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Google "Indoor Maps" Wie das Einkaufen mit dem Smartphone funktioniert

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Ein fiktiver Shopping-Tag

Produkt-Scanner - Via App erfährt der Kunde Zusatzstoffe, Preisvergleiche und CO²-Bilanzen von Lebensmitteln. Quelle: REUTERS

10:30 Uhr: Ankunft auf dem Parkplatz. Einkaufsliste hervorkramen

Mit einem Klick rastet das Smartphone in den Halter am Einkaufswagen ein. Fast zeitgleich erkennt das Telefon via Satellitenortung, dass sich der Wagen dem Eingang des Supermarktes nähert – und öffnet automatisch den digitalen Einkaufszettel.

Die Liste ist lang und trotzdem schnell erstellt: Der Kunde muss nur die halb leere Milchtüte aus dem Kühlschrank nehmen und den Barcode per Handykamera scannen. Nächste Verpackung. Im Anschluss noch kurz durch die Rezepte im Smartphone geblättert und Coq au vin gewählt. Mit diesem Klick landen auch die dafür nötigen Zutaten auf der virtuellen Liste. Möglich machen so etwas heute schon die Apps von Real, Edeka und der Aufgabenplaner Wunderlist.

Künftig erfahren auf diese Weise jeden Tag Millionen von Smartphones en détail, was ihre Besitzer kaufen möchten. Und mit ihnen erfahren es Hersteller und Händler.

Die besten Shopping-Apps
Die besten Apps zum EinkaufenAmazon MobileDie App des US-Versandhändlers beeindruckt mit ihrer visuellen Produktsuche „Memo“ : Fotografiert der Nutzer ein beliebiges Produkt, erscheint kurz darauf der Link zur passenden Amazon-Seite. Bilderkennung und fleißige Mitarbeiter machen es möglich. Quelle: Screenshot
BarcooWer per Handykamera den Barcode auf einer Verpackung scannt, dem verrät die App Barcoo des Berliner Software-Anbieters checkitmobile unter anderem, wie viel das Produkt in anderen Läden kostet, welche Nährwerte es hat oder ob es Laktose enthält. Quelle: Screenshot
CoupiesWas früher das Gutscheinheft war, ist heute Coupies: Die App des gleichnamigen Kölner Startups zeigt Rabatte von Läden in der Umgebung an – zwei Mittagessen zum Preis von einem etwa oder Prozente beim Einkauf im Geschäft um die Ecke. Quelle: Screenshot
FastmallDas US-Startup FastMall hat Einkaufszentren in 31 Ländern kartiert. Besucher können sich per App wie mit einem Navi zum Shop ihrer Wahl führen lassen. Auch aktuelle Angebote von Geschäften blendet das Programm auf der Karte ein. Quelle: Screenshot
GrouponDas US-Werbeunternehmen Groupon vermittelt Rabatte in Geschäften, Online-Shops oder Restaurants, die nur dann zustande kommen, wenn sich genügend Interessenten finden. Mit der App können Nutzer per Mobiltelefon Angebote in der Nähe suchen, sie einkaufen und die Gutscheine vor Ort einlösen. Quelle: Screenshot
OdifyIm Restaurant nicht mehr auf den Kellner warten, sondern gleich per Smartphone bestellen: Das soll bald mit der App Ordify des Göttinger Startups Orderpass möglich sein. Darin können Restaurants ihre Speisekarten digital anbieten. Bestellt ein Kunde ein Menü, dann geht die Order auf direktem Weg in die Küche. Quelle: Screenshot
RepositoMit der App des Karlsruher Startups Reposito lassen sich Kassenzettel abfotografieren und in einem Online-Archiv als rechtsgültige Kopie für den Garantiefall aufbewahren. Per E-Mail erinnert die App automatisch an ablaufende Garantie- und Gewährleistungsfristen. Die App meldet sich auch, wenn ein Produkt aus dem Kassenzettelarchiv über das EU-Schnellwarnsystem Rapex zurückgerufen wird. Quelle: Screenshot

10:55 Uhr: Das Mobiltelefon berechnet anhand der virtuellen Einkaufsliste die optimale Route durch den Supermarkt

Für mehr als 2.000 Supermärkte in den USA ist das bereits Realität. Das Startup Aisle411 aus St. Louis hat eine App entwickelt, die die Regalreihen der Mega-Stores bis zur letzten Konservendose kennt und den Kunden anhand seiner Einkaufswünsche durch den Laden führt. Verbraucher müssen dort nicht mehr lange suchen, wenn sie mal ein spezielles Gewürz oder eine rare Fischsauce suchen. Dieses Jahr will Aisle411 weitere 15.000 Pläne für Einkaufsketten wie Home Depot, Safeway & Co. in der App bereitstellen.

Damit wird das Handy zu einer Art Shoppingnavigationsgerät. Die Technik regt längst auch die Fantasie der ganz Großen an: Google etwa baut seit vergangenem Jahr schon Innenraumpläne von Flughäfen, Shoppingmalls und Ikea-Märkten in seinen Kartendienst Google Maps ein.

Indoor Navigation nennen Experten diese Technik. Dafür installieren sie in großen Hallen oder Einkaufszentren Funknetze aus mehreren WLAN-Datenfunk-Sendern. Anhand der Stärke der Signale bestimmt die Software den Standort des Nutzers – fast metergenau. Der britische Mobilfunkdatenauswerter Path Intelligence etwa zeichnet mit dieser Technik schon in Filialen der Supermärkte Home Depot und J.C.Penney anhand der Positionsdaten auf, wie sich Kunden durch die oft Tausende Regalmeter großen Läden bewegen.

Zum einen soll die Ortungstechnik den Kunden die Suche nach Produkten erleichtern. Zum anderen hoffen Handelsketten, die Verbraucher mit dem Shoppingnavi gezielt zu Sonderangeboten locken zu können. Wer Frikadellen kauft, soll künftig einen Rabattgutschein für den Senf zwei Regale weiter angeboten bekommen.

Händler interessieren sich aber auch für den Weg selbst, den Kunden durch ihre Geschäfte wählen. Genauer als je zuvor erfahren sie mithilfe der Mobilfunktechnik, ob ihre Sonderangebote gut platziert waren, welche Regale beliebt sind und welche Aktionen am besten ankommen. So, wie Menschen Spuren im Internet hinterlassen, wenn sie Links anklicken, hinterlassen sie nun auch Spuren in der Realität, wenn sie vor einzelnen Regalen stehen bleiben.

Das Smartphone vernetzt die letzten Winkel unseres Alltags mit der elektronischen Welt – auch den Einkaufsbummel.

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