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Informationstechnologie Streit um Gebraucht-Software ist voll entbrannt

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Die Programme, die so in den Handel gelangen, decken die komplette Palette der Standardsoftware ab. Ihre Liste liest sich wie ein Who’s who der IT: Microsoft, Oracle, SAP, Adobe, Autodesk, Lotus, CitrixNovell oder IBM. Oft sind es ältere, von den Herstellern nicht mehr lieferbare Versionen, etwa Microsofts Office 2003 oder das im Juli vom Markt genommene Windows XP, die noch sehr gefragt sind.

Für viele ist der Gebrauchtmarkt oft die einzige Möglichkeit, noch an die Programme zu kommen. Dort ist etwa das Betriebssystem Windows XP in großen Stückzahlen erhältlich. „Gerade eine groß angelegte Softwareumstellung wie auf Windows Vista lässt den Zweithandel mit gebrauchter Software erblühen“, sagt Usedsoft-Chef Schneider, Software nutze sich schließlich nicht ab und sie „rostet auch nicht“.

Hinzu kommt, dass sich mit den Programmen aus zweiter Hand vortrefflich Geld sparen lässt. Der Preisvorteil der Gebrauchtprogramme gegenüber dem Neupreis reicht bis zu 50 Prozent. Auch Kommunen haben den Vorteil für ihre knappen Kassen erkannt – die Stadt München etwa will nicht mehr länger als nötig für ihre Programme zahlen, sagte im Sommer Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und warb für den Einsatz der Kostensenkungs-Programme.

Um die Secondhandbedürfnisse von Kunden wie Ude oder den IT-Verantwortlichen in Unternehmen kümmert sich inzwischen ein gutes Dutzend Dienstleister und Händler: Neben Usedsoft gehören Preo, Susensoftware und USC zu den Umsatzgrößen in der Zweite-Hand-Branche.

Auch wenn die Umsätze der Branche noch überschaubar sind, sorgen sich die Software-hersteller über den dynamisch wachsenden Zweitmarkt-Handel mit ihren Cash-Cows: Schließlich fließen durch gebrauchte Software keine zusätzlichen Lizenzerlöse in die Konzernkassen.

Einige Hersteller gehen daher rechtlich gegen die Gebrauchthändler vor. Erst Anfang Juli untersagte das Oberlandesgericht München in einem Berufungsverfahren Usedsoft zumindest den Weiterverkauf von gebrauchten Softwarelizenzen des Datenbank-Anbieters Oracle, die Usedsoft – im Gegensatz zu anderen Herstellern – nur online vertrieben hatte (Az. 6 Z 2759/07). Endgültig entschieden ist der bereits rund zwei Jahre dauernde Streit noch längst nicht.

Usedsoft will das Verfahren bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) bringen, rechnet allerdings frühestens in zwei bis drei Jahren mit einem Grundsatzurteil. Im Kern geht es bei dem Rechtsstreit darum, ob nur solche Software, die auf Datenträgern wie einer CD gespeichert sind, weiterverkauft werden darf. Oder eben auch solche, die nur per Internet-Download ausgeliefert wurde.

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