WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gamescom Die Spielebranche macht mobil

Auf der Spielemesse Gamescom zeigt sich die Krise der Branche. Selbst Zynga, der Erfinder der boomenden Facebookspiele, hat massive Probleme. Nun suchen die Computerspielefirmen ihr Heil auf dem Smartphone.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Ein Fest für Zocker - Zwischen dem 15. und dem 19. August findet die Spielemesse

Auf den ersten Blick ist in Köln dieser Tage alles wie jedes Jahr im August. Von den Plakatwänden der Stadt gucken schwerbewaffnete Krieger bedrohlich drein, die Helden diverser Computerspiele werben so um ihre Käufer. Und die werden ab Mittwoch wieder zu Tausenden auf die Gamescom strömen um neue Spiele schon einmal anzuspielen, bevor sie zum Weihnachtsgeschäft in die Läden kommen.

Im Vorjahr drängelten sich 275.000 Spielefans in den aufgeheizten Hallen und die Messe hofft, diesen Rekord sogar noch zu übertreffen. Dabei mussten 2011 am Samstag sogar zwischenzeitlich die Tore geschlossen werden. In diesem Jahr sind die Tickets für den besucherstärksten Tag von vornherein begrenzt und nahezu ausverkauft.

Mehr als 300 Titel sind erstmals in Deutschland anspielbar, darunter neue Abenteuer von Lara Croft in „Tomb Raider“ oder Fortsetzungen von Sport-Simulationen wie „Pro Evolution Soccer“ und „Need for Speed“ und Ego-Shootern wie „Call of Duty“, „Far Cry“ und „Crysis“.

Blockbuster sollen Risiken minimieren

Schon in den vergangenen Jahren setzten die Spielehersteller vor allem auf Fortsetzungen erfolgreicher Titel, denn die Kosten der Spieleentwicklung sind längst in die Dimension von Hollywoodfilmen vorgedrungen und wie die Filmbranche begrenzen auch die Spielestudios das Risiko, indem sie die Millionen in erprobte Blockbuster stecken.

Denn selbst damit ist der Erfolg nicht unbedingt garantiert, schaut man hinter die Kulissen der  Spielewelt, zeigt sich dass die Branche in der Krise steckt. So fiel der Umsatz mit Konsolenspielen in Deutschland im ersten Halbjahr um sieben Prozent auf 300 Millionen Euro. Der deutsche Videospielmarkt wird im laufenden Jahr nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom leicht schrumpfen. Der Umsatz mit Spielen und Geräten werde knapp vier Prozent unter dem Vorjahresniveau bei 2,5 Milliarden Euro liegen, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Ralph Haupter. Der Grund liege vor allem in der längeren Lebensdauer von Spielekonsolen, die über Software-Updates oder Peripherietechnik länger genützt würden.

Die Branchenriesen schwächeln

Die erfolgreichsten Computerspiele
Computerspiel Crysis 2 Quelle: dpa
Screenshot Fußball Manager 12 Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 - Einfach tierisch Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 – Traumsuite Accessoires Quelle: screenshot
Screenshot Anno 2070 Quelle: screenshot
Screenshot Battlefield 3 Limited Edition Quelle: screenshot

Und so werden wohl auch große technische Neuerungen auf der Messe ausbleiben. Sony dürfte die neue Generation seiner Konsole erst 2013 vorstellen, auch eine schlankere und billigere Version der Playstation 3 wird vermutlich erst nach der Messe präsentiert. In den Lagern stehen noch zu viele Geräte der jetzigen Version, heißt es in der Branche. Der Xbox-360-Hersteller Microsoft spart sich nach dem ersten Quartalsverlust der Firmengeschichte gleich den Stand in Köln - anzukündigen hat der Konzern derzeit ohnehin nichts. Nintendo wiederum hat mit der Wii U den anstehenden Nachfolger der Wii im Köcher, schwänzt aber ebenfalls die Messe.  

Millionenumsätze mit kostenlosen Spielen

Trotzdem vermeldet der Veranstalter mit 600 Ausstellern einen neuen Rekord, im Vorjahr waren 557 Firmen gekommen. Darin spiegelt sich die generelle Entwicklung der Branche: Die Branchenriesen schwächeln auch deshalb, weil ihnen zahlreiche kleine Wettbewerber das Leben schwer machen.

Mit kostenlosen Spielen und günstigen Handy-Games buhlen sie um die Aufmerksamkeit der Spieler. Nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkoms nutzen knapp zwei Drittel der Spieler kostenlose Angebote im Internet, fast die Hälfte (41 Prozent) spielt sogar ausschließlich Gratisgames. Mit Zusatzfunktionen und dem Verkauf von virtuellen Gegenständen verdienen Unternehmen wie Zynga, Wooga oder Bigpoint trotzdem Millionen. Im ersten Halbjahr wurden damit in Deutschland laut BIU 145 Millionen Euro umgesetzt, im Vorjahreszeitraum waren es noch 89 Millionen Euro.

Auch Amazon macht jetzt Facebook-Spiele

Allerdings sind auch die Facebook-Spiele längst kein Selbstläufer mehr. Als Amazon-Chef Jeff Bezos in der vergangenen Woche mit der Gründung eines eigenen Studios für Computerspiele überraschte, stellte das Unternehmen die wichtigste Frage in seiner Ankündigung gleich selbst: „Wieso macht Amazon social games? Gute Frage!“

Denn mit Zynga hat der Erfinder der social games, wie die kostenlosen Spiele im Fachjargon heißen, hat derzeit enorme Probleme. Im zweiten Quartal schrieb Zynga 23 Millionen Dollar Verlust, der Aktienkurs ist unter drei Dollar gefallen. Beim Börsendebüt im Dezember kosteten die Papiere zehn Dollar.

Zynga kämpft an mehreren Fronten

Nichts neues bei Zynga - Nach Dauerbrennern wie

Zynga hat es nicht geschafft, wirklich neue Spielehits zu produzieren. Mit „FarmVille“, „CityVille“ und Poker spielen drei der Dauerbrenner weiterhin 60 Prozent der Einnahmen ein. Daher wollte sich das Unternehmen mit teuren Zukäufen helfen. 180 Millionen Dollar hatte Zynga im Frühjahr für OMGPOP ausgegeben, dass mit “Draw Something” den Überraschungshit des Jahres hingelegt hatte. Zudem wollte sich Zynga mit dem iPhone-Spiel im boomenden Smartphone-Segment stärken. Doch das Malspiel war nur ein kurzer Hype:  Die Nutzerzahl brach seit dem Deal im Frühjahr von mehr als 14 auf 3,5 Millionen ein.

Verdacht auf Insiderhandel bei Zynga

Als Konsequenz musste der Chef des Tagesgeschäfts, John Schappert, gehen - dabei war er erst im Vorjahr mit einem 40-Millionen-Dollar-Gehalt vom Spieleriesen Electronic Arts (EA)abgeworben worden. Und zu allem Überfluss bekommt das Unternehmen auch juristischen Ärger: EA klagt gegen Zyngas Spiel „The Ville“, dies sei eine Kopie der populären „Sims“. Zudem haben Anleger eine Klage wegen des Verdachts auf Insider-Handel eingereicht, da Zynga-Gründer Mark Pincus Aktien im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar verkauft hatten, bevor sie im Juni die Erwartungen drastisch senkten.

Schapperts Nachfolger wollen die Entwicklung von Handyspielen forcieren, denn dieses Segment wächst derzeit am schnellsten. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr zehn Millionen Spiele für Smartphones verkauft - ein Anstieg von 60 Prozent. Auf der Spielemesse Gamescom bekommen die Mobile Games erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich.

Alles auf das Smartphone

Die Verknüpfung mit dem Smartphone steht auch bei den Entwicklern von Facebook-Spielen ganz oben auf der Agenda. Wooga aus Berlin stellt bereits die Hälfte seiner über 200 Mitarbeiter auf die Arbeit an Smartphone- und Tabletfunktionen ab. Die Entwicklung von Spielen für den Facebook-Konkurrenten Google+ wurden dagegen wieder eingestellt.

Die erfolgreichsten Apps
Moorhuhn-Deluxe Quelle: Screenshot
Wo ist mein Wasser? Quelle: Screenshot
Flight Control Quelle: Screenshot
Pflanzen gegen Zombies Quelle: Screenshot
Angry Birds Rio
AppBox Pro Quelle: Screenshot
Angry Birds Seasons Quelle: Screenshot

Der britische Entwickler King.com, der innerhalb eines Jahres zu einem der drei erfolgreichsten Spieleentwickler bei Facebook aufgestiegen ist, hat es bei seinem Spiel „Bubble Witch Saga“ erstmals möglich gemacht, dass die Nutzer das identische Spiel am Computer auf dem iPhone oder dem iPad spielen und jederzeit auf einem anderen Gerät fortsetzen können.

Wie erfolgreich die Smartphone-Spiele inzwischen sind zeigt aber vor allem Rovio. Die Finnen haben es mit ihren „Angry Birds“ in verschiedenen Versionen gleich mehrfach in die Liste der erfolgreichsten Apps aller Zeiten geschafft.

Digitale Welt



Danach brachten sie das Spiel mit den Vögeln, die gegen Schweine kämpfen im Frühjahr auch auf Facebook, wo es bald die Marke von 20 Millionen Spielern knackte. Als letztes folgt nun der Sprung von Smartphones auf Konsolen. Die „Angry Birds Trilogy“ soll im Herbst für Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo 3DS erscheinen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%