WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Gamifikation Wer spielt, arbeitet motivierter

Wer den Spieltrieb des Menschen clever anspornt, kann ihn erfolgreich motivieren und Kunden besser binden. So wie Nike, SAP und die Rabobank setzen bereits viele Unternehmen auf diese Strategie.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Orks im Hörsaal (Symbolbild): Gamifikation hilft, kompliziertes Wissen zu vermitteln Quelle: Paul Trakies

Wenn Steffen Walz das Kunstwort Gamifikation erklären will, ist er selbst sein bestes Beispiel. Der Spieleforscher am Royal Melbourne Institute of Technology im australischen Melbourne erhielt kurz vor seinem 40. Geburtstag von seinem Arzt eine unerwartete Diagnose: Diabetes Typ 2. Zuckerkrank, dafür fühlte sich der Vater zweiersiehe kleiner Kinder viel zu jung. Doch seine Kochleidenschaft hatte sichtbare Spuren auf den Hüften hinterlassen. Die Kilos sollten weg. Walz, der auch ein Spielelabor in Karlsruhe leitet, verzichtete auf Alkohol und pflegte wieder seine alte Leidenschaft Tischtennis. Aber das Wichtigste: Er verbündete sich mit seiner intelligenten Waage namens Aria des Herstellers Fitbit.

Die erfolgreichsten Computerspiele
Computerspiel Crysis 2 Quelle: dpa
Screenshot Fußball Manager 12 Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 - Einfach tierisch Quelle: screenshot
Screenshot Die Sims 3 – Traumsuite Accessoires Quelle: screenshot
Screenshot Anno 2070 Quelle: screenshot
Screenshot Battlefield 3 Limited Edition Quelle: screenshot

Sie tut zuerst, was alle Waagen tun: wiegen, den Body-Mass-Index sowie den Fett- und Wassergehalt bestimmen. Doch sie kann noch mehr – sie sendet die Werte auch an Mitstreiter im Netz, die darum wetteifern, wer am meisten Gewicht verliert. Alles wird gemessen und in Grafiken abgebildet. Wer macht die meisten Schritte pro Tag, ist am meisten in Bewegung? Wer sein Gewichtsziel erreicht, wird vom System, den Mitstreitern und, wer das will, per Twitter und Facebook angefeuert. Walz maß sich mit seiner Frau. Der Wettkampf trieb beide an: Ihre Gewichtskurven zeigten steil nach unten. Nach vier Monaten hatte er 20 Kilogramm Gewicht verloren und fühlte sich pudelwohl.

Für Walz ist klar: Fast überall lassen sich hilfreiche Spielsituationen einbauen, von der Belohnung für korrektes Zähneputzen, für die Extraportion Bewegung nach dem Mittagessen bis hin zu nervigen Haushaltstätigkeiten oder monotonen Arbeiten. Gamifikation nennt sich dieser Trend und meint, typische Elemente aus Spielen im vermeintlich ernsten Alltag zu nutzen. Dazu gehören etwa Highscores, also Tabellen, sortiert nach den Punktzahlen von Spielern, die diese beispielsweise für das Besiegen von Gegnern, Einsammeln von Schätzen oder schlichtes Überleben erhalten haben. Aber auch Fortschrittsbalken, die das Erledigen von Aufgaben visualisieren, Belohnungen oder Auszeichnungen zählen dazu, all das eingebettet in eine Geschichte. Die Programme nutzen unseren Spieltrieb und den Wunsch, sich zu vergleichen, um zu begeistern, etwas beizubringen oder monotone Arbeiten interessanter zu machen. Immer mehr Firmen setzen auf diese Methode.

Schnelles Wachstum: Wie der Gamifikation-Markt wächst und wie er sich verteilt. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Damit werden im Zeitalter des Computerspiels Spaß und Unterhaltung zu einer neuen Währung im Austausch für Arbeit. Der Unternehmensberatung Gartner zufolge breitet sich der Trend rasant aus: Schon 2015 wird es in 70 Prozent der 2000 größten Unternehmen der Welt solche spielerischen Anwendungen geben. Die Marktforscher von M2 Research erwarten, dass Firmen bereits 2016 knapp drei Milliarden US-Dollar damit verdienen werden, die Wirtschaft zum Spielplatz umzubauen. 2012 lag der Umsatz noch bei lediglich 220 Millionen US-Dollar.

Spielerisch gegen Diabetes

Das Geschäft spielerischer zu gestalten ist mittlerweile eine eigene Branche geworden. US-Unternehmen wie Badgeville und Bunchball bieten als Pioniere der Gamifizierung Systeme an, um etwa Leistungsvergleiche in die Web-Seiten der Kunden zu integrieren. Der US-Konzern Salesforce, Anbieter von Cloud-Computing-Diensten, hat Gamifikation in Produkte für den Vertrieb und den Kundenservice integriert.

Den Spieltrieb entdeckt

Diese Apps erweitern Ihre Realität
Wikitude World Browser (Android)Der Wikitude World Browser gibt jede Menge Hilfestellung für die Umgebung - vom Museum bis zum Bummel durch die Straßen fremder Städte. Beim Scannen der Umgebung erhält der Nutzer Informationen zu allen Sehenswürdigkeiten, die sich vor der Kameralinse befinden. So lassen sich beispielsweise auch interessante Orte finden und erklären, die der Reisende eventuell gar nicht auf der Liste hatte. Zusätzlich bietet die App eine Standortsuche, mit der sich Pizzerien, Cafés und Bars in der Umgebung aufspüren lassen. Acrossair AR Browser (iOS)Acrossair ist besonders vielseitig. Hält man sein iPhone horizontal, zeigt es den aktuellen Standort auf einer Karte an. Danach kann der User entscheiden, welche Informationen er angezeigt bekommen möchte. Wahlweise werden Kinos oder Hotels und Restaurants in der Umgebung eingeblendet. Außerdem lassen sich Wikipedia-Einträge zu bestimmten Orten anzeigen oder lokale Twitter-Nachrichten aufrufen. Mit einem digitalen Pin lässt sich der Standort speichern - zum Beispiel falls man sich das Café merken möchte, vor dem man steht. Sobald der Weg weiter geht, werden Informationen rechts und links des Weges in Form halbdurchsichtiger Ballons eingeblendet. Quelle: dpa
SnapShot Showroom (iOS)Neue Möbel für die Wohnung suchen, macht mit dieser App richtig Spaß. Denn Snapshop ermöglicht es, die neuen Möbel in der Wohnung anzusehen, ohne die vorhandenen Möbel dafür extra auszuräumen. Dafür muss der Nutzer nur ein Bild von einem Möbelstück aus einem großen Katalog der angesagtesten Marken auswählen und beim iPhone die Livekamera aktivieren. Jetzt lässt sich die Größe der Möbelteile verändern und Sofa, Tisch und Stühle auf dem Bildschirm verschieben. Auch Farbe und Muster lassen sich verändern. Über die App lassen sich die gewünschten Möbel auch direkt bestellen. Quelle: dpa
Golfscape GPS Rangefinder (iOS)Im Wettbewerb ist diese App sicher nicht erlaubt. Für Freizeitsportler kann sie eine große Hilfe sein. Der Golfscape Rangefinder zeigt den Standort auf dem Golfplatz an. Außerdem kann der Nutzer den gewünschten Landeplatz des Balles angeben. Die App berechnet dann den idealen Weg zum Ziel Insgesamt sind über 35.000 Golfplätze weltweit in der Anwendung hinterlegt. Quelle: AP
Star Chart (iOS und Android)Beim Blick in den Himmel wäre manch Sternengucker gerne schlauer. Wer wissen will, welchen Stern er gerade anschaut, sollte sich die App Star Chart anschaffen. Einfach die Kamera gen Sternenhimmel richten und den gewünschten Stern antippen. Neben dem Namen gibt die App auch an, wie weit der Stern entfernt und wie hell das Exemplar ist. Quelle: dpa
Theodolite (iOS)Diese App ist ein Muss für Wanderer und Aktivsportler. Sie enthält einen Kompass, GPS-Werkzeug, eine Zoom-Kamera, einen Abstandsfinder und eine Zweiachsenneigungs-Anzeige und ist ein elektronischer Ansichtsfinder. Für Nutzer, die noch mehr wollen, bietet die App zusätzlich eine Taschenrechnerfunktion mit der Höhen, Entfernungen und Zielpositionen bestimmt werden können. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Peaks (iOS)Peaks ist eine praktische AR-App für alle, die im Gebirge unterwegs sind. Einfach mit der Kamera des iPhone auf den Berg zeigen. Die App verrät dann die Höhe bis zum Gipfel und wie weit er entfernt liegt. Die Infos werden auch automatisch zu Fotos vom Berg hinzugefügt. Quelle: dpa
AR Basketball (iOS)Die macht das digitale Basketball-Erlebnis überall möglich. Einfach eine Paper-Markierung auf einen Tisch legen und die Kamera des iPhones auf den Marker richten. Auf dem iPhone wird das Papier als Basketballring zu sehen sein. Ein digitaler Ball lässt sich dann mit einer Wischbewegung über den Bildschirm werfen. Quelle: REUTERS

Walz nutzt seine persönlichen Erfahrungen und entwickelt gerade mit seinem Team in Karlsruhe gemeinsam mit dem Pharmakonzern Novartis ein Spiel: Es soll Diabetes-Patienten spielerisch dazu animieren, ihren Lebensstil nachhaltig zu ändern, sich gesünder zu ernähren und sich mehr zu bewegen.

Die Erwartung ist: Spielerische Elemente sollen die Motivation steigern. Das klappt auch am Arbeitsplatz bestens, wie Byron Reeves herausfand, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Stanford-Universität. Ein wesentliches Element sei dabei ein deutliches und sofortiges Feedback auch nach kleinen Projekterfolgen und nicht erst am Jahresende in Form eines Bonus. Das entspricht der Strategie in Spielen, eine Aufgabe – etwa einen Feind zu besiegen – in viele kleine Abschnitte zu zerlegen und das Erreichen einer neuen Stufe mit Punkten und Auszeichnungen zu feiern.

Das Prinzip ist nicht neu. Die Initiatoren machen sich ein Konzept zunutze, das die Verhaltenstherapie schon in den Sechzigerjahren nutzte: Die sogenannte Token Economy ist ein systematisches Belohnungssystem, das durch die gezielte Vergabe von Tauschgegenständen, etwa Münzen, Verhalten ändern soll. Tut der Betreffende das Gewünschte, erhält er Tokens. Die kann er dann nach einem festgelegten Plan in begehrte Aktivitäten oder Dinge tauschen, etwa fünf Tokens in einen Kinobesuch. Was heute chic Gamifikation heißt, ist im Grunde eine Weiterentwicklung dieses Systems, das ursprünglich in psychiatrischen Anstalten oder Gefängnissen angewandt wurde. Heute wird es vor allem um spielerische Elemente ergänzt, beispielsweise aus Fantasy-, Baller- oder Rollenspielen.

Die besten Beispiele für Gamifikation

Ein Vorbild ist etwa das weltweit meistverkaufte Handyspiel des finnischen Entwicklerteams Rovio Entertainment namens Angry Birds (englisch für Zornige Vögel). Innerhalb des Spiels gibt es ein klares Ziel: Eliminiere möglichst viele grüne Schweine, indem du sie und ihre Verstecke mittels Steinschleudern mit Vögeln beschießt. Der Spieler erhält bei jedem abgefeuerten Federvieh sofort Feedback, indem er beispielsweise ihren Einschlag hört, Objekte lautstark explodieren sieht oder Jubel ertönt. Anschließend summiert das Spiel die Punkte für die erbrachte Leistung. All diese Aspekte stimulieren das Unterbewusstsein weiterzumachen. Der Spieler will seine Fähigkeiten und die erreichten Punktestände kontinuierlich verbessern.

Solche Spiele gibt es schon eine Weile, Angry Birds stammt beispielsweise aus dem Jahr 2009. Die Frage ist: Warum entdecken die Firmen ausgerechnet jetzt den Spieltrieb? Ganz einfach: Weil ihre Kunden und Mitarbeiter genau das erwarten. „Wer heute in den Beruf kommt, hat schon mehr als 10.000 Stunden mit Videospielen verbracht“, erklärt Mario Herger, der für das Walldorfer Softwareunternehmen SAP eine weltweite Initiative zur Gamifizierung im Unternehmen leitet und jetzt mit seiner Firma Enterprise Gamification Consultancy von Kalifornien aus Unternehmen bei der Gamifizierung berät. Er ist überzeugt, dass alle Firmen in Zukunft nicht umhin kommen, ihr Geschäft für die Berufsstarter kompatibel zu machen. Die Generation Y gehe dahin, wo ein Spiel läuft, ist Heike Simmet, Professorin für Betriebswirtschaftslehre in Bremerhaven, überzeugt.

SAP ist nicht alleine, es gibt in vielen Branchen (siehe oben) eindrucksvolle Beispiele, wie gut Gamifikation funktioniert:

Verkäufer auf dem Kriegspfad

Die niederländische Rabobank, die in über 48 Ländern fast 60.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat eine eigene Abteilung, die sich damit befasst, spielerische Elemente im Finanzbereich einzusetzen. Maarten Molenaar, Gamifikation-Manager der Bank, fahndet nach den Erfolgsprinzipien guter Spiele: „Das Geheimnis erfolgreicher Gamifikation lautet: Kein Ziel ist erstrebenswerter als positive Emotionen.“

Eine ganze Lehrveranstaltung als Spiel

Brillen, Drohnen, Holodecks
DrohnenAuf dem Handy erscheinen im Kamerabild der AR Drone virtuelle Raumschiffe, die der Spieler anfliegen und per Knopfdruck abschießen muss. Quelle: Presse
Cyber-BrillenBrillen wie das Modell Oculus Rift, in die ein Bildschirm eingebaut ist, zeigen passend zur Kopfbewegung des Spielers den jeweiligen Bildausschnitt eines Computerspiels an. Quelle: Presse
DatenbrillenUnterwegs Schiffe versenken: Datenbrillen mit Bildschirmen wie etwa Google Glass machen es möglich. Quelle: Presse
Augmented RealityNeuartige Computerspiele wie X-Rift blenden Objekte und Figuren in das Bild der echten Welt ein. Quelle: Presse
TretmühlenAuf der Plattform Omni können Spieler mit Spezialschuhen auf der Stelle laufen, springen und sich drehen. Microsofts Kinect-Sensor überträgt die Bewegungen auf die digitale Spielfigur. Quelle: Presse

Beim ersten Problem, das er im Unternehmen lösen musste, ging es um Wartezeiten im Service. Es dauerte meist mehrere Tage, bis die Mitarbeiter die Frage der Kunden beantwortet hatten. Mithilfe dreier Elemente der Gamifikation verkürzte er die Wartezeit um die Hälfte:

  • Wettbewerb zwischen mehreren Gruppen,
  • unmittelbare Sichtbarmachung von Fortschritten,
  • Belohnungen.

Molenaar hat etwa eine elektronische Anzeige eingerichtet, die den Mitarbeitern – wie Hürdenläufern bei einer Olympiade – vor Augen führt, wo sie mit ihrer Leistung im Vergleich zu den anderen Serviceteams gerade stehen. Das weckt den sportlichen Ehrgeiz und belohnt die Mitarbeiter im Erfolgsfall mit einem Gemeinschaftserlebnis. Zudem hat, so die Erfahrung Molenaars, die unmittelbare Rückmeldung durch die Anzeigetafel einen deutlich höheren Einfluss auf das Verhalten als ein Personalgespräch am Jahresende.

Bestenlisten und Belohnungen sind wie geschaffen für Beschäftigte im Vertrieb, die sich schon seit jeher darin messen, wer beispielsweise der beste Verkäufer ist. Um ihren Vertrieb zu schulen, setzt die SAP daher auf ein Spiel namens Roadwarrior. Wer es startet, sieht als Erstes das Videobild eines Kunden, den es zu gewinnen gilt. Dann beginnt ein Verkaufsgespräch, bei dem der Spieler aus mehreren Antworten wählen kann. Ein kleiner Zeiger am Bildschirmrand verrät, wie es für ihn läuft. Grün steht für gut, rot für schlecht. Am Schluss sieht er, wie er im Vergleich zu seinen Kollegen abgeschnitten hat. Der Erfolg: Die Abschlussrate der SAP-Vertriebsleute ist durch die spielerische Schulung um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen.

Mit welchen Spielen Unternehmen ihre Mitarbeiter und Kunden stimulieren

Legenden des Lehrplans

Einhörner, Orks, Goblins und Elfen sind für Düsseldorfer Studenten keine unbekannten Wesen. Sie begegnen ihnen regelmäßig. Zumindest den rund 150 Studierenden des Bachelorstudiengangs Informationswissenschaft und Sprachtechnologie. Nicht zum bloßen Zeitvertreib, sondern zum Lernen. Denn seit dem Sommersemester 2013 steht bei ihnen „Die Legende von Zyren“ auf dem Lehrplan. Kathrin Knautz, Dozentin an der Düsseldorfer Universität, hat mit einem Team eine ganze Lehrveranstaltung als Spiel konzipiert. 600 Seiten Drehbuch sind dabei herausgekommen, eine Grafikerin zeichnete die Fantasy-Charaktere. Ziel war es, die bisher hohe Durchfallquote zu senken und die Studierenden zu motivieren, sich mit dem Stoff zu befassen.

Wer in die virtuelle Welt von Zyren eintaucht, muss als Student Rechenaufgaben, Lückentexte oder Multiple-Choice-Tests lösen, um für das nächste Level freigeschaltet zu werden. Für besonders fleißige Studenten gibt es zudem Zusatzaufgaben. Wer welches Niveau erreicht hat, wird angezeigt und spornt den Ehrgeiz der anderen an. Erreicht der Student eine bestimmte Punktzahl, hat er den Kurs bestanden.

Mit dem Ergebnis ist Knautz zufrieden: „In meinen Seminaren waren die Studierenden motiviert und besser vorbereitet.“

Tumorzellen zum Frühstück

Röchelnde Ungeheuer hetzen hinter bewegungsfaulen Menschen hinterher. Die einzige Rettung, um nicht von den virtuellen Zombies eingeholt zu werden: rennen. Denn wer Angst vor Zombies hat, joggt schneller. Die Jogging-App „Zombies, run!“ will unterhalten und die Gesundheit ihrer Nutzer fördern.

Magisches Rezept

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd

Etwas gelassener geht es bei dem Klassiker „Geocaching“ zu. Bei der digitalen Schnitzeljagd suchen Mitspieler auf der ganzen Welt mit GPS-Geräten nach versteckten Schätzen, die in wasserdichten Behältern irgendwo versteckt sind und die der Finder im Tausch mit einer neuen Gabe behalten darf. Mittlerweile soll es mehr als zwei Millionen solcher versteckten Schätze geben. Ganz offensichtlich helfen solche Spiele, den inneren Schweinehund zu überwinden, der einen sonst auf dem Sofa festhält.

Nicht um eine Schatzsuche, sondern um Ablenkung von Schmerzen geht es bei dem Spiel „Snow World“. Das haben Ärzte des Harborview Medical Center in der amerikanischen Stadt Seattle für Brandverletzte während der äußerst schmerzhaften Wundreinigung entwickelt. Erstaunliches Ergebnis: Die Ärzte senken die Schmerzwahrnehmung ihrer empfindlichen Patienten mit dem Spiel deutlich effektiver als mit hochdosierten opiumähnlichen Medikamenten.

Buchtipp

In Deutschland zögern Krankenhausärzte meist noch, Spiele einzusetzen, in den USA kommen immer mehr Patienten in den Genuss. Eines der teuersten und aufwendigsten ist das Projekt Re-Mission, das Pam Omidyar angestoßen hat, die Frau des Ebay-Gründers Pierre Omidyar. Spielerisch wird dort der Krebs besiegt, was die Widerstandskraft der Patienten und ihre Bereitschaft stärken soll, bei der oft langwierigen Therapie mitzumachen: So rauscht der Spieler beispielsweise als weißes Blutkörperchen durch den Körper. Deren Lieblingsspeise sind kleine und große Tumorzellen, die überall herumschwirren. Klar, dass der Spieler schnell die Verfolgung aufnimmt und versucht, so viele der schädlichen Krebszellen wie möglich zu verspeisen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Gesundheit und Kundenbindung kombinieren clevere Angebote wie „Nike+“. Ein Armband namens Fuelband des Sportartikelanbieters registriert alle Bewegungen seines Trägers, übersetzt diese in einen Zahlenwert, mit dem sich jeder mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt messen kann. Natürlich kann der Träger auch mit der Bestzeit seiner Laufrunde durch den Park prahlen. So stehen alle Jogger dieser Welt plötzlich im Wettbewerb miteinander – zumindest im Netz. Erwünschter Nebeneffekt für Nike: Das Spiel gilt in der Branche als extrem klebrig, weil es seine Nutzer immer wieder auf die Nike-Produktseiten führt.

Es klingt wie ein magisches Rezept: Einfach Kunden und Mitarbeiter ein wenig zocken lassen, Punktetabellen einrichten, virtuelle Orden und Belohnungen verteilen– und schon steigen Spaß, Umsatz und Produktivität.

Doch ganz so einfach ist es nicht, weiß Spieleexperte Walz: Ein nachhaltiges Spiel in einem Unternehmen müsse einen echten Nutzen bieten, die Teilnahme freiwillig sein, immer spannend und nie demotivierend. „Nur Punkte verteilen reicht nicht.“

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%