Essay Die Technik kostet uns ein Stückchen Freiheit

Noch nie waren wir persönlich so sehr an die Technologie gekettet wie heute. Was das mit jedem einzelnen und der Gesellschaft macht.

Zehn Tipps zum besseren Googeln
Die Verwendung von Anführungszeichen: Durch das Einklammern der Suchbegriffe mit Anführungszeichen sucht Google ausschließlich nach den Begriffen, exakt so wie sie in der Klammer stehen. Suchen Sie beispielsweise nach "Hans Sinn" werden Seiten, die sich auf den Ökonom Hans Werner Sinn beziehen, nicht berücksichtigt. Quelle: dapd
Begriffe ausschließen oder einfügen: Durch die Verwendung des Plus- oder Minuszeichens können Sie die Suchanfrage eingrenzen, indem Sie Google zum Einschließen oder Auslassen bestimmter Begriffe zwingen. Sie können auch mehrere Begriffe gleichzeitig bei der Suche ausgrenzen oder einfügen. Die Suche nach Berlin -Hotels zeigt beispielsweise ausschließlich Suchanfrage zur Hauptstadt, die sich nicht auf Hotels beziehen. Quelle: dpa
Die Verwendung von Sternchen: Wenn Sie nach einem bestimmten Zitat suchen, dieses jedoch nicht komplett kennen, können Sie die Sternchen ihrer Tastatur als Platzhalter für den nicht bekannten Teil des Textes verwenden. Angenommen Sie suchen nach dem Gedicht "Die Glocke" von Friedrich Schiller und kennen lediglich eine Zeile. Schreiben Sie: Fest gemauert in der Erden*, geben Sie Google zu erkennen, dass der Text hinter dem Sternchen weitergeht. Ein Sternchen vor dem Text steht dementsprechend für einen fehlenden Bereich vor dem Anfang der bekannten Passage. Quelle: REUTERS
Die Suche nach Dateiformaten: Suchen Sie bei Google nach Informationen in bestimmen Dateiformaten, schreiben Sie in das Suchfenster lediglich filetype: und das entsprechende Format und schon schlägt Ihnen die Suchmaschine lediglich Ergebnisse in dieser Form vor. Geben Sie beispielsweise: Daimler Jahresbericht filetype:pdf ein, erhalten sie den Jahresbericht des Automobilkonzerns im pdf-Format. Quelle: REUTERS
Den Browser aufräumen: Google verdient Geld, durch den Verkauf von Anzeigen, die auch im Suchfenster auftauchen. Damit ihre Suchanfrage aufgrund des Besuchs anderer Websites nicht verfälscht wird, sollten Sie ihren Browser aufräumen und die Cookies löschen. Diese kleinen Dienstprogramme merken sich, auf welchen Seiten Sie unterwegs waren und geben das an die Suchmaschine weiter. Die Suchmaschine ordnet dann Ergebnisse, die ihren Interessen entsprechen weiter nach oben. In den meisten Browsern löschen Sie ihre Cookies durch einen einfachen Klick in den Browsereinstellungen. Quelle: dpa
Die Suche nach Tabellen: Mittels Googles neuer Funktion Tables können Sie einfach nach Tabellen und Statistiken suchen. Wollen Sie beispielsweise den weltweiten Wirtschaftswachstum wissen, geben Sie bei Tables lediglich Worldwide Growth ein, und schon erhalten Sie zahlreiche Tabellen zum weltweiten Wachstum. Quelle: dpa
Die erweiterte Suche: Über Googles erweitere Suche können Sie ihre Anfrage nach zahlreichen Parametern definieren. So können Sie angeben, dass die Ergebnisse nur von bestimmten Seiten stammen dürfen, wo der Suchbegriff auf der Website erscheinen darf oder aus welchen Land die Ergebnisse kommen dürfen. Quelle: dapd
Google Alerts: Möchten Sie über bestimmte Themen immer informiert sein, kann Ihnen Google Alerts dabei behilflich sein. Nachdem Sie ihre Emailadresse und das Thema, über das Sie auf dem Laufenden gehalten werden möchten, eingegeben haben, informiert Sie Google per Mail, sobald es neue Informationen zu dem Thema registriert hat. Quelle: dpa
Google Scholar: Der Dienst ist besonders für Wissenschaftler und Studenten interessant. Mithilfe der Scholar-Suche durchforsten Sie das Web nach wissenschaftlichen Aufsätzen und Beiträgen. Dabei sucht der Dienst auch in den Datenbanken von Universitäten, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Publikationen. Quelle: dpa/dpaweb
Google Flights: Mit der neuen Funktion ist es möglich, weltweit Flüge anzuzeigen und per Link an externe Reisebüros direkt zu buchen. Bisher funktioniert das System allerdings noch nicht in Deutschland, das soll sich jedoch bald ändern, so Google. Jetzt schon kann nach Flügen für Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Nordamerika gesucht werden. Quelle: dapd

Eine einzige Frage reichte, um den konservativen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney im amerikanischen Wahlkampf 2012 als Lachnummer abzustempeln. „Warum kann man im Passagierflugzeug eigentlich kein Fenster öffnen, um schnell mal frischen Sauerstoff in die Kabine zu lassen?“, sagte der Obama-Herausforderer zu Reportern der „Los Angeles Times“. Kurz zuvor war ein Privatjet mit seiner Frau Ann wegen Rauchentwicklung in der Kabine in Denver notgelandet. Dass die Bullaugen in Verkehrsflugzeugen nicht zu öffnen seien, empfand der Technikkritiker aus Massachusetts anscheinend als eine krasse Art von Freiheitsberaubung.

Obwohl Romney seine Frage als Scherz gemeint hatte, ergoss sich Stunden später der Spott der Nation in Kommentaren, Blogs und Tweets über den konservativen Politiker. Hahaha..., in der Stratosphäre ein Fenster aufmachen! Ganz Amerika kicherte über „Mister Oxygen“, den Mann, der Boeing-Jets angeblich mit Fensterkurbeln nachrüsten wollte.

Dabei war Romneys Fragestellung längst nicht so dämlich, wie sie sich zunächst liest. Im Grunde war der Politiker (wohl eher versehentlich) auf ein fundamentales Dilemma der Technikphilosophie gestoßen: Innovation gibt es nicht umsonst. Der erste Lehrsatz der Technikfolgenabschätzung nämlich lautet, dass jede neue technische Errungenschaft neben Fortschritten zwangsläufig auch Einschränkungen mit sich bringt.

Die Währung, in der die Anwender den Preis für technologische Verbesserungen am häufigsten bezahlen, heißt Freiheit: Für jede zusätzliche Annehmlichkeit, die uns die Technik beschert, wird ein Stückchen individuelle oder gesellschaftliche Freiheit fällig. Überspitzt ausgedrückt: Technischer Fortschritt und individuelle Unabhängigkeit verhalten sich umgekehrt proportional. Wer mehr von Ersterem will, muss ein Stück von Letzterer opfern.

Wie Big Data Ihr Leben verändert
Dicht an dicht: Wenn die Autos auf der Straße stehen, lässt sich das mit moderner Technologie leicht nachvollziehen. Zum einen gibt es Sensoren am Straßenrand, zum anderen liefern die Autos und die Smartphones der Insassen inzwischen Informationen über den Verkehrsfluss. Diese Daten lassen sich in Echtzeit auswerten und mit Erfahrungswerten abgleichen – so wird klar, wo gerade ungewöhnlich viel los ist und beispielsweise eine Umleitung Sinn ergeben würde. Ein Pilotprojekt dazu lief in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Eines ist aber klar: Alle Big-Data-Technologien helfen nichts, wenn zu viele Autos auf zu kleinen Straßen unterwegs sind. Quelle: dpa
Fundgrube für Forscher: Google Books ist nicht nur eine riesige digitale Bibliothek. Die abertausenden eingescannten Texte lassen sich auch bestens analysieren. So kann nachvollzogen werden, welche Namen und Begriffe in welchen Epochen besonders häufig verwendet wurden – ein Einblick in die Denkweise der Menschen. Der Internet-Konzern nutzt den Fundus außerdem, um seinen Übersetzungsdienst Translate zu verbessern. Quelle: dpa Picture-Alliance
Schnupfen, Kopfschmerz, Müdigkeit: Das sind die typischen Symptome der Grippe. Aber wann erreicht die Krankheit eine Region? Bislang konnte man das erst feststellen, wenn es zu spät war. Der Internet-Riese Google hat ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich Grippewellen voraussagen lassen: Flu Trends. Bei der Entwicklung hielten die Datenspezialisten nicht nach bestimmten Suchbegriffen Ausschau, sondern nach Korrelationen. Wonach also suchten die Menschen in einer Region, in der sich das Virus ausbreitete? Sie filterten 45 Begriffe heraus, die auf eine unmittelbar anrollende Grippewelle hindeuten – ohne dass irgendein Arzt Proben sammeln müsste. Quelle: dpa Picture-Alliance
Aufwärts oder abwärts? Die Millionen von Kurznachrichten, die jeden Tag über Twitter in die Welt gezwitschert werden, können Aufschluss über die Entwicklung der Börsen geben. Denn aus den 140 Zeichen kurzen Texten lassen sich Stimmungen ablesen – das hat ein Experiment des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) gezeigt. Je intensiver die Emotionen, desto stärker die Ausschläge. Marktreife Investitionsmodelle, die auf Tweets setzen, gibt es indes noch nicht. Quelle: dpa
Lotterie am Himmel: Die Preise von Flugtickets lassen sich für Laien kaum nachvollziehen. Auch eine frühe Buchung garantiert kein günstiges Ticket, weil die Fluggesellschaften ständig an der Schraube drehen. Das wollte sich der Informatiker Oren Etzioni nicht gefallen lassen: Er sammelte mit seiner Firma Farecast Millionen von Preisdaten, um künftige Preisbewegungen zu prognostizieren. 2008 kaufte Microsoft das Start-up, die Funktion ist jetzt in die Suchmaschine Bing integriert. Quelle: dpa Picture-Alliance
Jeder Meter kostet Zeit und Geld. Daher wollen Logistikunternehmen ihre Fahrer auf kürzestem Wege zum Kunden lotsen. Der weltgrößte Lieferdienst UPS führt dafür in einem neuen Navigationssystem Daten von Kunden, Fahrern und Transportern zusammen. „Wir nutzen Big Data, um schlauer zu fahren“, sagte der IT-Chef David Barnes der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Hintergrund läuft ein komplexes mathematisches Modell, das auch die von den Kunden gewünschten Lieferzeiten berücksichtigt. Quelle: dpa Picture-Alliance
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama 2012 zur Wiederwahl verhalfen: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Daten aus Registern und Sozialen Netzwerke zurück. So ließen sich die Bürger gezielt ansprechen. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. Unternehmen in den USA haben weniger Hemmungen. Der Anbieter Experian etwa bietet einen Dienst namens Income Insight, der das Einkommen einer Person aufgrund vorheriger Kredite schätzt. Quelle: dapd
Wenn mit einer Kreditkarte erst Babykleidung und später ein Abenteuerurlaub in Indien bezahlt werden, könnte dahinter ein Betrüger stecken, der die Daten gestohlen hat. Die Finanzdienstleister versuchen deshalb, alle Transkationen auf ungewöhnliche Anzeichen zu analysieren. Das geschieht möglichst in Echtzeit – eine Herausforderung für die IT. Visa hat 2011 ein Modell eingeführt, das 500 Aspekte bewertet. Damit werde nicht nur die Sicherheit verbessert, sondern auch das Vertrauen in die Marke gestärkt, erklärte das Unternehmen gegenüber dem „Wall Street Journal“. Quelle: dpa Picture-Alliance
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd
Die Handelskette Target weiß viel über ihre Kunden – zumindest wenn diese eine Kundenkarte haben. Das Unternehmen machte damit Schlagzeilen, dass es anhand von Einkäufen herausfinden kann, welche Kundinnen schwanger sind. Etwa weil sie im dritten Monat parfümfreie Lotionen kaufen oder später Magnesium und Zink in den Einkaufswagen legen, wie die „New York Times“ aufdeckte. Target kann den werdenden Eltern gezielt Werbung schicken und sie so womöglich auf Dauer an sich binden. Quelle: dpa Picture-Alliance
Operationssaal in einer Klink: Eine kluge Datenanalyse kann Patienten helfen. So fand Microsoft im Auftrag eines Washingtoner Krankenhauses heraus, dass Patienten mit Herzkrankheiten häufiger wieder eingeliefert werden mussten, wenn sie niedergeschlagen waren – abzulesen an Begriffen wie „Depression“ in der Patientenakte. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa

Bei jeder neuen Technologie stellt sich denn auch wieder die Frage, ob der Gewinn, den sie verspricht, ihre potenziell negativen Folgen aufzuwiegen vermag. Ob es sich lohnt, auf einer Ebene ein Stück Freiheit zu opfern, um auf einer anderen ein größeres Stück davon zu erlangen? Für das Privileg, in wenigen Stunden mit Mach 0,8 ganze Kontinente und Ozeane zu überfliegen, opfern die meisten Menschen jedenfalls gern die Freiheit, die Nase dabei in den Wind zu halten.

Wie ein roter Faden zieht sich der subtile, aber strikte Antagonismus von Technik und Freiheit durch alle Techniksparten. Nehmen wir zum Beispiel die Energietechnik. Wie stählerne Nabelschnüre durchziehen Öl- und Gaspipelines Kontinente und Meere. Sie versorgen ganze Volkswirtschaften mit den fossilen Brennstoffen, ohne die in der industrialisierten Welt nichts mehr geht. Der Preis für den technischen Komfort, an einem eisigen Wintermorgen den Regler am Thermostat mal eben um ein paar Grad höher drehen oder in der Hundehitze des Sommers die Klimaanlage einschalten zu können, ist die kollektive energetische Abhängigkeit von den produzierenden Ländern.

Abhängigkeit aber ist nur ein hübscheres Wort für Unfreiheit. Doch wer will schon zur großen Freiheit der ums Lagerfeuer kauernden Neandertaler zurückkehren?

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