Fujitsu-Vordenker Reger Der PC verliert an Bedeutung

Joseph Reger, 54, ist CTO des Computerherstellers Fujitsu Technology Solutions. Der Physiker und Informatiker ist einer der wichtigsten Vordenker des japanischen Technologiekonzerns. Auf der Cebit erläutert er im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Gadget-Inspektor Thomas Kuhn, warum der PC seine besten Jahre hinter sich hat.

Joseph Reger, CTO des Computerherstellers Fujitsu Technology Solutions ist der Ansicht, dass der PC immer mehr von der Bildfläche verschwinden wird.

WirtschaftsWoche: Herr Reger, angesichts der Flut neuer Smartphones und Tablet-Computer, die auch auf der Cebit zu sehen sind, prognostiziert mancher Marktbeobachter bereits das Ende des PC-Zeitalters. Ist es tatsächlich so, dass die klassischen Computer aus dem Alltag verschwinden?

Reger: Natürlich verschwinden PCs klassischer Bauart nicht. Es gibt weiterhin jede Menge Einsatzfelder, bei denen ein Desktop- oder Laptop-Rechner mit vollwertiger Tastatur, regulärem Bildschirm und Maus-Bedienung die sinnvollste Hardware-Konstellation ist. Und folglich sieht man auch dieses Jahr wieder jede Menge dieser Geräte auf der Cebit. Trotzdem stimmt die These – wenn man sie im übertragenen Sinne versteht, ob die Dominanz des PCs zu Ende geht. Das tut sie mit Sicherheit.

Die skurrilsten Neuheiten der CeBIT
Wie aus einem Science Fiction Streifen: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen hat ein intelligentes Auto entworfen. Es erinnert mit seinem höhergelegten Fahrwerk und der kuppelartigen Passagierkabine an ein futuristisches Mondgefährt. Der Zweisitzer ist mit einem flexiblen Fahrwerk, vier Radnabenmotoren und Rädern ausgestattet, die sich um 90 Grad drehen lassen. Dadurch kann der Wagen auf der Stelle wenden, seitwärts oder diagonal fahren - was das Einparken deutlich leichter macht. Und sollte die Parklücke trotzdem noch zu eng sein, kann sich das Auto einfach einen halben Meter kürzer machen, indem es sein Fahrwerk zusammenschiebt. Noch wichtiger ist die Schrumpfkur jedoch für die zentrale Idee der Bremer Wissenschaftler: das Koppeln von mehreren Fahrzeugen aneinander. Will der Fahrer auch noch die Kinder mitnehmen, hängt er ein zweites Modul mit Passagierkabine an. Geht es zum Baumarkt, kommt die Laderampe dran. Das Auto besteht also immer nur aus den Teilen, die gerade notwendig sind. Quelle: Presse
Audi präsentiert sich erstmalig auf der CeBIT mit einem eigenen Messestand. Unter dem Schlagwort AUDI connect zeigt die Marke auf der weltweit größten Messe für Informationstechnik ihre aktuellen und künftigen Lösungen für mobile IT-Anwendungen. Ein weiteres Highlight: der AUDI A3 der kommenden Generation. Er nutzt als erstes Modell der Marke den Modularen Infotainment Baukasten. Quelle: dapd
Auf der CeBIT 2012 präsentiert Microsoft sein neues „Windows 8 to go“, eine besonders mobile Variante seines neuen Betriebssystems. Das System kann über einen USB-Stick auf jeden Rechner geladen werden, auf dem der Vorgänger Windows 7 installiert ist. Für den Fall, dass der Stick verloren geht, sind die Daten mit einer Verschlüsselungstechnik (Bitlocker) gesichert. Das Angebot richtet sich aus Sicht des Unternehmens an die Erfordernisse unserer Zeit: die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen müssten eine immer größere Zahl an mobilen Geräten managen und pflegen. Windows 8 könne dabei helfen, die Kundenbeziehungen und die Arbeit der Mitarbeiter zu erleichtern. Mit Windows 8, das speziell auch auf die Bedienung über berührungsempfindliche Displays ausgelegt ist, will der Softwarekonzern endlich den Sprung auf die populären Tablet-PCs schaffen. Die „Neuerfindung“ von Windows soll im Herbst 2012 auf den Markt kommen. Quelle: dpa
Die intelligente Käsetheke erkennt, auf welche Ware oder Angebotstafel Kunden deuten. Eine über der Frischetheke angebrachte Tiefenkamera ermittelt auf zwei Zentimeter genau das Ziel einer Zeigegeste. Informationen über das gewählte Produkt werden auf einem Display angezeigt. Kunden interagieren natürlich, ihre Wünsche werden verstanden, Nachfragen, Missverständnisse vermieden, die Beratung wird verbessert. Ein wahres Käseparadies. Weitere Informationen: www.innovative-retail.de Quelle: AP

Das klingt wie ein Widerspruch. Können Sie den erklären?

Über drei Jahrzehnte waren Desktops und Laptops für die Menschen die einzig relevanten Formen, um persönlich einen Computer zu nutzen. Entsprechend hat der PC seinen Siegeszug durch Büros und Wohnungen angetreten. Die Zeiten aber sind vorbei. Heute bringen moderne Smartphones und Tablets eine so beträchtliche Rechenleistung mit, dass sie eine ähnliche Benutzererfahrung möglich machen wie der stärkste, modernste PC. Zugleich ermöglichen sie eine intuitivere Steuerung bei handlicherem Format und längeren Laufzeiten. Das sind Geräte, mit denen wir Menschen digitale Inhalte ganz anders nutzen als in der Vergangenheit; passiver, konsumierender. Und weil die Mehrheit von uns eben keine Kreativen sind, sondern Konsumenten, gewinnen die neuen Geräte enorm an Relevanz. Formfaktoren und Gewichte der uns begleitenden Computer verschieben sich. Zulasten der PCs.

Wie weit geht das?

Schwer zu sagen. Ich möchte mal behaupten, dass in vielen Fällen, in denen heute ein Privatanwender noch einen PC auf dem Tisch stehen hat, gar keiner wirklich benötigt würde. Denn in Wahrheit arbeiten viele Menschen gar nicht in größerem Maße kreativ damit, sondern rufen nur Inhalte aus dem Netz ab, lesen E-Mails oder schauen sich fertige Videos an. Es weiß bloß noch keiner genau, wie sich die Gewichte von Kreativen und Konsumenten in der multimedialen Welt tatsächlich aufteilen. Grob geschätzt könnte die Relation bei uns bei eins zu neun liegen.

Die Frage die sich daran anschließt ist, ob das an Kreativität reicht, um als Gesellschaft innovativ genug zu sein. Entscheidend wird sein, nicht wie viele, sondern dass genügend Menschen kreativ sind. Aber das ist natürlich eine Frage, die sich nicht daran entscheidet, mit welcher Form von Computer wir arbeiten.

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