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Hacker-Angriff So schützen Sie sich im Netz mit sicheren Passwörtern

IT-Sicherheit: Mit sicheren Passwörtern gegen Cyber-Angriffe Quelle: Getty Images

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) streicht seine Empfehlung, Passwörter regelmäßig zu ändern. Höchste Zeit, sich ein paar wirklich gute Passwörter zuzulegen. Zehn Tipps, wie Sie sichere Codes finden – und sie dennoch im Kopf behalten.

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Den Ratschlag, lieber schwierige Passwörter zu nutzen, statt simple Codes häufig zu wechseln, gibt es schon länger. Jetzt rückt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von seiner langjährigen Empfehlung ab, Passwörter regelmäßig zu ändern. In der aktuellen Ausgabe des BSI-Grundschutz-Kompendiums wurde die entsprechende Textpassage gestrichen. Die Experten raten jetzt nur noch für den Fall, dass ein Passwort in fremde Hände geraten sein könnte, das Kennwort zu ändern. Auch die dort bisher aufgeführte Verpflichtung, feste Regeln für Länge und Komplexität vorzuschreiben, ist verschwunden.

Bereits seit Jahren sind Sicherheitsexperten der Ansicht, dass solche Regeln eher schaden als nützen. „Ein gutes Passwort kann man bedenkenlos über Jahre hinweg nutzen“, schreibt das Portal Heise Security. „Das regelmäßige Ändern führt eher dazu, dass man schwache Passwörter benutzt und diese beispielsweise nach einem Schema (geheim1, geheim2, ...) erzeugt.“ Sicherheitsexperte Prof. Markus Dürmuth, der an der Ruhr-Uni Bochum zu Themen wie Passwort-Sicherheit forscht, begrüßte den Kurswechsel des BSI: „Das ist ein sehr wichtiger Schritt, für den das BSI allerdings sehr lange gebraucht hat.“

Wie aber sehen sichere und praktikable Strategien für Passwörter und PIN-Codes aus? Und vor allem: Wie gelingt es, sich die trotzdem zu merken? Die folgenden zehn Tipps helfen Ihnen dabei:

1. Vorsicht 

Man mag es kaum glauben, aber viele Menschen sichern weder PC noch Smartphone überhaupt mit einem Zugriffscode ab. Dabei ist selbst ein schwacher Schutz besser als gar keiner – speziell auf Mobiltelefonen, die längst zum Zweithirn vieler Nutzer avanciert und mit Adresslisten, Fotos und dergleichen eine wahre Fundgrube für Hacker sind. Aktivieren Sie deshalb am Handy neben der PIN-Abfrage der SIM-Karte auch den Passwortschutz des Gerätes selbst – am besten mit einer mindestens sechsstelligen PIN – die nicht ihrem Geburtsdatum entspricht. So wird nicht nur die SIM, sondern auch das Mobiltelefon für Diebe unbrauchbar und der simple Zugriff auf die in den Apps gespeicherten Daten verhindert. Prüfen Sie zudem, ob die Passwortabfrage in Ihrem heimischen schnurlosen Funknetz (WLAN) aktiv ist. Sonst surfen Fremde kostenlos mit.

2. Abwechslung

Vermeiden Sie es, identische Passwörter für mehrere Zwecke zu nutzen. Wer im WLAN-Netz eines Cafés den gleichen Zugangscode zur Abfrage der E-Mails verwendet wie daheim für Zugriffe auf das Online-Bankkonto, handelt fahrlässig. Denn die Codes werden über Funk meist unverschlüsselt übertragen. Sicherheitsexperten empfehlen, wenigstens drei unterschiedlich komplexe Schlüssel für unterschiedlich sensible Anwendungen einzusetzen. Wichtig: Wenn die Gefahr besteht, dass ein Passwort bekannt geworden ist oder gar geknackt oder bei einem Hackerangriff auf einen Online-Dienst gestohlen wurde, tauschen Sie es sofort aus. Und zwar nicht bloß im betroffenen Konto, sondern auch in allen anderen, bei denen der betroffene Code zum Einsatz kommt.

3. Komplexität

Auch bei Passwörtern gilt: „Viel hilft viel“. Je länger und komplexer die Codes sind, desto sicherer sind sie. Je weniger Systematik und Semantik in ihnen steckt, desto besser. Vor allem der Einsatz von Sonderzeichen wie §, &, $ oder @ steigert die Zahl der Passwortalternativen enorm. Leider sind diese Schlüssel auch schwerer zu merken – sofern man sich nicht eines intelligenten Kniffs bedient.

4. Codes mit Gefühl

Reine Zahlencodes wie Handy-, EC- oder Kreditkarten-PINs geraten im alltäglichen Informationswust allzu leicht in Vergessenheit. Sie lassen sich besser merken, wenn Sie diese mit emotional relevanten Fakten assoziieren – und die voreingestellten Codes der Karten entsprechend umprogrammieren. Vergessen Sie Ihr Geburtsdatum, das recherchieren Datendiebe im Zweifel auch. Wie wäre es aber mit dem Tag, an dem Ihr Lieblingsverein zum letzten Mal Meister wurde, Sie Ihr Diplom gemacht oder die Ausbildung abgeschlossen haben? Darauf kommt keiner – und Sie können es zur Not sogar nachschlagen.

Tipps für sichere Passwörter: Länge hilft – Kürze aber auch

5. Passwörter mixen

Sicherer als reine Zahlen-PINs sind Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben. Sie haben am 31. März 89 geheiratet? Lesen Sie im Wechsel die Buchstaben von hinten, die Zahlen von vorn: „3z1r8ä9m“ ist schwer zu knacken, für Sie aber leicht zu merken. Mischen Sie die letzten vier Zeichen des Geburtsorts der Mutter und des Geburtsdatums des Vaters und lesen sie beides rückwärts. „h1c4i0r1“ errät niemand – Sie müssen sich lediglich die Systematik merken.

6. Codes verschlüsseln

Merken Sie sich statt vieler Zahlenfolgen nur eine, mit dem Sie alle anderen verschlüsseln. Die können Sie dann sogar im Adressbuch notieren. Wählen Sie ein Wort, bei dem sich in den ersten zehn Buchstaben keiner wiederholt, zum Beispiel „Aktienkurs“, „Herbstwald“ oder „Blumengruß“. Ersetzen Sie die Ziffern Ihrer PIN durch die an der entsprechenden Stelle Ihres persönlichen Schlüsselwortes stehenden Buchstaben. Bei „Herbstwald“ würde aus „4735“ der Code „bwrs“, aus „901628“ das neue „ldhtea“. Für Sie ist der Weg zurück ein Leichtes. Doch wer Ihr Geheimwort nicht kennt, hat kaum Chancen, die ursprüngliche Zahlenfolgen zu rekonstruieren.

7. Länge hilft...

Zumeist sind PINs und Passwörter relativ kurz. Wer – etwa bei der Wahl des Zugangsschlüssels für das WLAN-Funknetz, aber auch beim Start des PCs – die Möglichkeit hat, kann auch statt weniger Zeichen viele Buchstaben verwenden und sich einen Satz mit einem starken persönlichen Bezug merken: „Wedeln_im_Tiefschnee_ist_mein_Traum“ weiß ich sogar im Tiefschlaf. Sie finden sicher Ähnliches.

8. ...Kürze aber auch

Sehr sichere – aber deutlich kürzere – Codes lassen sich mithilfe von Sätzen oder den Titeln Ihrer Lieblingsbücher, -bands oder -hits bilden. Aus den ersten Buchstaben von „Seit 10 Jahren schnorchele ich vor Hawaii“ wird dann „S1JsivH“, aus den jeweils beiden letzten von „Money for nothing“ wird „ngorey“. Auch hier ist nur wichtig, dass Sie sich die Systematik merken. Ihren Lieblingstitel sollten Sie ohnehin kennen.

9. Sonderzeichen nutzen

Selbst vergleichsweise einfach zu merkende Schlüssel sind schwerer zu knacken, wenn Sie Buchstaben durch Zeichen ersetzen – etwa „T“ durch „+“, „H“ durch „#“, „E“ durch „3“, „I“ durch „!“ oder „S“ durch „$“. Wenn Sie sich den Satz merken können „Meine Tochter heißt Sarah“, dann sollte das auch mit „M+#$“ klappen.

10. Übung macht den Meister

Nicht jedes Passwort lässt sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Dann hilft nur noch Büffeln. Wirksam (und nicht nur bei Vokabeln bewährt) ist die Strategie, sich die Codes in wachsenden Abständen selbst abzufragen. Beginnen Sie dabei im Minutenabstand und steigern Sie die Zeiträume in Etappen. Wichtig ist, gerade selten benötigte Codes regelmäßig zu wiederholen. Sonst sind sie im entscheidenden Moment weg.

Mit Material von dpa

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