Facebook erleichtert Kontrolle über Privatsphäre

Facebook gibt dem Bedürfnis seiner Mitglieder nach einem besseren Schutz der Privatsphäre nach. Künftig kann man das Teilen von Informationen einfacher einschränken. Für Facebook ist es eine Wende im jahrelangen Kurs, die Nutzer zu immer mehr Offenheit zu bewegen.

Über diese Themen haben die Deutschen 2012 diskutiert
Platz 10Die amerikanische Filmkomödie des Family-Guy-Erfinders Seth MacFarlane vom lebenden Teddy-Bären und seinen skurrilen Abenteuern war im Sommer ein großer Erfolg. Quelle: REUTERS
Platz 9Der Rapper Cro ist wohl der Newcomer des Jahres. Erst am Nikolaustag wurde ihm der Radio-Award 1Live Krone in Bochum verliehen. Auch auf Facebook war er eines der Topthemen des Jahres. Quelle: dpa
Platz 8Der portugiesische Profi-Fußballer Cristiano Ronaldo ist im Rahmen der Fußball-EM im Sommer wieder ein häufiges Gesprächsthema gewesen. Quelle: REUTERS
Platz 6Auch über den FC Bayern München wurde kräftig diskutiert. Quelle: dpa
Platz 7Die Zeiten in denen heftig über Musiker, Moderator und Provokateur Dieter Bohlen diskutiert wurde, sind eindeutig vorbei. Auch seine RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" hat schon bessere Zeiten erlebt. Allerdings wurde in diesem Jahr viel über den Zweitplatzierten Daniele Negroni gesprochen. Quelle: dpa
Platz 5Auch über den Chelsea Football Club wurde viel diskutiert. Quelle: dapd
Platz 4Die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" hat nicht nur die Besucher in die Kinos gezogen. Sie war auch auf Facebook in aller Munde. Quelle: dpa
Platz 2Die Band Deichkind und ihr Song "Leider geil", der sich inzwischen zu einem geflügelte Wort entwickelt hat Quelle: dpa
Platz 2Berlin - Tag&Nacht - die Anekdoten der Berliner-WG waren in aller Munde. Quelle: Screenshot
Platz 1Der Fußballverein und amtierende Deutsche Meister Borussia Dortmund Quelle: dpa

Facebook gibt seinen Mitgliedern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre. Unter anderem kann man in Zukunft einfacher bestimmen, wer welche Informationen sehen kann. Dafür werden die Einstellungen zu Privatsphäre klarer sortiert und sollen über weniger Klicks erreichbar sein, kündigte das weltgrößte Online-Netzwerk am Mittwoch an. Die Änderungen sollen Ende des Jahres eingeführt werden, sagte Facebooks Datenschutz-Chefin Erin Egan der Nachrichtenagentur dpa.

Facebook sei bewusst, dass Menschen die Plattform nur dann aktiv nutzen werden, wenn sie darauf Vertrauen können, die Kontrolle über ihre Informationen zu haben, betonte Egan. „Wir wollen, dass niemand böse Überraschungen erlebt.“ Dafür wird nun auch klarer gewarnt, dass Bilder oder Texte trotzdem für andere sichtbar sein können, wenn sie aus der eigenen Chronik entfernt wurden. Das gehörte zu den Empfehlungen der irischen Datenschützer, die Facebook in Europa beaufsichtigen. Egan sagte dazu allerdings, auch wenn einige Neuerungen den Forderungen von Datenschützern entsprächen, gingen sie zuallererst auf eine innere Evolution des Datenschutz-Konzepts von Facebook zurück.

Welche sozialen Netzwerke wirklich genutzt werden
So lange werden soziale Netzwerke wirklich genutztGoogle+ - Mit allen Mitteln versucht Google sein soziales Netzwerk zum Erfolg zu bringen. Vor allem die Verknüpfung mit den eigenen Diensten wie Google Mail oder Youtube soll Google+ helfen. Seit dem Start haben sich auch immerhin 90 Millionen Nutzer registriert, allerdings bleibt es oft auch dabei. Nach einer Erhebung der US-Marktforscher Comscore haben sich die Nutzer seit September im Schnitt nur drei Minuten pro Monat bei Google+ aufgehalten. Das „Wall Street Journal“ schreibt daher schon von einer „virtuellen Geisterstadt“. Quelle: dapd
Myspace - Selbst das schon oft totgesagte MySpace wird intensiver genutzt – mit acht Minuten sogar fast drei Mal solange wie Google+.
LinkedIn - 17 Minuten pro Monat halten sich die Nutzer des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn auf der Seite auf. Für den deutschen Wettbewerber Xing lagen keine Daten vor. Quelle: REUTERS
Twitter - Mit 21 Minuten nur knapp davor liegt der Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings erfasst Comscore nur Besucher der Twitter-Website, gerade die intensiven Nutzer greifen jedoch gern auf spezielle Zusatzprogramme wie Tweetdeck zurück, so dass die echte Zahl höher liegt. Auch die mobilen Zugriffe wurden nicht erhoben, was jedoch alle Netzwerke betrifft. Quelle: dpa
Pinterest - Erstaunlich ist, dass sich zwei relative junge Netzwerke ganz vorn platzieren konnten. So gelang Pinterest mit 89 Minuten der Sprung aufs Treppchen. Auf der Seite können Nutzer Bilder und Netzfundstücke teilen. P interest ist derzeit eine der angesagtesten und am schnellsten wachsenden Seiten überhaupt.
Tumblr - Ebenso lange wie Pinterest wird Tumblr genutzt. Der Dienst bietet ist eine besonders schnelle und einfache Art des Bloggens. Auch bei Tumblr werden oft besondere Fotos geteilt – Musikstar Beyonce Knowles veröffentlichte beispielsweise exklusiv Fotos ihres Babys Blue Ivy Carter auf einer eigenen Tumblr-Seite. Beliebt sind auch die „Looking at Things“-Reihen, beispielsweise von Kim Jong-Il oder Christian Wulff.
Facebook - Mit riesigem Abstand steht Facebook an der Spitze: 405 Minuten halten sich die Nutzer im Schnitt jeden Monat in dm Netzwerk auf.     Quelle: dapd

Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Apps, die Mitglieder auf der Facebook-Plattform nutzen können - zum Beispiel Spiele, Musikdienste oder Medien-Angebote. Bisher erteilte man einer App gleich am Anfang alle Erlaubnisse zum Zugriff auf Daten und auch das Veröffentlichen von Mitteilungen im Namen des Nutzers. Jetzt werden diese beiden Schritte getrennt. Das heißt, man kann eine App nutzen, ohne dass sie Informationen nach außen sendet. Zuletzt hatten sich Nutzer darüber beschwert, dass etwa Apps zum Musik-Streaming ihre Freunde über gehörte Songs informierten oder Zeitungs-Apps über gelesene Artikel. Das war Teil des bisherigen Konzepts des „nahtlosen Teilens“.

Zahlen und Fakten zu Facebook

Die Änderungen sind eine Abkehr von dem bisherigen Kurs, die inzwischen mehr als eine Milliarde Facebook-Nutzer zum Teilen von mehr Informationen zu bewegen. Gründer Mark Zuckerberg hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, der allgemeine Trend sei, dass Menschen mehr Informationen über sich preisgeben wollen. Facebook musste aber schon mehrfach zurückrudern, nachdem bei einigen Änderungen plötzlich bisher private Daten öffentlich wurden, ohne dass die Nutzer das bewusst wahrgenommen hätten. Das sorgte auch für Ärger mit Datenschutz-Aufsehern in Europa und den USA.

Diese Netzwerke sind am bekanntesten
Das Netzwerk Facebook kennen 96 Prozent der Deutschen. Quelle: REUTERS
Das Video-Portal Youtube ist 87 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dapd
Den Kurznachrichtendienst Twitter kennen immerhin 80 Prozent der Deutschen, gefolgt von Werkenntwen.de (72 Prozent) und Stayfriends (71 Prozent). Quelle: dpa
Einst waren die VZ-Netze deutlich bekannter als Facebook. Heute liegt das StudiVZ bei 69 Prozent, das SchülerVZ bei 68 Prozent und MeinVZ bei 58 Prozent. Quelle: dpa
MySpace ist 58 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dpa
62 Prozent der Deutschen kennen laut Umfrage MyVideo. Quelle: dpa
Das Karriere-Netzwerk Xing kennen 56 Prozent der Deutschen. Damit liegt das Portal nur knapp hinter Lokalisten.de (55 Prozent). Quelle: dpa

Auch die aktuellen Neuerungen bergen Stoff für potenzielle Diskussionen mit Datenschützern. So schafft Facebook eine Einstellung mit dem Namen „Wer kann meine Chronik mit Hilfe meines Namens finden?“ endgültig ab. Über sie konnten Nutzer festlegen, dass ihr Profil nicht über die Facebook-Suche nach ihrem Namen gefunden werden kann. Diese Funktion sei allerdings nur von sehr wenigen Mitgliedern genutzt worden und zudem habe man die Profile auf anderen Wegen finden können, sagte Egan. Stattdessen solle es neue Möglichkeiten für Einschränkungen geben. Facebook arbeitet schon seit einiger Zeit daran, die Suche im Netzwerk zu verbessern.

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