Prozent am weltweiten Smartphone-Absatz.

Die Deutschen im Internet

Haben Apple und Samsung also die Macht, die herkömmliche SIM-Karte vom Markt zu vertreiben?

Die Experten Lücke und Theiss sind überzeugt, dass die eSIM-Karte die herkömmliche langfristig ersetzen kann. "Spätestens wenn Apple und Samsung vorlegen, werden auch andere Hersteller nachziehen", meint Lücke. Allein die Tatsache, dass durch die in den Prozessor integrierte SIM-Karte mehr Platz für andere Smartphone-Bauteile bleibt, werde die Verbreitung vorantreiben.

Ab wann erhalten Verbraucher die eSIM-Karte?

Die Telekom will die eSIM schon 2016 auf den Markt bringen. „Wir sind überzeugt, dass der neue eSIM-Standard ab 2016 in den Markt kommt und sich dann ab 2017 richtig durchsetzt“, schreibt das größte europäische Telekommunikationsunternehmen in seinem Blog. In der Übergangszeit soll es Hybridlösungen geben – die Kunden haben zwar eine Plastikkarte, können aber auch ohne einen Kartentausch den Anbieter wechseln. Die Telekom und Vodafone gehen davon aus, dass die neue eSIM-Karte 2026 die herkömmliche SIM-Karte abgelöst haben wird. Experten halten das für realistisch.

Der Preiskampf unter den Anbietern wird sich verschärfen

Was sind die Vorteile der eSIM-Karte?

Die Kunden müssen nicht mehr ihre SIM-Karte tauschen, wenn sie den Anbieter wechseln. Das ist heute vor allem dann lästig, wenn die neue SIM-Karte wegen der verschiedenen Größen nicht in das neue Gerät passt. Die Mobilfunkanbieter sparen vor allem Kosten – zum Beispiel für die Verwaltung und den Versand von SIM-Karten.

Lücke ist überzeugt, dass die neue Technik auch in anderen Geräten Verwendung finden wird – in Smartwatches, Fitness-Trackern oder in vernetzter Kleidung, die in Gefahrensituationen dann automatisch einen Notruf absetzt. "Abzuwarten bleibt, ob es mit der eSIM auch möglich sein wird, eine Dual-SIM-Funktion zu nutzen", sagt Lücke. In diesem Fall laufen über eine SIM-Karte gleich mehrere Verträge. Interessant wäre das vor allem für Geschäftsreisende, die viel im Ausland sind. Sie könnten dann einen Prepaid-Tarif zu ihrem bestehenden Vertrag dazu buchen – vor allem außerhalb der EU würden sie dann günstiger telefonieren und im Internet surfen als das sonst über die Roaming-Verbindungen möglich ist.

Wo das Internet am schnellsten ist
Platz 10: FinnlandInternetnutzer in Finnland surfen mit durchschnittlich 7,1 Megabits pro Sekunde. Damit landet Finnland auf Platz 10 der Rangliste des IT-Unternehmens Akamai, das sich darauf spezialisiert hat, Web-Inhalte zu beschleunigen. Zum Vergleich in Deutschland sind Surfer im Schnitt mit sechs Megabits pro Sekunde unterwegs. Quelle: dapd
Platz 9: SchwedenIm Nachbarland Schweden surfen die Internetnutzer laut Akamai ein wenig schneller als ihre finnischen Nachbarn. Mit 7,3 Megabits in der Sekunde belegt Schweden den neunten Platz. Quelle: dpa
Platz 8: USADie Heimat von Microsoft, Apple und Google ist zwar in den Top 10 der Länder mit der schnellsten Internetverbindung vertreten – allerdings mit dem achten Platz relativ weit hinten. 7,4 Megabits pro Sekunde beträgt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit im Internet. Quelle: dpa
Platz 7: TschechienTschechien ist auf dem siebten Platz vertreten. Mit  0,7 Megabits in der Sekunde hat unser Nachbarland die Internet-Macht USA deutlich überholt – und bietet seinen Nutzern damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,1 Megabits pro Sekunde. Quelle: dpa
Platz 6: NiederlandeUnsere niederländischen Nachbarn haben es beim Internetsurfen noch etwas komfortabler: 8,6 Megabits pro Sekunde beträgt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit. Quelle: dpa
Platz 5: SchweizDen Schweizern wird ja gerne unterstellt, dass sie es eher gemütlich angehen lassen. Doch im Internet sind unsere Nachbarn schnell unterwegs. Mit durchschnittlich 8,7 Megabits pro Sekunde landet das Alpenland auf Platz 5 der Akamai-Rangliste. Quelle: dpa
Platz 4: LettlandEine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,9 Megabits in der Sekunde bietet Lettland seinen Internetsurfern. Damit belegt das baltische Land den vierten Platz. Quelle: dpa

Durch die eSIM-Karte können Kunden schneller den Mobilfunkanbieter wechseln. Fallen dadurch die Tarifpreise so richtig?

Die Telekommunikationsunternehmen müssen sich ab 2016 noch mehr ins Zeug legen, um Kunden zu binden. Dadurch, dass sie zukünftig womöglich schneller abwandern, werden sich die Unternehmen noch stärker gezwungen sehen, ihren Kunden lukrative Angebote zu machen. "Die Tarife werden sicherlich etwas günstiger werden", schätzt Theiss von Connect. Allerdings befinden sich die Telekommunikationsunternehmen im Preiskampf schon jetzt an der finanziellen Schmerzgrenze, sodass der Experte nur mit minimalen Vergünstigungen rechnet.

Wie viele Informationen geben Verbraucher über die eSIM-Karte über sich preis?

Bislang können Verbraucher über eine Prepaid-SIM-Karte anonym telefonieren. Das wäre durch die Einführung einer eSIM-Karte vorbei. "Jede eSIM soll ein Profil des Nutzers tragen, um zum Beispiel auch kleinere Rechnungen direkt über den Mobilfunkvertrag begleichen zu können", sagt Lücke.

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Auch Apple bietet eine eigene SIM-Karte an. Ist sie mit der eSIM-Karte vergleichbar?

Die beiden Karten haben kaum etwas gemeinsam. Bei der Apple-SIM-Karte handelt es sich um eine klassische SIM-Karte – sie funktioniert allerdings nur im iPad Air 2 und iPad mini 4. Verbraucher erhalten die SIM-Karte im Apple Store. Sie wird über den klassischen SIM-Karten-Slot in das Tablet geschoben. In mehr als 90 Ländern ist es möglich, mit der SIM-Karte einen mobilen Datentarif zu nutzen. "Der ist aber oft alles andere als preiswert", sagt Lücke.

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