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IFA 2015 So sieht der Medienkonsum der Zukunft aus

Persönlicher, sozialer, vielfältiger: Die Digitalisierung verändert unseren Medienkonsum - und das Tempo des Wandels beschleunigt sich. Ein IFA-Ausblick - und fünf Thesen zur Zukunft des Medienkonsums.

Die wichtigsten Messe-Trends
Trend 1: Ultrahohe Auflösung und sattere FarbenUHD wird endlich massentauglich, versprechen die Aussteller der Messe IFA. Dabei ist eine  Auflösung von acht Millionen Bildpunkten bei großen, teuren Fernsehern schon länger üblich (hier ein Bild von der CES 2015). Nur in viele Wohnzimmer haben es die ultrahochauflösenden Bildschirme noch nicht geschafft, auch weil es bislang wenig Filme gibt, die deren Potenzial überhaupt ausnutzen. Doch die großen Studios haben bereits angekündigt, ihre kommenden Blockbuster anzupassen. Deshalb bohren die Hersteller ihre Produkte jetzt noch weiter auf. Dank „High Dynamic Range“ (HDR) sollen die kommenden Fernseher mit mehr Helligkeit und tieferen Schwarzwerten einen plastischeren Kontrast und mehr Tiefenwirkung ermöglichen – auch ohne zusätzliche 3D-Technologie. Neue Varianten an LCD und OLED-Bildschirmen versprechen insgesamt natürlichere Farben. Einen Run auf die neuen Geräte könnten die Hersteller gut gebrauchen, denn bislang scheint der TV-Markt gesättigt. Im ersten Halbjahr brach der Umsatz in Deutschland um 16,5 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro ein. Quelle: dpa
Trend 2: Noch mehr SmartphonesSchicker, schneller und vor allem größer: Seit Jahren versuchen die Smartphone-Hersteller sich mit neuen Superlativen zu übertrumpfen. Angesagt sind derzeit vor allem große Geräte mit mehr als fünf Zoll Bildschirmdiagonale und LTE-Funkverbindung. Beides seien ehemalige Premium-Merkmale, die nun schon in der Mittelklasse zu finden sind, sagte Arndt Polifke, Global Director für Telekommunikation beim Marktforscher GfK der Nachrichtenagentur dpa. "Die Herausforderung für die Hersteller besteht darin, Kaufanreize durch immer neue technische Spezifikationen zu bieten bei einem weitgehend gesättigten Markt in Deutschland und Europa." Oberklasse-Modelle kämen deshalb etwa mit innovativen Formfaktoren, Metallgehäusen, mit besseren Kameras, 4K-Videofunktion, Highend-CPUs, drahtloser Ladefunktion oder hochwertigen Displays daher. Das Geschäft der Handybauer läuft gut: Allein im Jahr 2015 sollen rund 25,5 Millionen Smartphones abgesetzt werden - plus sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kein Wunder, dass die Hersteller stetig neue Modelle auf den Markt werfen. Unter anderem Sony hat bereits angekündigt, auf der IFA ein neues Smartphone enthüllen zu wollen – angeblich mit einer besonders guten Kamera. (Das Bild zeigt das Sony Xperia M4 aus dem Frühjahr 2015). Quelle: AP
Trend 3: Mehr Klang, mehr RäumeDie Gerätehersteller arbeiten nicht nur an einem besseren Bild, auch den Klang wollen sie aufgewerten. Für den Heimkinobereich sind derzeit Dolby Atmos und DTS:X angesagt, also Verfahren, die unter anderem einen besonderen 3D-Klang mit Höhendimensionen ermöglichen. So sollen die Zuschauer den Hubschrauber im Film tatsächlich über ihren Köpfen kreisen hören. Außerhalb des Heimkinos wird derweil das Ende des Kabels eingeläutet. „Lautsprecher, die über W-LAN oder Bluetooth Funkkontakt mit ihren Zuspielern pflegen, zählen zu den IFA-Trendprodukten für den guten Ton“, teilt der Veranstalter mit. Durch die Verknüpfung verschiedener Boxen lassen sich so schnell Mehr-Raum-Systeme aufbauen. Quelle: Presse
Trend 4: WearablesClevere Uhren und Fitness-Armbänder, die den Körper genau vermessen: Auch bei der IFA 2015 stehen „Wearables“ im Fokus. Der Trend „fördert nicht nur Sport und Spaß, er wird künftig auch telemedizinische Anwendungen stützen und somit dazu beitragen, dass ältere Menschen länger selbständig in ihren gewohnten Umgebungen leben können“, heißt es vom Messe-Ausrichter. Mit Spannung erwartet wird etwa die Vorstellung der neuen Samsung-Uhr "Gear S2" (Bild). Quelle: REUTERS
Trend 5: Smart Home „Smart Home“ ist auf der IFA seit Jahren ein Schlagwort (Bild von 2013). Langsam wird das vernetzte Zuhause aber auch für den Normalbürger greifbar. Selbst nach konservativen Schätzungen dürfte es bis 2020 mehr als eine Million Haushalte geben, die entsprechend mit moderner Haustechnik vernetzt sind, teilte jüngst der Verband der Internetwirtschaft eco mit. Selbst einfache Haushaltsgeräte werden mittlerweile mit eingebauter Intelligenz  verkauft.  So hat die neue Waschmaschinen-Serie von Siemens-Hausgeräte eine Dosierautomatik für das Waschmittel. Sensoren erfassen Textilart, Verschmutzungsgrad und Beladungsmenge, daraus wird die benötigte Waschmittelmenge errechnet. AEG mischt in einem Modell das Waschmittel zunächst vor und sprüht es auf die noch trockene Wäsche. So soll es beim Waschen schneller wirken. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom können sich immer mehr Deutsche zudem vorstellen, sich Zuhause auf smarte Helfer und Assistenzsysteme zu verlassen. Deren Fähigkeiten reichen vom Erkennen unverschlossener Wohnungstüren bis zum Fußboden, der Alarm schlägt, wenn ein Bewohner stürzt. Mit Material von dpa Quelle: dpa

Heute kann sich das kaum einer mehr vorstellen. Doch es gab sie tatsächlich einmal. Die Zeiten in denen der heimische Fernseher das familieninterne Lagerfeuer, an dem sich Vater-Mutter-Kind allabendlich versammelten und – mindestens – die Tagesschau gemeinsam verfolgten. In denen Elsner, Kulenkampff oder Carrell Millionen samstagabendlich vor den Mattscheiben versammelten und die TV-Quoten in hohe, zweistellige Sphären schossen.

Die Zeiten, in denen mangels anderer Sender spätestens ab dem fünften Programmplatz nur Rauschen über den Fernsehschirm flimmerte. Die Zeiten, in denen eine 13-jährige Anke Engelke jeweils Anfang September die jüngeren TV-Zuschauer schon nachmittags um drei Uhr vor den Fernseher lockte, weil das Kinderferienprogramm im ZDF zur Internationalen Funkausstellung zu einer Zeit startete, zu der üblicherweise nur das Testbild den Schirm füllte.

Wenn Ende dieser Woche in Berlin wieder die heute nur noch IFA genannte Elektronikmesse ihre Tore fürs Publikum öffnet, dann werden bestenfalls noch ein paar altgediente Messeveteranen unter den Ausstellern und Besuchern an diese Zeiten aus den späten Siebzigern und Achtzigern erinnern. Der jüngere Teil der Messegäste navigiert durch ungezählte Kabel- und Satellitenkanäle und ist vom Medienkonsum via Internet und übers Smartphone sozialisiert.

TV dominiert weiter den Medienkonsum

Trotzdem, und das überrascht, hat der Fernsehkonsum – trotz der wachsenden Medienkonkurrenz – seine dominierende Stellung im persönlichen Unterhaltungsmix der Deutschen behalten.

Nicht nur das: Seit Mitte der Neunzigerjahre hat die tägliche TV-Nutzungsdauer jedes Bundesbürgers sogar noch um rund 20 Prozent zugenommen. 221 Minuten sah der Durchschnittsdeutsche im vergangenen Jahr täglich fern. Mit knapp 170 Minuten liegt die tägliche Nutzung des Internets damit noch immer deutlich niedriger, auch wenn der Web-Konsum natürlich weit stärker gestiegen ist und sich die Onlinezeit pro Tag seither fast verdreifacht hat.

Mehr TV, mehr Internet... und das, obwohl weder die Arbeitszeiten in vergleichbarem Maße zurückgegangen wären (oder der Tag ein paar zusätzliche Stunden bekommen hätte). Das macht deutlich, wie sehr sich der Medienkonsum im Umbruch befindet. Auch wenn dieser Wandel auf den ersten Blick noch gar nicht so sehr ins Auge sticht.

Die wichtigsten Infos zur IFA 2015

Pünktlich zum Start der IFA also fünf Thesen, wie die Digitalisierung unsere Unterhaltung verändert:

These 1 – Alles Strömt

Was haben die Platten- und Studiobosse nicht schon den Untergang der Musikindustrie bejammert, den baldigen Tod des Video-Verkaufs prognostiziert. Was haben sie über Raubkopien und illegale Tauschportale geklagt. Der Blick auf die Absatzzahlen von CDs etwa zeigt, dass das Geschäft gar nicht mal so schlecht läuft. Mit fast 416 Millionen Euro Umsatz läuft das Geschäft hierzulande im ersten Halbjahr gerade mal 3,4 Prozent schlechter als das im Vorjahr. Und auch beim Videoverkauf liegen DVD und Blu-ray-Disks mit 536 Millionen Euro nur 5,9 Prozent schlechter als zwölf Monate zuvor.

Keine Frage, wenn man nur auf den Verkauf der Silberscheiben schaut, die Geschäfte liefen auch schon mal besser. Aber der entscheidende Punkt liegt ganz woanders:

Während der klassische Medienvertrieb langsam schrumpft, schießen die Umsätze mit Streaming-Inhalten aus dem Netz fast raketenartig in die Höhe. Verglichen mit dem Vorjahr legten die Umsätze mit Musik-Streaming-Angeboten – egal ob dem Abruf einzelner Titel, der mit Abos von Diensten wie Spotify, Deezer oder Soundcloud – im ersten Halbjahr 2015 um fast 90 Millionen Euro zu, ein Plus von fast 74 Prozent im Vorjahresvergleich. Noch extremer sieht es bei Videoinhalten aus: Amazon, Netflix, Maxdome und wie sie alle heißen, sorgten alleine im ersten Halbjahr für 145,4 Millionen Euro Umsatz, ein Zuwachs um gut 116 Prozent.

Was die Deutschen beim Thema Smart Home interessiert

Und der Trend wird sich nicht mehr umkehren. Nahezu jeder neu verkaufte Fernseher besitzt mittlerweile einen Online-Anschluss. Apps für alle relevanten Mediendienste sind integriert – oder lassen sich über Medienadapter, wie Googles Chromecast oder den Amazon Fire TV auch auf älteren Fernseher abrufen.

Spätestens da lösen sich dann auch die Grenzen zwischen TV- und Internet-Konsum auf.

Video-Portale und Second Screen

These 2 - TV al Gusto

Der Trend zum Streaming von Medien geht zwangsläufig mit dem Ende der Allmacht der Programmgestalter einher. Wenn fast beliebige Videoinhalte im Netz nur noch ein paar Maus-Klicks entfernt sind, bestimmt nicht mehr der Programmdirektor von ARD und ZDF oder RTL und Sat.1 die Folge der Sendungen. Jeder Zuschauer wird dann selbst zum Video-Jockey.

Lange war umstritten, ob Fernsehzuschauer diesen Job tatsächlich übernehmen wollen, oder sich nicht doch lieber bequem im Sofa zurücklehnen und visuell berieseln lassen wollen.

Die Frage stellt sich so heute gar nicht mehr. Längst lassen sich nicht nur die regulären Sender in die heimischen TV-Geräte einspeichern, sondern auch die Mediatheken, aus denen ein Großteil der klassischen TV-Inhalte nach Gusto abrufbar sind, wenn es den Fernseh-Konsumenten in den Zeitplan passt. Und auch die großen Video-Portale finden sich längst in der Medienübersicht moderner Fernsehgeräte.

Kochen wie in der Enterprise
June Intelligen Oven Quelle: PR
Robo-Koch Quelle: PR
High-Tech-HerdDer neue Herd aus der Chef Collection des koreanischen Elektronikherstellers Samsung kocht mit Induktionsfeldern – imitiert aber einen Gasherd: LED-Lampfen projizieren virtuelle Flammen auf den Kochtopf. So sieht der Küchenchef auf einen Blick, wie heißt die Platte ist. Samsung Chef collection Range Quelle: Screenshot
Cleverer Kressezüchter Quelle: PR
Grove Labs Quelle: Screenshot
Schnellkocher GenieEin wenig beachteter Vorzug des Star-Trek-Universums ist, dass an Bord von Raumschiff Enterprise niemand kochen und das Geschirr abwaschen muss. Stattdessen kommt das Essen aus einem Gerät namens Replikator, das auf Zuruf binnen Sekunden jede gewünschte Mahlzeit auftischt.Ayelet Carasso and Doron Marco glauben, dass es an der Zeit ist, einen solchen Kochautomaten tatsächlich in die Küchen zu bringen. Die beiden Gründer aus Israel haben ein Gerät entwickelt, das binnen 30 Sekunden die verschiedensten Gerichte zubereitet. Es ähnelt einer modernen Kaffeemaschine, und es funktioniert auch so: Man stecke eine faustgroße Kapsel mit gefriergetrockneten Nahrungsmitteln in den silbernen Kasten und drücke auf einen Knopf. Daraufhin rührt und mixt und wässert die Maschine das Instant-Essen, bis einen Augenblick später eine warme Mahlzeit herauskommt.Ob Couscous mit Gemüse, Hühnchen an Reis, Ramen oder Schoko-Soufflee – diverse Köstlichkeiten sollen sich mit dem Schnellkochapparat schneller als eine Tütensuppe produzieren lassen, beteuern die Gründer. Schon nächstes Jahr möchten sie den Sprint-Kocher für daheim auf den Markt bringen, für nur ein paar hundert Dollar. Quelle: PR
Alles in einen Topf Quelle: PR

Mancher Hersteller hat sogar bereits einen eigenen Programmknopf etwa für Netflix auf der Fernbedienung eingebaut. Für den Aufruf der Lieblingsserie aus den Video-Portalen braucht es dann nicht mehr viel mehr, als für den Sprung zur Bundesligaübertragung im Pay-TV oder den Fernseh-Start zur Tagesschau.

Und wem das Programm aus dem Netz nicht gefällt, der kann immer noch den Digitalrekorder (DVR) aktivieren und so seine private Videothek in Full-HD-Format befüllen. Dafür, übrigens, muss man nicht mal mehr vor dem eigenen Fernseher sitzen. Moderne DVR lassen sich längst auch unterwegs per App vom Smartphone programmieren. Und einige streamen die Aufnahmen sogar zurück übers Netz wieder in Multimedia-Handy.

These 3 – Ein Schirm reicht nicht

Der Fernseher bestimmt, wo wir TV- und Video-Inhalte konsumieren? Das war mal, und ist längst überholt. Tatsächlich emanzipiert sich der Unterhaltungskonsum rasant vom ehemals ersten und einzigen Bildschirm. Der „Second Screen“, der zweite Bildschirm, ist mittlerweile bei vielen Konsumenten etabliert.

Sei es, um im Arbeitszimmer auf dem PC-Bildschirm TV-Inhalte zu verfolgen, die der Erst-Fernseher über einen zusätzlichen Empfänger ins Hausnetz überträgt – etwa beim klassischen Familienkonflikt Fußball vs. Casting-Show. Sei es um auf dem Bett die letzten Minuten eines Krimis im Tablet-Display zu verfolgen, während im Wohnzimmer schon Nachtruhe herrscht. Die Vernetzung der Medientechnik daheim macht’s möglich, dass sich fast beliebige Inhalte von fast jedem Abspiel- auf fast jedes Wiedergabegerät übertragen lassen.

Welche der folgenden Devices nutzen Sie regelmäßig?

Und wer keine Lust hat Video-Streams über Tablet oder Smartphone flimmern, dann lässt sich das Gerät ja immer noch nutzen, um sich via soziale Netze mit Freunden über den Plot der Streifen oder die Vermutungen zum Täter auszutauschen.

These 4 – Nie mehr alleine

Wer sich mit Partner oder Partnerin nicht über die Bewertung des laufenden Programms einig wird, der tauscht sich künftig problemlos mit seinen Bekannten übers Internet aus. Ob Fußball-Länderspiel oder Krimi-Klassiker, längst läuft in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook der millionenfache Parallelkommentar zum Programm mit. Gefiltert via #-Hashtag oder im direkten Dialog mit den Kumpels lässt sich so öffentlich (oder auch privat) kommentieren, wie sich #DieMannschaft oder der Moderator vom #Quizduell schlägt.

Die besten Action-Cams auf dem Markt
Garmin Virb XE Quelle: PR
GoPro Hero4 Black auf der Google I/O Quelle: REUTERS
HTC Re Quelle: PR
Panasonic HX-A500 Quelle: PR
Rollei ActionCam 410 Quelle: PR
Shimano Sport Camera CM 100 Quelle: PR
Sony X1000V Quelle: PR

Das wird in Zukunft längst nicht mehr nur vom Handy oder Tablet aus funktionieren. Denn inzwischen machen sich die Apps zunehmend auch direkt auf dem TV-Bildschirm breit. Sony und Philips beispielsweise nutzen eine für Fernsehgeräte angepasste Version von Googles Android-Betriebssystem, das nicht nur die Darstellung von Web-Inhalten auf den Querbildschirm des TV-Gerätes anpasst. Es ermöglicht sogar die Installation fast beliebiger Smartphone-Apps. Und das nur für den fernseh-begleitenden Chat.

LG setzt auf das einst vom Smartphone-Pionier entwickelte Betriebssystem webOS, das ebenfalls die Nutzung von Medien-Apps auf dem Bildschirm ermöglicht. Panasonic hat in einen Teil seiner Fernseher das Betriebssystem Firefox-OS der Mozilla-Foundation integriert. Allen gemein ist, dass in Zukunft neben den TV-Programme jede Menge App-Inhalte übers Giga-Display abrufbar sind. Wer will, blendet einfach zum Programm auch noch die passenden Chat-Apps ein und lästert da über Fehlpässe und Versprecher ab.

Quote? Interessiert nicht

These 5 – Der gläserne Zuschauer

Wer im Netz unterwegs ist, ob am Handy oder am Computerbildschirm tut das nur noch in Ausnahmefällen wirklich unbeobachtet. Online-Shops und Suchmaschinen, Fahrplanauskunft oder Nachrichtenportale, sie alle protokollieren mit, wer wann wo was anschaut – und wollen das Wissen zu (Werbe-) Geld machen oder mit der Information übers Nutzerverhalten die eigenen Angebote optimieren.

In der traditionellen TV-Forschung war all das nicht möglich. Gemessen an der Datenflut des Online-Trackings wirkt die hochgerechnete TV-Quote wie eine steinzeitliche Methode.

Die Smartphone-Apps für Digicams
Olympus Quelle: Mehmet Toprak
Sie ist eine sehr robuste und wetterfeste Outdoorkamera mit integriertem GPS. Quelle: Mehmet Toprak
Tough TG-4 von Olympus Quelle: Mehmet Toprak
Fotos unter Wasser Quelle: Mehmet Toprak
Olympus App Quelle: Screenshot
Canon Powershot Quelle: Mehmet Toprak
Canon Camera App Quelle: Screenshot

Und die hat sich in Zeiten des digitalisierten Medienkonsums im Grunde überlebt. Denn dank des zunehmenden Abrufs von Inhalten aus dem Netz weiß heute der Web-Server, wer wann welchen Video-Stream aus dem Netz startet, wann anhält und bei welcher Szene womöglich der Zuschauer abbricht.

„Die Quoten vom Vortag? Sowas interessiert uns nicht“, sagte Roy Price beim Edinburgh International Television Festival. Prince ist Chef von Amazon Studios, dem Filmproduzenten, den sich der Online-Versender zugelegt hat, um für seine Videoportale exklusive Inhalte zu produzieren. „Wir können unsere Zugriffszahlen stündlich betrachten.“

Die Folge: Genauso wie bei den Verkäufen in seinem Internet-Kaufhäusern kann Amazon auch beim Video-Programm exakt auswerten, welchem Nutzer, was gefällt, kann Empfehlungen aussprechen, welche Filme bei ähnlich interessierten Zuschauern auch gut angekommen sind. Und Amazon kann seine Zuschauer sogar explizit über die künftige Programmentwicklung mitentscheiden lassen. Prince legt dann Pilotfolgen einzelner neuer Serie seinen Kunden zur Abstimmung vor. „Unsere Kunden geben ein verlässlicheres Feedback als alle traditionellen Fokusgruppen.“

In Arbeit
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Manchmal allerdings braucht nicht mal Amazon solch einen Vorabtest. Kurz nachdem die britische BBC den Moderator der Motor-Kult-Serie „Top-Gear“, Jeremy Clarkson, vor die Tür gesetzt hatte, heuerte der mitsamt seiner Kollegen Richard Hammond und James May bei Prince und seinen Amazon-Studios an.

Bleibt es bei der coolen Ruppigkeit des Trios, dann wird die Auto-Sendung künftig auch im Amazon-Stream nicht weniger erfolgreich sein, als bei der alten Tante BBC. Die Zuschauerquoten werden sie bei Amazon vermutlich dennoch sogar minutengenau tracken... und jedem Zuschauer anschließend vielleicht beim nächsten Besuch im elektronischen Buchlanden oder dem Auto-Zubehör-Portal die passenden Angebote unterbreiten können.

Nicht nur das hätten sich die IFA-Besucher wohl zu Zeiten von Kulenkampffs „EWG“ oder Engelkes „Kinderferienprogramm“  auch nur im Entferntesten vorstellen können.

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