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Facebook-Gegner aus China Was WeChat besser macht als WhatsApp

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Netzwerke sind kleiner und privater als auf Facebook

Die Truppe hatte Erfolg. Heute verdient Tencent Milliarden mit Werbung und Spielen, die Nutzer über die Plattform kaufen. Der Gesamterlös lag im dritten Quartal 2015 bei umgerechnet 3,7 Milliarden Euro. 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit seiner Gründung verdoppeln sich die Werbeeinnahmen jedes Jahr.

„Sie haben die Zukunft vorausgesehen und darauf gewettet“, sagt Alexis Bonhomme. Der Franzose kam vor fünf Jahren für das deutsche Beteiligungsunternehmen Rocket Internet nach China. Danach gründete er die Beratungsfirma Curiosity China. Heute berät er Firmen im Bereich soziale Medien.

Der Messenger als eigene Serviceplattform. Das hält Bonhomme für die Zukunft. Denn die Netzwerke in WeChat sind kleiner und privater als etwa auf Facebook. Die meisten Nutzer haben nur rund 100 Kontakte. Jemandem folgen wie auf Twitter oder Facebook können sie nicht. Trotzdem durchdringt die App das chinesische Leben. Große Player haben diesen Trend verschlafen, glaubt Bonhomme.

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Damit meint er vor allem Facebook. 2014 kaufte das Unternehmen nicht nur WhatsApp für knapp 14 Milliarden Euro. Es brachte im gleichen Jahr mit dem Facebook Messenger eine eigene App auf den Markt, die von der Mutterplattform weitgehend abgekoppelt ist. „Die App ist offensichtlich eine Kopie von WeChat“, sagt Bonhomme.

Facebook kündigt neue Funktionen an

Dies zeigen vor allem die neuen Funktionen. Vergangenen Dezember verkündete Facebook stolz, dass die Nutzer in einigen Städten in den USA nun auch Taxis über den Messenger rufen könnten. Außerdem habe das Unternehmen Kooperationen mit ausgewählten Einzelhändlern und Hotels geschlossen und eine Bezahlfunktion integriert. Was Facebook als Innovation verkauft – es ist in China längst Standard.

Noch ist das US-Netzwerk im Land gesperrt. Doch seit längerer Zeit wird darüber spekuliert, ob Facebook sich den Regeln der Zensoren in Peking unterwirft, um den Riesenmarkt zu erobern.

WeChat zeigt, wie ein attraktives Geschäftsmodell im mobilen Internet aussieht. Auf Facebook kann eine Kaffeehauskette eine Sonderaktion anpreisen. Auf WeChat kann sie direkt Gutscheine verschicken, die der Kunde im Café über einen QR-Code für sein Lieblingsgetränk einlöst.

Bezahldienst hat mehr Kunden als PayPal

Zentral für den Erfolg von WeChat aber ist sein Bezahldienst. Ob in Restaurants, in Geschäften oder online. Mit dem integrierten QR-Scanner reicht ein kurzer Schwenk über die Rechnung und schon ist sie beglichen. Über 400 Millionen Menschen in China nutzen aktuell WeChat Wallet. Zum Vergleich: Wurden 2015 mit PayPal weltweit 4,9 Milliarden Überweisungen in einem Jahr getätigt, verschenkten chinesische Familien und Freunde allein anlässlich des Frühlingsfestes im Februar in einer einzigen Woche acht Milliarden mal Geld via WeChat Wallet.

Prinzipiell ist der Dienst kostenfrei. Ausgenommen ist der Transfer von Geld auf Bankkonten. Überweist ein Kunde mehr als 1000 Yuan auf Bankkonten, sodass das Geld den WeChat-Kreislauf verlässt, muss er danach pro Überweisung eine geringe Gebühr entrichten. WeChat ist nicht ganz freiwillig so großzügig. Denn der Markt von Onlinebezahldiensten ist in China hart umkämpft. Größter Player ist Alipay vom Internetriesen Alibaba. Der sich mit WeChat gnadenlose Schlachten um die Nutzer liefert. Seit Februar versucht auch Apple mit seinem Bezahldienst Pay in China mitzumischen, doch kämpfen die Kalifornier noch mit Anlaufschwierigkeiten, wie sich Nutzer im Internet beschweren.

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