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Illegales Online-TV Piratensender im Internet

Millionen Menschen sehen TV-Serien auf neuen Videoportalen im Netz - oft bevor sie im Fernsehen laufen. Studios versuchen, von der illegalen Konkurrenz zu lernen. Wenn sie nicht bald reagieren, droht ihnen ein Debakel wie der Musikindustrie.

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Vampire Diaries

Für Fans amerikanischer Serien ist der Herbst die wichtigste Jahreszeit. Während die Tage kürzer werden, starten US-Sender reihenweise neue Formate: Die Science-Fiction-Serie „Flash Forward“ etwa, oder die Mystery-Reihe „The Vampire Diaries“. Früher mussten Serienfans im Rest der Welt Monate oder sogar Jahre warten, bis sie die neuen Folgen zu sehen bekamen. Heute dauert es nur wenige Stunden.

Kaum hat ein Sender eine neue Folge ausgestrahlt, steht sie schon im Netz auf sogenannten Streaming-Web-Seiten, manchmal sogar in hochauflösender HD-Qualität. Das ist zwar illegal. Doch weil die Nachfrage so groß ist, vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Seitenbetreiber mit einem neuen Piratensender ans Netz geht: Bekannte Vertreter sind die teils erst wenige Monate alten Portale Megavideo, Salloumi und Filebase.

Und längst sind nicht mehr Spielfilme im Fokus solcher Plattformen: Wichtigstes Geschäft sind TV-Serien.

Neue Qualität der Piraterie

Die Technik dieser Streamingseiten ist mit dem Videoportal YouTube vergleichbar: Zuschauer mit einer schnellen Internet-Verbindung können den Clip am Bildschirm sofort starten, ohne ihn zuvor auf den Rechner laden zu müssen. Die riesigen Videodateien werden zwar nach und nach auf dem Computer zwischengespeichert. Doch nach dem Abspann verschwinden sie automatisch wieder von der Festplatte.

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    Das ist eine neue Qualität der Piraterie: Bislang mussten Nutzer oft komplizierte Tauschbörsensoftware auf den Rechner laden, zum Beispiel eDonkey oder BitTorrent. Heute ist es so leicht wie das Lesen eines Artikels auf einer Nachrichtenseite.

    Durch den riesigen Dschungel an illegalen TV-Angeboten führen sogenannte Tracking-Web-Sites wie SurfTheChannel oder GreatStuffTV. Diese Internet-Seiten sind illegale virtuelle TV-Zeitschriften, die die Zuschauer auf die richtige Video-Web-Site mit der neuesten Episode lotsen.

    Weil es so einfach ist, werden weltweit gerade Millionen Menschen zu Seriendieben: Hierzulande sorgen Streaming-WebSites schon für rund 25 Prozent des Datenverkehrs, schätzt Hendrik Schulze, Chef des Leipziger Internet-Technologieausrüsters Ipoque. Allein die Besucherzahl des Portals Megavideo hat sich im vergangenen Dreivierteljahr mehr als verdoppelt.

    Hulu - die Zukunft des Fernsehens?

    Amerikanische Film- und TV-Studios wie Warner Bros. und Fox beobachten dieses blühende Geschäft mit Interesse. Zwar gehen ihnen Millionen Dollar Umsatz durch die Lappen, vor allem durch sinkende DVD-Verkäufe. Andererseits ist ihnen klar: Die neue Technik könnte die Antwort sein auf eine seit Jahren unbeantwortete Frage: wie das Fernsehen der Zukunft aussehen wird.

    Seit vergangenem Jahr arbeiten die US-Konzerne NBC und Newscorp gemeinsam an ihrer Zukunft: Sie gründeten die Videoplattform Hulu, die ähnlich wie die illegale Konkurrenz funktioniert. Hulu ist der erste ernsthafte Versuch von namhaften Unternehmen, mit Internet-Fernsehen Geld zu verdienen. Inzwischen stieg auch Disney ein. Zusammen steckten die Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 100 Millionen Dollar in die Web-Site. Heute stellen über Hulu fast alle großen US-Sender ihre Serien ins Netz. Finanziert wird die Plattform durch Werbeclips.

    Und das Geschäft läuft. Marktforschern zufolge ist eine Werbeminute bei Hulu bereits doppelt so teuer wie im normalen Fernsehen. Einziger Haken: Die meisten Hulu-Inhalte sind derzeit nur für Internet-Nutzer in den USA legal abrufbar. Deshalb blüht das illegale Geschäft im Rest der Welt weiter.

    Zum Themendienst-Bericht Quelle: dpa-tmn

    Dabei ist Branchenkennern längst klar: Dienste wie Hulu sind nur der Anfang einer Revolution. Denn die Überlegungen gehen längst weiter: Experten denken bereits darüber nach, nur noch zwei bis drei Staffeln von Serien kostenlos im Fernsehen und im Internet zu zeigen. Schließlich sinken die Werbeeinnahmen sowieso, je länger eine Serie läuft, weil die Zuschauerzahl sinkt.

    Weitere Staffeln könnten die Studios auf Plattformen wie Hulu kostenpflichtig anbieten. Produktion und Schauspieler würden dann quasi von den Fans der Serie bezahlt, die verhindern wollen, dass sie abgesetzt wird.

    Um die Auswüchse raubkopierter TV-Serien schon heute zu begrenzen, arbeiten Studios und Fernsehsender mit den bekannteren Streamingportalen wie  YouTube und Veoh zusammen. Soweit technisch möglich, werden auf diesen Plattformen illegal veröffentlichte Episoden automatisch blockiert, entfernt oder durch einen Trailer der entsprechenden Serie ersetzt.

    Schwierigkeiten haben die Urheberrechtswächter dagegen bei den Streamingseiten, die ausschließlich dem Zweck dienen, unlizenzierte Inhalte zu verbreiten, gibt Christian Sommer, der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), zu.

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      Debakel wie bei der Musikindustrie

      Trotzdem können und wollen die GVU und ihre Mitglieder nicht alle Internet-Nutzer beobachten, um zu sehen, wer sich illegal Serien im Netz anschaut. „ Wir konzentrieren uns seit jeher auf diejenigen, die die illegalen Inhalte ins Netz stellen, die illegale Verbreitung steuern und ermöglichen“, sagt Sommer.

      Inzwischen hat die Technik einem neuen Publikum den Weg zu raubkopierten Serien geebnet. So nutzen nicht mehr nur computeraffine Teenager die Dienste: Vor allem bei Frauen sind sie beliebt.

      Deshalb gilt: Welche legale Lösung sich letztlich auch durchsetzen wird, einen Weg zurück gibt es für Sender und Studios nicht mehr. Stellen sie sich nicht schnellstens auf ihre Nutzer ein, könnten sie ein ähnliches Debakel erleben wie die Musikindustrie. Der bescheren Raubkopierer bereits seit Jahren Milliardenschäden.

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