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Frequenz-Auktion Das Milliardenspiel beginnt

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Warten auf taugliche Technik

Denn sobald die TV-Sender im Zuge der Umstellung auf die Sendetechnik DVB-T2 die Frequenzen geräumt haben, können die Mobilfunker in diesem Frequenzbereich speziell abgelegenere Regionen mit schnellem, mobilen Internet versorgen, weil die Sender dort auch große, relativ dünn besiedelte Gebiete gut abdecken können. Das 1500-Megahertz-Band ermöglicht hingegen hohe Übertragungsraten, bei allerdings deutlich geringerer Reichweite.

Zudem gibt es bisher für keines der beiden Frequenzbänder geeignete Mobilfunkgeräte. Bis die Chip-Produzenten Bauteile dafür anbieten und erst recht, bis die ersten Smartphones oder Tablet-Computer auf den Markt kommen, die auf den entsprechenden Frequenzen funken können, dürften nach Schätzungen aus dem Kreis der Netzbetreiber eher Jahre als Monate vergehen.

Wer braucht was?

Streng rational müssen sich vor allem die Telekom und Vodafone wieder im 900-Megahertz-Band eindecken. Telefónica braucht Frequenzen dort weniger dringend. Möglicherweise reicht dem Münchner Anbieter sogar nur eines statt der bisher zwei genutzten Frequenzpakete. Sollten sich also die D-Netz-Betreiber kein strategisches Wettbieten liefern, dürfte dieses Frequenzband rasch (und leidlich preiswert) verteilt sein.

Im 1800-Megahertz-Band haben die Telekom und Telefónica dank der vor fünf Jahren ersteigerten Frequenzen mit 15 beziehungsweise 10 Megahertz an Bandbreite einen brauchbaren Grundstock an Übertragungskapazität sicher. Der Rest aber wird neu ausgeschrieben und ab Ende 2016 wieder vergeben.

Da sich dieses Frequenzband (speziell in dichter besiedelten Regionen) gleichermaßen für traditionelle Telefonie wie für schnelles mobiles Internet eignet, werden jedoch alle Netzbetreiber hier zuschlagen wollen. Allen voran muss Vodafone hier nachlegen, denn die Düsseldorfer haben nicht nur bisher die geringste Kapazität, dieser Frequenzrest steht auch noch zur Neuverteilung an.

Die Stunde der Spieler

Offiziell äußert sich natürlich niemand aus der Branche zum Bieterverhalten, aber alles andere als ein paar ordentliche Gebote von Vodafone - speziell bei 1800 Megahertz - würde alle Mobilfunker überraschen. Ob und wer womöglich dagegen hält, wird sich zeigen. Denn nach jeder Auktionsrunde veröffentlich die Regulierungsbehörde alle Einzelgebote.

Dann schlägt in den War-Rooms die Stunde der Analysten und der Spieltheoretiker: Wer hat wie viel auf was geboten? Welche Strategie steckt – vermutlich – hinter welchem Angebot? Wer will mit einem drastischen Preisaufschlag, einem sogenannten „Jump-Bid“ der Konkurrenz signalisieren, wo besser nicht mehr nachgelegt werden sollte?

Gerade bei 1800 Megahertz kann es also teuer werden. Muss es aber nicht, wenn sich alle rational verhalten. Denn bei nur noch drei konkurrierenden Unternehmen böten die nun zur Versteigerung kommenden knapp 50 Megahertz Bandbreite für Jeden ausreichend Kapazität.

Das Ende der Funklöcher

Bleibt die Frage, wie sich die Angebote für die Frequenzen im 700- und 1500-Megahertz-Band entwickeln könnten. Hier herrscht die größte Unsicherheit im Markt. Zum einen weil – wie geschildert – speziell im höheren Frequenzbereich noch völlig offen ist, wann überhaupt die nötige Technik zur Nutzung der Kapazitäten verfügbar ist.

Bei den niedrigeren Frequenzen ist das weniger fraglich, weil das direkt angrenzende 800-Megahertz-Spektrum ja bereits für LTE-Mobilfunk genutzt wird und die Chiphersteller daher wenig Aufwand haben, ihre Bauteile anzupassen.

In Arbeit
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Dafür hat der Regulierer die reichweitenstarken 700er-Frequenzen mit einer Ausbauverpflichtung gekoppelt. Wer hier zuschlägt, muss eine flächendeckende Versorgung von mindestens 97 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland und sogar von 98 Prozent der Haushalte bundesweit garantieren. Bundesverkehrs- und -infrastrukturminister Alexander Dobrindt verspricht sich davon, dass „2018 alle lästigen Funklöcher in Deutschland geschlossen [sind]“.

Siegt die Vernunft? Oder der Finanzminister?

Klar ist, dass irgendeiner der Netzbetreiber auf die neuen Frequenzen bieten muss. Denn die Auktion endet erst, wenn alle Pakete versteigert sind. Wer allerdings gerade für die neuen Frequenzbänder wie tief in die Kasse greifen will, ist noch völlig offen. Gut möglich, dass die fehlende Technik und die teure Ausbaupflicht die Lust der Bieter gerade hier stark dämpft.

Wenn denn alle rational handeln. Sicher ist das nicht. Vor fünf Jahren sah es auch lange danach aus, als ob die Vernunft regierte. Und dann wurde es doch vereinzelt so teuer, dass beispielsweise E-Plus aus einigen Frequenzbereichen komplett ausgestiegen ist.

Wiederholt sich solch ein Bieterwettlauf, stünde am Ende einer auf der Gewinnerseite, der bei dem Milliardenspiel gar nicht selbst mit am Tisch sitzt: Bundesfinanzminister Schäuble.

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