WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Fotochaos So bringen Sie Ordnung in die Bilderflut

Seite 2/2

Gegen Hacker und Schäden schützen

Cloud-Dienste sind zweifellos die komfortabelste Variante des Fotomanagements, auch weil sie Bilder sicher erhalten, wenn das Handy mal zu Bruch geht oder Hacker die heimische Festplatte verschlüsseln. Wer jegliche Mühe sparen will, kann in seinem Smartphone sogar den automatischen Upload aller Aufnahmen aktivieren. Dann landen die Bilder nach der Aufnahme direkt als Sicherheitskopie in der Cloud. Das geht aber zulasten des Datenvolumens und kann speziell bei Auslandsreisen teuer werden.

Doch der Komfort macht auch träge. Längst ist es selbstverständlich, pro Motiv gleich dutzendfach abzudrücken, um den optimalen Schuss sicher dabei zu haben. Aussortiert wird später – so zumindest der Vorsatz, an den sich dann kaum noch einer hält. So landet am Ende ein Berg von Aufnahmen im Speicher, von denen höchstens ein Bruchteil wirklich gelungen ist. An der angesichts der Bilderflut wichtigsten Aufgabe aber scheitern auch die besten Cloud-Dienste noch: die wenigen wirklich guten Bilder automatisch aus der Masse der Fotos herauszufiltern.

Wer also vermeiden will, dass die Sammlungen im Netz zuerst unübersichtlich und dann teuer werden, muss selbst Hand anlegen – und aussortieren. So halten es etwa Profifotografen wie Rudolf Wichert, der unter anderem für große Dax-Konzerne, Unternehmensmagazine und mit der Agentur Laif arbeitet. Bevor der 62-Jährige Aufnahmen ins Netz lädt oder an Kunden verschickt, bändigt er die Bilderflut auf dem heimischen Computer – und löscht alle offensichtlich unbrauchbaren Aufnahmen.

Konsequente Qualitätskontrolle

An die 160.000 Digitalfotos umfasst Wicherts Bilderdatenbank trotz dieser Auslese. Seit etwa 20 Jahren legt der Fotograf darin seine Fotos ab. Bevor sie dort landen, benennt Wichert sie um, packt mindestens Aufnahmedatum und -ort direkt in den Dateinamen, damit sich die Bilder über die Suchfunktion des Rechners vorfiltern lassen. Solche Importfunktionen haben die Foto-Apps der Betriebssysteme von Microsoft oder Apple direkt an Bord.

Anschließend siebt Wichert gnadenlos aus: „Was nicht technisch optimal ist, zu hell oder zu dunkel geraten, an der falschen Stelle scharf, wird direkt gelöscht“, so der Profi. Als Nächstes fliegen alle Aufnahmen aus der Sammlung, auf denen die Fotografierten schlecht aussehen, die Augen geschlossenen halten, Grimassen ziehen oder schlichtweg unpassend dreinblicken. Erst dann prüft Wichert, ob auch die Komposition der Aufnahme stimmt, ob also Vorder- und Hintergrund harmonieren und die wichtigen Bildinhalte ausgewogen verteilt sind. „Von Hunderten Aufnahmen, die ich mitunter bei Events schieße, bekommt der Kunde am Ende nur fünf bis sechs Prozent zu sehen“, rechnet Wichert vor. „Und auch nur die sind es wert, dauerhaft gespeichert zu werden.“

Schnell ausmisten

Nicht minder rigide sollten auch Hobbyfotografen vorgehen, empfiehlt der Experte. „Wer nicht konsequent ausmistet und nur die besten Aufnahmen behält, verliert in kürzester Zeit den Überblick“, sagt Wichert. Egal, ob im Urlaub oder nach der Familienfeier, „am besten man sichtet seine Aufnahmen noch am Abend des Tages, an dem man sie aufgenommen hat.“

Das Fotoalbum zusammenzustellen, diese Aufgabe können am Ende dann wieder die Algorithmen erledigen. Myphotos, die Software von Cewe, beispielsweise komponiert anhand von Aufnahmeort und -datum automatisch Urlaubsalben und prüft sogar, ob die gewählten Aufnahmen ausgewogen belichtet sind. Aber selbst, wenn die KI das Fotobuch füllt, bewährt sich der Tipp von Bilderprofi Wichert: „Wer gleich nach der Aufnahme alles Unbrauchbare löscht, bereitet später auch den Algorithmen viel weniger Arbeit, die besten Bilder zu finden.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%