WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

"Fake Likes" Klickfarmen bringen Facebooks Werbeanzeigen aus dem Gleichgewicht

Dass es bei Facebook Klickbetrug und gefälschte Likes gibt, ist bekannt. Der Videoblogger Derek Muller beschreibt nun aber, wie vor allem legitime Seitenbetreiber, die Facebooks Anzeigenplattform nutzen, unter dieser Problematik leiden.

Was Nutzer am meisten bei Facebook aufregt
... wenn die Voreinstellungen nicht User-freundlich sindAuch wenn es anstrengend ist: Wer im Sozialen Netz unterwegs ist, muss sich auch mit den Privatsphäre-Einstellungen auseinander setzen. Bei Facebook ist das besonders wichtig, weil das Unternehmen immer wieder Voreinstellungen wählt, die für den Nutzer von Nachteil sind. Für besonders viel Ärger sorgte das, als bekannt wurde, dass die automatische Gesichtserkennungen auf Facebook voreingestellt ist. Diese und andere Punkte müssen erst aktiv deaktiviert werden. Quelle: AP
… wenn vieles nicht gehtFacebook ist professionelles Netzwerk mit vielen Funktionen. Trotzdem gibt es immernoch Lücken, da gerade Viel-Nutzern negativ auffallen. Manchmal tauchen Meldungen nicht auf der Timeline auf – oder verschwinden einfach wieder. Dann kommt es immer wieder vor, dass beim Verlinken von Seiten die Bilder der Artikel nicht mit angezeigt werden. Auch dass man Bilder nicht als Kommentar unter eine Statusmeldung posten kann, scheint nicht konsequent. Quelle: REUTERS
… wenn das Löschen schwierig wirdNutzern, die ihr Portal löschen möchten, macht Facebook es besonders schwer. Zwar kann man sich abmelden, die Profile und die hinterlegten Daten bleiben allerdings gespeichert. Wer sich ausversehen wieder einloggt, hat das Konto auch wieder aktiviert. Dauerhaftes Löschen erfordert viele, viele Klicks. Quelle: dpa
... wenn die Facebook-Adresse zum Standard wirdOb man will oder nicht, Facebook ordnet jedem seiner Mitglieder auch eine eigene Facebook-E-Mail-Adresse zu. Denn wenn es nach dem Unternehmen ginge, sollte die gesamte Kommunikation über das Daumen-hoch-Portal laufen. Bei der Einführung war Facebook allerdings ein nerviger Fehler unterlaufen: Das Netzwerk trug die hauseigene Adresse auch als Standard-E-Mail-Adresse in das eigene Profil ein. Das führte dazu, dass die Adressbücher von Smartphone-Nutzern unbemerkt verändert wurden, sobald sie mit Facebook synchronisiert waren. Dadurch flogen die gängigen E-Mail-Adressen raus und Facebook blieb. Den Fehler hat das Unternehmen inzwischen behoben. Quelle: dapd
… wenn man ein Problem hatWer eine Frage zu dem Netzwerk hat oder Hilfe benötigt kann sich sicher sein, mit diesem Problem auch alleine zu bleiben. Mitglieder haben fast keine Chance jemanden bei dem Unternehmen zu erreichen, der sich der Anfrage annimmt. Denn eine Hotline oder persönliche Ansprechpartner zur Betreuung gibt es nicht. Natürlich darf via Facebook ein Hilfegesuch per Kontaktformular losgeschickt werden. Quelle: AP/dpa
… wenn die Datenschutzeinstellungen nicht zu finden sindDas Problem ist ein Dauerbrenner: Die Datenschutz- und Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook sind so kompliziert, dass ganze Handbücher dafür im Internet geschrieben werden. Die Regeln auf Papier zu drucken lohnt gar nicht, so oft ändert das Unternehmen die Pfade hin zum richtigen Haken wieder. Egal ob man einschränken möchte, wer Nachrichten schicken, Beiträge an einer Pinnwand hinterlassen oder teilen darf, muss dafür einige Zeit einkalkulieren. Der Hauptbereich ist über das kleine Zahnrad oben in der Ecke noch leicht zu finden. Aber dann geht die Suche los. Problematisch ist vor allem, dass die Unterpunkte so kompliziert aufgeteilt und formuliert sind, dass man sie wiederholt durchlesen muss, um sie zu verstehen. Quelle: dapd
… wenn im Hinterstübchen Transparenz vorgegaukelt wirdWie bereits festgestellt ändert Facebook gerne klammheimlich einzelne Aspekte der Datenschutzbestimmungen. Gelegentlich dürfen die User über die Änderungsvorschläge abstimmen. Allerdings wird das Voting dann meist so versteckt auf der Homepage angebunden, dass sich kaum jemand beteiligt. Häufig sind die Fragen und die Antwortmöglichkeiten auch so verschleiert formuliert, dass kaum jemand in der Lage ist, sein Kreuzchen seriös zu setzen. Quelle: AP/dpa

Über Facebook ziehen gerade dunkle Wolken auf. Grund ist dieser neunminütige Clip des renommierten YouTube-Videobloggers Derek Muller. Darin beschreibt er überzeugend und anhand von Erfahrungen mit eigenen Pages, dass Facebooks einige Monate nach dem Börsengang verkündete Maßnahmen gegen gekaufte “Likes” keinen nachhaltigen Effekt erzielen konnten.

Bezahlte Klickarbeiter verschenken “Likes”

Muller erläutert, wie die “Mitarbeiter” von zumeist in Entwicklungsländern ansässigen “Klickfarmen” exzessiv Facebook-Seiten favorisieren – und zwar ungeachtet dessen, ob deren Betreiber diese Services gekauft haben.

Facebook untersagt die Nutzung von Diensten, die tausendfach gefälschte Likes garantieren. Stattdessen möchte das Social Network Page-Betreiber dazu bringen, ihre Präsenzen per Facebook-Anzeige zu bewerben und auf diesem Weg Likes von “echten” Nutzern einzusammeln.

Muller hat in seinen Tests jedoch festgestellt, dass viele dieser Likes ebenfalls von Klickfarmen stammen, also nicht auf tatsächliche, ihrer vorgegebenen Identität entsprechende User zurückzuführen sind. Stattdessen sind “Clickworker” in Ländern wie den Philippinen, Bangladesh, Sri Lanka oder Ägypten damit beschäftigt, den ganzen Tag über eine Vielzahl von “gefälschten” Facebook-Konten unaufhörlich Pages von sich bei Facebook präsentierenden Unternehmen und Marken zu favorisieren. Primär geht es dabei natürlich um die Erhöhung der Likes von den Kunden dieser windigen Dienstleister. Doch damit diese gegen die Geschäftsbedingungen des sozialen Netzwerks verstoßenden Praktiken nicht sofort durch Kontrollsysteme entlarvt werden, liken die Klickarbeiter von ihren tausenden Accounts zwischendurch auch andere Pages. Dabei landen sie vor allem bei solchen, die im Newsfeed in Form von Anzeigen auftauchen.

Fake-Konten schaden Facebook-Seiten

Das Hauptproblem daran ist laut Muller nicht die künstlich erhöhte Anzahl an Likes, sondern die geringe bis nicht existente Interaktion der hinter den Fake-Likes stehenden Konten. Daraus schlussfolgert der “Edge Rank”-Algorithmus des sozialen Netzwerks, dass auf einer Page veröffentlichte Inhalte für ihre Fans nicht sonderlich interessant sind, und erspart sich eine weitere Auslieferung des Contents in den Newsfeeds. Seitenbetreiber, die per Facebook Ads ihre Pages bewerben, beobachten deshalb mitunter einen Rückgang des Fan-Engagements, woraufhin sie regelrecht dazu gezwungen werden, abermals Geld zu investieren, um einzelne Posts zu promoten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%