WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Foursquare "Wir überwachen nie aktiv"

Der neue Europa-Chef des New Yorker Startups Foursquare drängt nach Deutschland. Mit dem Geldverdienen hat er keine Eile.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Omid Ashtari ist bislang der einzige Mitarbeiter von Foursquare in einem Büro in Europa - von London aus will er den Markt erobern Quelle: pr

WirtschaftsWoche: Herr Ashtari, wer sich per Handy oder Smartphone bei Foursquare eincheckt, erfährt etwa, welche Restaurants es in seiner Nähe gibt, wo sich seine Freunde gerade aufhalten, und kann Boni-Punkte sammeln. Ist Foursquare ein Spiel, ein soziales Netzwerk oder ein Rabattportal?

Ashtari: Wir sind ein kostenloses Programm, dass es einem erstens erlaubt, mit Freunden zu interagieren, zweitens in der realen Welt neue interessante Orte zu finden und drittens Geld zu sparen. Den Charakter eines Spiels haben wir eingebaut, um Nutzern einen Anreiz zu geben, länger auf der Plattform aktiv zu sein.

In London richten Sie jetzt das erste Büro außerhalb der USA ein. Schielen Sie nur auf den britischen Markt oder auf ganz Europa?

Etwa die Hälfte unserer weltweit zehn Millionen Nutzer wohnen außerhalb der USA. Und die wiederum leben nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien. Da ich anfangs aber der einzige Mitarbeiter außerhalb von Amerika bleibe, werde ich mich zuerst einmal auf England konzentrieren. Im zweiten Schritt aber haben wir dann Kontinentaleuropa im Visier.

Deutschland als größter Binnenmarkt Europas steht hinten an?

Für jedes Technologieunternehmen, das von Amerika nach Europa geht, ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte. Inzwischen haben unsere deutschen Nutzer zehn Millionen Mal eingecheckt, also ihre aktuelle Position an uns übermittelt. Zudem haben sie in unsere Datenbank 500 000 Restaurants, Bars, Hotels und andere Orte eingetragen. Und wir wachsen rasant, binnen eines Jahres in der Bundesrepublik um 350 Prozent. Dennoch: In Gesamteuropa sind es zurzeit jährlich 600 Prozent Wachstum.

Die Nudelkette Vapiano arbeitet mit Foursquare zusammen. Ein

In Deutschland spielt Datenschutz eine große Rolle. Wie bringen Sie einen Deutschen dazu, jederzeit der Welt mitzuteilen, wo er sich gerade aufhält?

Privatsphäre ist uns sehr wichtig. Wir überwachen die Position des Nutzers nie aktiv. Nur wenn er sie freiwillig preisgibt, indem er eincheckt, erfassen wir sie. Auch kann der Nutzer wählen, wem er seinen Aufenthaltsort mitteilt. Er kann es im Extremfall niemandem verraten, außer vielleicht dem Händler, bei dem er sich mittels Check-in gerade ein Spezialangebot verdienen will. Er kann es aber auch nur seinen Foursquare-Freunden mitteilen, im Level darüber all seinen Facebook-Freunden oder via Twitter der ganzen Welt.

Die Angebote, die etwa Händler Foursquare-Nutzern machen, sind wichtige Anreize. Aber viele Unternehmen kennen Foursquare nicht einmal.

Die Großen müssen wir gezielt ansprechen. In den USA arbeiten wir mit Verlagen wie dem Wall Street Journal, TV-Sendern wie MTV, Handelsriesen und Marken wie Starbucks zusammen. Ein Spezialangebot muss kein 20-Prozent-Rabatt sein. So stellt etwa das Veranstaltungsmagazin „Time Out“ für bestimmte Lokale Tipps bei uns ein. Sobald der Nutzer dort eincheckt, bekommt er den Tipp. Solche Dienste wollen wir auch in Europa aufbauen.

Was ist mit den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Natürlich werden wir durch mehr Präsenz hoffentlich auch den Mittelstand erreichen. Das Tolle an der Plattform ist, dass Unternehmen sehr schnell online unsere kostenlosen Angebote einsetzen können, um deutsche Foursquare-Nutzer zu erreichen. Zusätzlich müssen wir kleine und mittelgroße Unternehmen bei Veranstaltungen und Messen erreichen.

Bewertungsportale wie Qype und Yelp finanzieren sich aus Werbung, Foursquare nicht. Wie verdienen Sie Geld?

Foursquare hat vor wenigen Monaten 60 Millionen Dollar Kapital von Investoren eingesammelt. Wir haben also keine Eile, ein Refinanzierungsmodell zu finden. Wir fokussieren uns momentan darauf, ein Produkt zu bauen, das Nutzern hilft, besser durch die Welt zu navigieren, und Händlern, mit Nutzern besser zu interagieren. Langfristig wollen wir aber schon Geld verdienen. Wir haben einige interessante Dinge geplant, über die wir aber momentan noch nicht zu viel verraten wollen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%