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Facebooks Kampf gegen Fake News "Es geht uns nicht um Meinungsäußerungen"

Dan Rose, Facebooks Vizepräsident für Partnerschaften und Plattform-Marketing, erläutert im Interview am Rande der DLD-Konferenz in München die Gründe für die kürzlich angekündigte Partnerschaft mit Correctiv rund um Fake News – und warum das soziale Netzwerk Wert darauf legt, den Faktencheck von Drittanbietern übernehmen zu lassen.

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Quelle: AP

Facebook hat am Sonntag angekündigt, gemeinsam mit dem Recherchebüro Correctiv in Deutschland gegen Fake News vorgehen zu wollen. War der politische Druck in Deutschland so groß, dass Sie mit dieser Partnerschaft reagieren mussten?
Dan Rose: Wir haben bereits im Dezember vergleichbare Bemühungen in den USA gestartet. Dort haben wir uns mit einer ganzen Reihe von unabhängigen Drittanbietern zusammengetan, die auf Faktencheck spezialisiert sind. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass unsere Nutzer zusätzliche Informationen erhalten, wenn sie umstrittene Artikel teilen wollen. Uns geht es darum, dass ernsthafte Falschmeldungen auch als solche erkannt und dem Facebook-Nutzer entsprechend dargestellt werden. Deutschland ist unser erstes Land außerhalb der USA, in dem wir diese Strategie auch anwenden und wir planen die Expansion in weitere Länder.

Warum benötigt Facebook überhaupt Drittanbieter für den Faktencheck? Könnte das nicht auch intelligente Technologie bewältigen?
Wir erachten es als sehr wichtig, dass Menschen in diesen Vorgang involviert sind – und dass es nicht Facebooks Rolle sein kann, diese Überprüfungen selber durchzuführen. Deswegen sind Kooperationen mit unabhängigen Partnern, die Spezialisten in Sachen Faktencheck sind, für uns der richtige Weg.


Fürchtet Facebook nicht auch, im Zuge der der Bundestagswahl in Deutschland dafür verantwortlich gemacht zu werden, falls umstrittene und spaltende Parteien erfolgreich werden, ähnlich wie es im Nachgang der Präsidentschaftswahl in den USA passiert ist?
Ganz eindeutig sprechen sehr viele Leute auf Facebook über die Wahlen, denn wir sind für viele Nutzer eine wichtige Plattform für Diskussionen über Politik. Umgekehrt nutzen viele Politiker Facebook, um ihre Wählerschaft mit ihren Botschaften zu adressieren. Wir begrüßen das sehr, weil Menschen sich heute viel direkter und schneller mit Politikern vernetzen können, als dies früher der Fall war.
Und wenn eine Story erwiesenermaßen falsch ist – etwa wenn jemand behauptet, dass eine bekannte Persönlichkeit verstorben sei, diese aber tatsächlich am Leben ist – wollen wir, dass Facebook-Nutzer über diese Tatsache informiert werden, bevor sie eine solche Story durch Teilen weiterverbreiten. Und um das deutlich herauszustellen: Es geht uns nicht um Meinungsäußerungen.


Wie wählt Facebook seine Partner für derartige Faktenchecks aus? Welche Anforderungen müssen diese erfüllen?
Alle unsere Partner müssen einen international gültigen Verhaltenskodex für Faktencheck unterschreiben, den das unabhängige amerikanische Journalismus-Institut Poynter verfasst hat. Ansonsten möchten wir idealerweise mehrere Drittanbieter für die Zusammenarbeit gewinnen. In den USA haben wir schon mit einer Handvoll Partner gestartet. Und wir sind sehr froh, in Zukunft auch in Deutschland den Test mit Correctiv beginnen zu können.

Werden Sie in Deutschland bald weitere Partner neben Correctiv dazubekommen?
Unser Ziel lautet ganz klar, dass wir mit weiteren Organisationen zusammenarbeiten wollen. Derzeit haben wir aber nichts zu verkünden.

"Wir nehmen Hassrede sehr ernst"


Wo ist in dieser Diskussion für Facebook die Grenze zwischen Fake News und dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung?
Wir haben Gemeinschaftsstandards – und die nehmen wir sehr ernst. Wir wollen, dass die Facebook-Nutzer sich vernetzen und miteinander kommunizieren können, aber in einer Umgebung, in der sich die Menschen sicher fühlen. Wir hatten immer schon Regeln, die Hassrede untersagen. Wir erlauben auch keine Nacktheit und Pornografie und keine glorifizierende Darstellung von Gewalt, um nur einige Beispiele zu nennen. Und bei Fake News gilt: Wir machen die entsprechende Kennzeichnung nicht selber, und wir legen auch nicht fest, welche Dinge erlaubt sind und welche nicht. Es geht um zusätzliche Informationen für unsere Nutzer.

Die deutsche Bundesregierung hat den Druck auf Facebook erhöht, weil nur 46 Prozent von so genannten Hassreden gelöscht werden, und will entsprechende Gesetze verschärfen. Wie reagiert Facebook darauf?
Wir nehmen Hassrede sehr ernst – sie widersprechen unseren eigenen Gemeinschaftsregeln. Wir haben große Teams von Mitarbeitern, welche die entsprechenden Meldungen von Nutzern bearbeiten. Und wenn ein Beitrag gegen unsere Standards verstoßen, wird er gelöscht.


Haben Sie in Deutschland andere Gemeinschaftsregeln als etwa in den USA?
Wir haben globale Standards, die unserer Einschätzung nach konsistent in verschiedenen Ländern gelten und daher weltweit angemessen sind.

Wie kann es dann sein, dass gut die Hälfte der Hass-Beiträge nicht gelöscht wird?
Es gibt bei derartigen Entscheidungen eine Vielzahl unterschiedlicher Datenpunkte, die in eine Beurteilung einfließen. Wenn ein Nutzer ein Hass-Posting meldet, nehmen wir den Beitrag aus dem Netzwerk heraus, sofern er wirklich gegen unsere Standards verstößt. Außerdem möchte ich noch einen Punkt ganz klar sagen: Wir halten uns an deutsches Recht. Wenn wir über illegale Inhalte in Kenntnis gesetzt werden, löschen wir diese.


Bundesjustizminister Heiko Maas hat kürzlich sogar Strafzahlungen in Höhe von 500.000 Euro angedroht, sollten Facebook und andere Plattformen Hate Speech nicht schnell genug löschen.
Wir nehmen diese Anliegen sehr ernst. Wir sprechen mit politischen Entscheidern und digitalen Experten aller Parteien, sowie relevanten Ministerien, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden.

Also treffen Sie Heiko Maas bald?
Ich persönlich nicht, aber andere Facebook-Manager sind seit langem in regelmäßigem Kontakt mit Bundesminister Maas.

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