Finanzspritze von 542 Millionen Dollar Google beteiligt sich an Spezialist für Augmented Reality

Google investiert zusammen mit anderen Unternehmen 542 Millionen Dollar in das US-Startup Magic Leap. Die Firma ist ein Spezialist für Augmented Reality.

Mit der Investition holt sich Google Unterstützung für die Entwicklung der Datenbrille an Bord. Quelle: REUTERS

Künftig schwimmen Hammerhaie durchs Büro, Elefanten passen in unsere Handfläche und Drachen fliegen vor dem Fenster vorbei. So sieht zumindest die Vision des US-Startups Magic Leap aus, ein Spezialist für Augmented-Reality-Technologien. Am Dienstag gewann das Unternehmen Google als Unterstützer. Gemeinsam mit anderen Finanziers, darunter auch der legendäre Silicon-Valley-Investor Andreessen Horowitz, investiert Google 542 Millionen Dollar in das Startup, das den Internetriesen bei der Entwicklung der Datenbrille unterstützen soll.

Was kann die Datenbrille wirklich?
Google Glass für alle erhältlich Die Computerbrille Google Glass gibt es nun in den USA regulär für alle - allerdings hat sie weiterhin den Status Betatest. Sie kostet 1500 Dollar und kann online bestellt werden, ist aber mengenmäßig begrenzt. Google hat keine Angaben dazu gemacht, wie viele Brillen für den Verkauf bereit stehen. Aktuell gibt es vier unterschiedliche Gestelle und drei Sonnenbrillen. Google hat außerdem Korrekturgläser eingeführt. Somit können auch Menschen mit eingeschränkter Sehstärke die Brille nutzen. Seit April 2014 funktioniert die Datenbrille mit Android 4.4 alias Kitkat. Das soll eine längere Akkulaufzeit und eine bessere Bedienung bringen. Die Videotelefonfunktion wurde erst einmal entfernt. Quelle: dpa
Es ist ein Marktstart auf Raten: Zuerst mussten sich Interessenten bei Google bewerben, um ein Exemplar seiner Datenbrille Google Glass zu ergattern. Am Dienstag nun macht der Internet-Konzern ein neues Angebot: Für 1500 Dollar kann Jedermann über eine Internetseite ein Exemplar der Cyberbrille kaufen. Freilich nur in den USA. Und nur einen Tag lang. Exklusiver werden höchstens noch Luxus-Handys mit Edelsteinbesatz verkauft. Aber die Technik der Datenbrille verspricht einen ganz anderen Luxus: Erstmals lässt sich damit unterwegs freihändig im Internet surfen. Über einen kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge spielt Google Glass dazu einen virtuellen Computerbildschirm ins Blickfeld. Per Sprachbefehl oder Fingertipp auf den rechten Brillenbügel lassen sich Programme bedienen. Töne spielt die Brille über einen Knopf im Ohr ein. So revolutionär das Interface sein mag: Was kann die teure Datenbrille wirklich? Für welche Zwecke gibt es heute schon Glass-Apps? Ein Überblick darüber, was Glass-Nutzer in ihrem Cyber-Alltag alles schon erleben können. Quelle: AP
Das Training im Blick behaltenEine virtuelle Trainingsuhr hat das US-Startup Strava für Google Glass programmiert. Das Display der Brille spielt Radfahrern und Joggern einen virtuellen Tacho ins Blickfeld: Gefahrene Distanz, aktuelles Tempo, Dauer des Trainings. Kleine Pfeile zeigen an, ob der Sportler auf der Strecke schneller oder langsamer unterwegs ist als beim letzten Training. Quelle: Reuters
Sich nie wieder verlaufenAuch Googles-Kartendienst Maps ist auf der Datenbrille präsent. Wer etwa den Weg zur nächsten Tankstelle sucht, kann per Stimme danach fragen. Google Glass sucht daraufhin im Internet nach der schnellsten Route – und blendet sie auf einer Karte ein. So können auch Radfahrer den Weg durch die Stadt finden, ohne zwischendurch absteigen und auf die Karte schauen zu müssen. Quelle: REUTERS
Ich-Perspektive live ins Internet streamenEs klingt wie aus dem Film Being John Malkovich: Glass-Nutzer können bald – eine Mobilfunkverbindung vorausgesetzt - ihre Sicht auf die Welt live ins Internet streamen – ob beim Joggen, beim Fallschirmspringen oder im Konzert. Möglich machen es die eingebaute Kamera und eine neue App des Streaming-Dienstes Livestream.com. Die Zuschauer können dem Brillenträger Textnachrichten schicken, die dieser wiederum per Stimme beantworten kann. Quelle: dpa/dpaweb
Schilder übersetzenDie App Word Lens verwandelt die Brille in einen Übersetzer: Fotografiert der Nutzer ein Hinweisschild, eine Werbeanzeige, eine Speisekarte oder andere kurze Texte, dann übersetzt die App die Worte in eine gewünschte Fremdsprache. Das Ergebnis blendet Word Lens in das echte Bild ein, wobei sogar die Schrift dem Original ähnelt. Das Programm unterstützt derzeit Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, italienische und Russisch - übersetzt wird immer ins Englische. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Stadttour machenOb auf Geschäftsreise oder im Urlaub - wer wünscht sich nicht hin und wieder einen privaten Stadtführer, der einem die lokalen Sehenswürdigkeiten vorstellt? Googles App Field Trip verspricht genau das: Anhand der GPS-Positionsdaten des Nutzers blendet sie passende Infokarten ein mit Informationen über historische Bauten, Denkmäler, Landmarken und mehr. Quelle: dpa

Die sogenannte "Augmented reality" existiert bereits, ist aber ein noch unerforschtes Feld. Google will das Konzept gemeinsam mit der interaktiven Datenbrille auf den Markt bringen.

Magic Leap will noch einen Schritt weitergehen: Das Startup will weg von zweidimensionalen Bildschirmen an Arbeitstischen und in Hosentaschen - und hin zu einem "Cinematic Reality Interface". Diese Schnittstelle soll alle bisherigen Technologien in den Schatten stellen - und in ein neues Zeitalter der Computer-Mensch-Interaktion führen.

Dabei handelt es sich offenbar um eine einzigartige Art, Bilder wiederzugeben. Magic Leap bezeichnet diese laut der New York Times etwas genauer als die "Projektion von dreidimensionalen Licht-Skulpturen auf die Retina des Betrachters". 

Laut Magic-Leap-CEO Rony Abovitz wolle man über aktuelle Bezeichnungen wie "Virtual Reality" und "Augmented Reality" hinausgehen und die nächste Entwicklungsstufe einläuten. Deswegen spreche man von der "Cinematic Reality". Außer diesen marketingwirksamen Sprüchen gibt sich Magic Leap aber extrem geheimniskrämerisch.

Spekulationen zufolge verbirgt sich dahinter eine Technik mit Bildern in Ultra HD, die direkt vor das menschliche Auge projiziert werden und sich dreidimensional betrachten lassen. Auf diese Weise solle die Illusion entstehen, dass die Objekte tatsächlich in der Realität vorhanden sind.

Sundar Pichai, Chef von Googles mobilem Betriebssystem Android sowie beim Browser Chrome, soll Mitglied des Aufsichtsrats bei Magic Leap werden. Mit dem nun getätigten Investment wird Magic Leap mit einem Wert knapp unter zwei Milliarden Dollar bewertet.

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