Europäische Studie Deutsche Frauen haben schlechte Computerkenntnisse

Nur knapp jede zweite Frau in Deutschland (49 Prozent) verfügt über mittlere bis gute Computerkenntnisse. Im europäischen Ländervergleich kommt die Bundesrepublik damit gerade einmal auf Platz 19 von 29. Das teilt der Hightech-Verband BITKOM mit Bezug auf eine Erhebung der EU mit. Spitzenreiter bei den Frauen ist Island mit 74 Prozent.

Deutsche Frauen verzweifeln öfter vorm Computer als Frauen anderer europäischer Länder. Das belegt eine aktuelle EU-Studie. Quelle: dpa

Grundlage für die Rangliste ist eine Befragung, bei der unter anderem angegeben wurde, ob die Befragten Dateien kopieren, einen Drucker anschließen oder ein Programm erstellen können.

Besonders schlecht schneiden laut Studie jüngere Frauen ab. Zwar haben mehr als drei Viertel (78 Prozent) der deutschen Frauen zwischen 16 und 24 Jahren mittlere bis gute Computerkenntnisse, allerdings reicht das im Ländervergleich nur für Rang 21 in dieser Altersklasse. In Luxemburg, das Platz eins belegt, können 96 Prozent der jungen Frauen entsprechend gut mit dem PC umgehen, knapp gefolgt von Dänemark und Österreich.

Wo das Internet den stärksten Einfluss auf die Gesellschaft hat
Platz 30Tunesien belegt mit 50,68 Prozent den 30. Platz von insgesamt 61 Ländern, die auf den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft untersucht wurden. Quelle: dapd
Platz 29Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China mit mit 51,72 an 29. Stelle. Wenig überraschend fällt vor allem der Einfluss des Internets auf die Politik mit 32,27 gering aus. Quelle: REUTERS
Platz 28Kasachstan schafft es mit immerhin 53,46 Prozent auf Platz 28. Quelle: dpa
Platz 27... geht an die Türkei mit einem Wert von 53,7. Besonders gering ist hier der Einfluss des Internets auf die Wirtschaft (45,98). Quelle: dapd
Platz 26In Kolumbien liegt der Wert bei 53,86. Quelle: dpa
Platz 25Die Polen belegen mit 54,84 Prozent Platz 25. Bei unseren europäischen Nachbarn ist vor allem der Einfluss auf die Politik durch das Internet mit einem Wert von 37,55 eher schlecht ausgeprägt. Quelle: dapd
Platz 24Brasilien liegt mit einem Wert von 56,3 auf Platz 24. Quelle: dapd
Platz 23Italien belegt mit 56,45 Prozent den 23. Platz. Quelle: REUTERS
Platz 22In Mexiko liegt der Durchschnittswert für den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft bei 57,68 Prozent. Mit 70,25 Prozent ist der Wert für den Einfluss auf die Politik relativ hoch. Quelle: dapd
Platz 2160,75 ist der Durchschnittswert für Katar. Quelle: rtr
Platz 20Platz 20 geht an Japan. Hier liegt der Wert für den Einfluss des Internets bei 68,56 Prozent. Besonders intensiv nutzen die Japaner das www als Kommunikationsmedium. Der Wert liegt hier bei 80,19. Quelle: dapd
Platz 19Chile liegt mit 69,55 an 19. Stelle. Quelle: rtr
Platz 18Spanien belegt mit einem Wert von 72,12 Platz 18. Quelle: dpa
Platz 17Für Portugal ergab der Web Index einen Wert von 72,33. Quelle: rtr
Platz 16Die Deutschen liegen mit 74,87 im Mittelfeld. Geht es nur um netzpolitische Faktoren wie politische Partizipation via Internet, liegt Deutschland sogar nur auf Rang 23 – direkt hinter Russland. Quelle: REUTERS
Platz 15Israel liegt mit 78.53 auf Platz 15. Besonders ausgeprägt ist hier der Einfluss auf die Politik mit 80,17. Quelle: REUTERS
Platz 14Bei den Franzosen liegt der Wert bei 78,93. Auch in Frankreich wird das Medium Internet vor allem zur Kommunikation genutzt. Quelle: dpa
Platz13Koreas Wert liegt bei 81,06, wobei das Medium in allen Lebensbereichen relativ gleichmäßig Einfluss übt. Quelle: dapd
Platz 12Island spielt wie alle skandinavischen Ländern relativ weit vorne mit. Bei 86,1 liegt der Wert. Hundert Prozent war hier das Ergebnis für die Aufgeschlossenheit unter den Isländern für das Internet und die Kommunikation über das www. Quelle: AP
Platz 11Singapur liegt mit 86,14 auf Platz 11. Die Werte für den Einfluss auf die Politik, Aufgeschlossenheit gegenüber dem Internet und Kommunikation sind mit weit über 90 Prozent besonders hoch. Quelle: dpa

Bei der Frage nach den Internetkenntnissen landen die deutschen Frauen insgesamt mit Platz 24 deutlich im letzten Drittel. Dabei geht es um die alltägliche Nutzung des Netzes, etwa ob man eine Suchanfrage starten oder eine E-Mail mit Anhang verschicken kann. Hier verfügen 35 Prozent der deutschen Frauen über mittlere bis gute Kenntnisse. Beim Spitzenreiter Island sind es 72 Prozent.

Schaut man sich in dieser Kategorie die jüngeren Frauen zwischen 16 und 24 Jahren an, sieht es etwas besser aus. In Deutschland verfügen 78 Prozent der jüngeren Frauen über mittlere bis gute Internetkenntnisse, das entspricht Platz 20 im europäischen Vergleich. Beim Spitzenreiter Dänemark beherrschen 98 Prozent der 16- bis 24-jährigen Frauen das Internet entsprechend gut.

Wo Offliner draufzahlen
Wer kein Netz hat, wartet längerSeit Februar dieses Jahres informiert die Deutsche Bahn ihre Kunden über Verspätungen per E-Mail. Das Angebot wurde zuletzt deutlich ausgeweitet. Reisende ohne Internetanschluss warten dagegen länger. Auch bei der Fluggesellschaften sind Onliner im Vorteil: Fluggäste werden gebeten, bereits zu Hause online einzuchecken, damit es am Flughafen schneller geht. Wer erst am Flughafen einchecken kann, muss länger warten. Beim neuen Spartarif von Air Berlin namens „Just Fly“ zahlen Kunden, die nicht online einchecken, zehn Euro extra. Das Einchecken über Automaten am Flughafen ist bei diesem Tarif nicht möglich. Quelle: dpa
Wer online bucht, spartWer online über ein Vergleichsportal den neuen Stromtarif ordert oder einen Kreditvertrag abschließt, kommt günstiger weg. Zehn Prozent Online-Rabatt bietet beispielsweise O2 seinen Kunden, berichtet der Tagesspiegel. Auch Kreditkartengesellschaften und Telefongesellschaften bevorzugen Onliner. Wer seine Rechnung auf Papier haben möchte, zahlt extra – Standard ist heute nur das Verschicken per E-Mail. Auch Lieferdienste bevorzugen inzwischen häufig Onliner. Spezielle Rabatte gibt es dort inzwischen häufig nur noch bei einer Bestellung über das Internet. Quelle: dpa
Bürgerservice onlineAuch die deutschen Behörden bieten immer mehr Services bequem und rund um die Uhr online an - egal ob eine Auto-Anmeldung, Ummeldung oder die Beantragung eines neuen Personalausweises. Den Onlinern erspart das lange Wartezeiten und Nummern ziehen bei Behördengängen. Quelle: Screenshot
Digitale SpaltungZum Problem wird das für Offliner natürlich dann, sollte das vergrößerte Online-Angebot dazu führen, das klassischer Service eingeschränkt wird. Benachteiligt wären dann vor allem Ältere, Frauen und ärmere Menschen, die überproportional häufig keinen Internet-Anschluss besitzen. Immerhin jeder vierte Deutsche nutzt weder im Beruf noch zu Hause das Internet, so der aktuelle „ (N)onliner Atlas 2012“. Dabei scheint es sich um hartnäckigere Verweigerer zu handeln. Die Zahl der Internet-Nutzer in Deutschland wächst nur noch sehr langsam - und vor allem aufgrund demografischer Effekte. „Egal ob Reisebuchungen, Bankgeschäfte oder Servicestellen – ich sehe es mit Sorge, dass immer mehr Dienstleistungen nur noch online verfügbar sind“, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dem Tagesspiegel. „Das Bestreben der Wirtschaft, Personalkosten zu sparen, darf nicht dazu führen, dass Menschen ohne Internetanschluss einfach abgekoppelt werden.“ Quelle: dpa

"IT-Kompetenz ist Teil der Allgemeinbildung und muss als solche schon in der Schule vermittelt werden“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. „Der BITKOM fordert dazu die Einführung von Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe I." Hilfreich können nach Ansicht des BITKOM separate Unterrichtsangebote für Mädchen sein, da im koedukativen Informatik-Unterricht häufig die Jungen dominieren.
Der BITKOM selbst hat unter anderem die Initiative „erlebe it“ ins Leben gerufen, und stellt den Schulen IT-Experten für Informationsveranstaltungen kostenlos zur Verfügung.

„Gerade Frauen, die in der ITK-Branche erfolgreich sind, können Mädchen als Vorbild dienen und ihnen zeigen, dass IT keine Männerdomäne ist“, so BITKOM-Präsident Kempf.

Zur Methodik

Grundlage für die Angaben ist eine Auswertung von Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Für den Vergleich wurden Einwohner zwischen 16 und 74 Jahren in den 27 EU-Staaten sowie in Island und Norwegen repräsentativ befragt.

BITKOM

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