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Heftig.co Heftig.co-Gründer: "Wir klauen nicht"

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Die beiden Gründer des neuen Internetportals Heftig.co haben den Vorwurf zurückgewiesen, die Inhalte vor allem von anderen Portalen zu stehlen.

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Wie Heftig, Buzzfeed & Co. auf Leserfang gehen
Die Portale setzen auf emotionale Themen – dafür stehen Überschriften wie „Seine Mama ist an Krebs erkrankt. Also hat er etwas gemacht, das mich unglaublich berührt hat“ oder Doppelt niedlich: Katze streichelt weinendes Baby in den Schlaf. Quelle: REUTERS
Haustiere sind niedlich, aber Katzenbabys sind die Stars des Internets. Unterbewusst wissen wir, dass "Catcontent" peinlich, aber eben auch unglaublich süß ist - und klicken beinahe automatisch auf Geschichten, die mit einem Katzenbaby angepriesen werden. Quelle: AP
Auch Kuriositäten ziehen, etwa „24 Tiere, die Yoga machen“ oder „Er wog 560 Kilogramm: Der schwerste Mann der Welt ist tot“. Geben Sie es zu: An dieser Stelle hätten Sie lieber ein Foto von einem Katzenbaby in einer Yoga-Position gesehen. Quelle: dpa
Was nicht emotional oder skurril ist, berührt häufig den Alltag der Leser. Kostprobe: „ Diese Bilder zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich 200 Kalorien aussehen können“. Zu sehen ist eine Galerie mit Lebensmitteln von Äpfeln bis Gummibärchen. Quelle: dpa
Alle Portale setzen extrem auf klickoptimierte Überschriften. Dahinter verbergen sich indes meist dürre Artikel, in die eine Bildergalerie oder ein Youtube-Video eingebunden ist. Oft sind die Themen nicht aktuell, sondern geistern schon länger durchs Netz. Quelle: Screenshot
Die Portale locken viele Leser über soziale Netzwerke auf ihre Artikel – je häufiger ein Link geteilt wird, desto besser. Dementsprechend sind die Überschriften darauf getrimmt, dass die Nutzer sie gerne weiterverbreiten. Quelle: dpa

„Wir klauen nicht, wir kuratieren“, sagten Michael Glöß und Peter Schilling der WirtschaftsWoche in ihrem ersten Interview nach Bekanntgabe ihrer Identität. „Das bedeutet: Wir suchen Bilder und Videos, die Nutzer bereits anderswo im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Auch die Idee dazu, die bereits Gründer vergleichbarer US-Portale wie Buzzfeed und Viralnova hatten, habe Heftig.co nicht einfach übernommen. „Wir sind kein Klon“, so Glöß und Schilling.“ Heftig.co analysiere vielmehr verschiedene Internet-Plattformen nur und arbeite dann ganz unterschiedliche Eigenschaften heraus. „Diese kombinieren wir dann so, dass sie im deutschen Markt funktionieren, da ist unser eigener, originärer und innovativer Ansatz.“

Heftig.co verbreitet in erster Linie persönliche Erlebnissen sowie Tiergeschichten und spricht die Nutzer über gezielt emotionale Überschriften an. Damit ist es Glöß und Schilling gelungen, innerhalb von fünf Monaten die führenden Portale auf Facebook wie Bild.de und Spiegel Online zu überholen.

"Bild-Zeitung ist betulich geworden"

Die beiden Gründer des neuen Internet-Portals Heftig.co gehen hart mit den etablierten Boulevard-Medien in Gericht. „Tatsache ist, dass der klassische Journalismus und sogar die deutschen Boulevardmedien Millionen von Menschen gar nicht erreichen“, sagten Michael Glöß und Peter Schilling gegenüber der WirtschaftsWoche in ihrem ersten Interview nach Preisgabe ihrer Identität. „Seitdem sogar die „Bild-Zeitung so betulich und staatstragend geworden ist, öffnen sich neue Räume, die andere nicht bedienen.“ Manchmal hätten sie das Gefühl, „dass sich die Journalisten doch sehr weit von der Lebenswelt ihrer Kunden entfernt haben und sich oft über ihre eigentlichen Brötchengeber erheben.“

Sorgen davor, ihrerseits von anderen Online-Seiten kopiert zu werden, haben Glöß und Schilling nicht: „Wir haben mit unseren aktuell 750.000 Facebook-Fans eine viel größere Basis als alle unsere Rivalen zusammen. Und wir gewinnen teilweise so viele neue Fans am Tag hinzu, wie mancher Rivale insgesamt hat. Wir versuchen also, die Klone auf Abstand zu halten.“

Finanzierung aus eigenen Mitteln

Die Gründer des neuen Internet-Portals Heftig.co. wollen sich konsequent von den vorhandenen Nachrichten-, Magazin- und Boulevard-Portalen absetzen. „Wir betreiben keinen Journalismus“, sagten Michael Glöß und Peter Schilling der WirtschaftsWoche in ihrem ersten Interview nach Bekanntgabe ihrer Identität. „ Keine Politik, keine Wirtschaft, keine Celebrities. Unsere Fans wollen keine Nachrichten. Bei uns geht es also um pure Emotion und Empathie.“ Als Zielgruppe von Heftig.co sehen Glöß und Schilling weibliche Nutzer eher jüngeren Alters, die bisher kaum Medien konsumieren. „Das sind, salopp gesagt, Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, die eigentlich nicht medienaffin sind“. Diese seien „sehr neugierig darauf, wie es anderen echten Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen ergangen ist. Wie zum Beispiel andere Leute ihre ganz persönlichen Krisen bewältigen, Happy End inklusive“. Fans von Heftig.co wollten per Klick im Internet „ihr ehrlich empfundenes Mitgefühl ausdrücken“.

Gründer zielen gegen Google

Die beiden Gründer von Heftig.co zielen mit ihrem Internetportal, das fast ausschließlich über Facebook zu erreichen ist, gegen Google. Damit wollten sie „beweisen, dass man auch ohne Google und Suchmaschinenoptimierung eine stark besuchte Internet-Seite aufbauen kann“, sagten Michael Glöß und Peter Schilling der WirtschaftsWoche. In der gegenwärtigen Debatte um die Marktmacht von Google gehe es um die Frage, ob es jenseits von Google digitale Content-Formate und lukrative Geschäftsmodelle gebe, die ohne Google funktionieren. „Wir haben mit Heftig.co bewiesen, dass es sogar komplett ohne Google geht“, so Glöß und Schilling. „Der gesamte Traffic kommt bei uns von Facebook.“

Das sind Deutschlands Internetriesen
Platz 10: YouTubeUmsatz 2013: 147 Millionen Euro*Der Video-Kanal schafft es mit zwei Millionen Euro Umsatz Vorsprung auf den elftplatzierten Mobile.de gerade noch in die Top Ten. Diese zehn größten Internetunternehmen generieren gemeinsam bereits 42 Prozent des gesamten Marktumsatzes der Top 1000. Dabei sind Film, Video & TV-Anbieter absoluter Vorreiter beim mobilen Traffic. Fast 56 Prozent der Visits kommen hier von mobilen Endgeräten. Zweitstärkstes Segment mit weitem Abstand sind Nachrichten mit 30,6 Prozent. Quelle: Statista 1000 Top-Internetunternehmen in Deutschland: Die Marktanalyse von Statista erfasst erstmals wesentliche Teile der Netto-B2C Wertschöpfung aus werbefinanzierten Angeboten, bezahlten digitalen Inhalten und Services auf Anbieterebene und bildet auf dieser Basis ein Umsatzranking der 1000 größten digitalen Anbieter ab. Im Vorfeld wurden hierzu mehrere tausend Websites auf ihre Relevanz untersucht. Quelle: dpa
Platz 9: Immoscout 24Umsatz 2013: 155 Millionen EuroSuchportale wie der Wohnungs- und Immobilienvermittler Immoscout, Reise-Vermittler, Kleinanzeigen und digitale Güter von Generalisten sowie Preisvergleiche, treiben den Markt und generieren 66 Prozent des erfassten Gesamtmarktvolumens. Quelle: Screenshot
Platz 8: Google PlayUmsatz 2013: 155,6 Millionen EuroMit iTunes, GooglePlay und YouTube bestimmen drei internationale Player das Spielfeld „Digitale Güter“. Das Segment Film, Video & TV (23 Prozent) wird von Senderablegern sowie internationalen Anbietern beherrscht, die verstärkt in den Markt drängen (z. B. Lovefilm, Watchever). Quelle: AP
Platz 7: Check24Umsatz 2013: 157 Millionen EuroVergleichsportale zählen zu den beliebtesten Inhalten im deutschen Internet. Mit 18,9 Prozent legt das Segment „Digitale Güter“ das stärkste jährliche Wachstum seit 2011 vor, gefolgt von digitalen Services mit 11,1 Prozent sowie den digitalen Content-Angeboten mit 8,9 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 6: bwinUmsatz 2013: 169,1 Millionen EuroBwin ist Deutschlands führender Anbieter von Sportwetten und Online-Gaming. Das Unternehmen wurde 1999 unter dem Firmennamen Simon Bold (Gibraltar) Ltd. gegründet und 2001 von der in Wien ansässigen, börsennotierten bwin Interactive Entertainment AG zu 100 Prozent erworben. Nach einer Fusion mit PartyGaming Plc im März 2011, ist dieses Unternehmen jetzt Teil der bwin.party Gruppe. Das Mutterunternehmen der Gruppe ist bwin.party digital entertainment plc, ein in Gibraltar registriertes und an der Londoner Börse notiertes Unternehmen. Quelle: dpa
Platz 5: Booking.comUmsatz 2013: 189,1 Millionen EuroBei Booking.com handelt es sich um ein ursprünglich niederländisches Reiseportal, das 1996 auf den Markt kam und seither wächst und wächst. Die deutschen Anbieter digitaler Dienstleitungen erwirtschaften nur 13 Prozent des Umsatzes der Top Ten des Segments Digitale Services. Quelle: Screenshot
Platz 4: FacebookUmsatz 2013: 228 Millionen EuroDas von Mark Zuckerberg erdachte soziale Netzwerk gehört zu den absoluten Riesen im Internet mit derzeit rund 1,2 Milliarden Mitgliedern. Quelle: dpa

Dabei wollen es die Heftig.co-Gründer nach eigenen Angaben auch belassen. Auf die Frage, ob sie auch andere Internetportale bespielen wollten, sagten Glöß und Schilling: „Nein, nur Facebook.“ Mit den anderen Plattformen hätten sie sich „nicht sonderlich“ beschäftigt. „Es ist ja auch nicht viel los bei Google+, das wird vor allem für Hangout-Videokonferenzen genutzt. Twitter wiederum hat nicht die Zielgruppe, die wir ansprechen wollen – das ist eher eine kleine Avantgarde.“

Die beiden Gründer des neuen Internetportals Heftig.co wollen künftig mit Online-Werbung Geld verdienen. „Bisher haben wir uns aus Eigenmitteln finanziert“ sagten Michael Glöß und Peter Schilling der WirtschaftsWoche. „Wir verhandeln aktuell mit Online-Vermarktern, um das Geschäft mit der Online-Werbung zu professionalisieren – aber langsam und behutsam“. Bisher habe Heftig.co nur „mit ganz wenig Google-Werbung“ auf der Web-Site experimentiert. Ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Internet-Portalen sehen Glöß und Schilling darin, das sie mit ihrem Gesprächsstoff „direkt in die laufende Konversation“ der Nutzer eingriffen. Persönlicher er gehe es nicht, so die Plattform-Gründer. „So weit konnten bislang weder klassische Medien noch Werber vorstoßen.“

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